
Buchholz in der Nordheide/Tostedt. 70 Schülerinnen und Schüler des Schulzentrums Tostedt haben am Dienstag, 27. Januar, mit einem gemeinsamen Stolpersteinrundgang der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Die Schule am Düvelshöpen, die Erich-Kästner Realschule und das Gymnasium Tostedt beteiligten sich mit Schülerinnen der zehnten Klassen an der Aktion.
Gemeinsam organisierten das Forum für Zivilcourage und die Projektgruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage” den Rundgang. Die Projektgruppe setzt damit ihre Tradition fort, jedes Jahr eine gemeinsame Aktion mit allen drei Schulen durchzuführen. Für den Vormittag waren drei Stationen geplant, an denen die Jugendlichen die Stolpersteine reinigten und sich mit den persönlichen Schicksalen der Menschen beschäftigten.
Der Rundgang startete an den Stolpersteinen der Familie Rosen in der Poststraße. Hier erinnerten die Jugendlichen an das Schicksal der vier Töchter der Familie Rosen. Sie alle fielen den Nationalsozialisten zum Opfer und wurden deportiert und ermordet. Weiter ging es zur Bahnhofsstraße zum Stolperstein von Rosette Dörnbrack. Nachdem ihr Schicksal mit der anstehenden Deportation ins KZ besiegelt schien, rettete ein Akt der Zivilcourage ihr vermutlich das Leben. Der Tostedter Landarzt Dr. Pieper attestierte ihr, dass sie transportunfähig sei und bewahrte sie so vor ihrem Schicksal.
Der Rundgang endete am Rathaus mit den Stolpersteinen vom polnischen Zwangsarbeiter Boleslaw Marzec und Anna Riepshoff. Liebesbeziehungen zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern waren verboten. Boleslaw Marzec wurde öffentlich gehängt und Anna Riepshoff verhaftet und später ins KZ gebracht. Sie wurde 1943 entlassen.
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Patenschaft für Stolpersteine geplant
Durch das Erzählen der einzelnen Lebensgeschichten wurden die Schicksale hinter den Stolpersteinen greifbar. Die Jugendlichen waren sichtlich betroffen. Samtgemeindebürgermeister Dr. Peter Dörsam machte in seiner Rede deutlich, dass die heutige Jugend keine Verantwortung für die Verbrechen der Nationalsozialisten trägt, wohl aber die Verantwortung, dafür einzustehen, dass sich solches Unrecht niemals wiederholt. Er bedankte sich bei den Teilnehmenden für ihr Engagement.
Mattes Bieler vom Tostedter Jugendrat betonte, wie wichtig es ist, die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten. „Nie wieder Faschismus”, sagte er, bedeute nicht nur das Erinnern, sondern auch aktives Handeln, Toleranz und das offene Gespräch über Ausgrenzung und Diskriminierung.

Nach der Auftaktveranstaltung ist jetzt geplant, dass die Schulen eine dauerhafte Patenschaft für die Stolpersteine übernehmen und diese in regelmäßigen Abständen putzen. Dass dies wichtig ist, zeigen auch Ereignisse der vergangenen Wochen, bei denen antisemitische Hetze auf einen Stolperstein in Tostedt geschmiert wurde. Engagierte Bürgerinnen hatten dies schnell beseitigt. (dh)











