
Buchholz in der Nordheide/Reindorf. Fast bis auf den letzten Platz ist die Rathauskantine am Mittwochabend gefüllt. Mehr als 30 Reindorfer sind gekommen, um zu hören, wie es weitergeht mit dem Hankenshof. Dem Hof, der seit Jahrzehnten zur Reindorfer Ortsmitte gehört und nun zu einem Wohnquartier werden soll. Mit 35 Wohnungen. In einem Dorf mit kaum 200 Einwohnern.
Karsten Groth von der Groth Bau GmbH steht vor dem Ausschuss für Stadtentwicklung und breitet die Pläne aus. Der ehemalige landwirtschaftliche Betrieb zwischen Reindorfer Landstraße und Hankensweg wurde altersbedingt aufgegeben. Im Haupthaus wohnen einige Mieter, einige Flächen sind an Gewerbe vermietet. Aber die Wirtschaftsgebäude sind marode. „Würden wir nichts machen, würde die Fläche weiter im Dornröschenschlaf bleiben”, sagt Groth.
Sein Konzept: Das historische Wohngebäude sanieren, darin acht Wohnungen schaffen. Die verfallenden Scheunen abreißen, dafür zwei Mehrfamilienhäuser mit jeweils rund zehn Wohneinheiten bauen. Dazu vier Reihenhäuser, ein Einfamilienhaus oder Doppelhaus. Die alte Streuobstwiese mit den Bäumen soll geschützt werden. Insgesamt 35 Wohneinheiten, teilweise barrierefrei, mit Aufzügen in den Mehrfamilienhäusern. 80 bis 100 neue Bewohner seien es für Reindorf.
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Groth wirbt für den Standort. Die Bushaltestelle liege direkt am Hof, halbstündlicher Takt. Mit dem Fahrrad seien es nur drei Kilometer nach Buchholz. Die Lage sei attraktiv. Und: „Es soll für Reindorf sein, nicht gegen Reindorf.”
Debatte um Dorfcharakter und Dimensionen
Doch genau darüber sind sich nicht alle einig. Martin Natorp (SPD) erklärt: Er könne sich „Wohnbebauung vorstellen, aber die vorgeschlagene Bebauung passt nicht zu dem Ort Reindorf”. Ringsum stünden Einfamilienhäuser, der Hof selbst sei prägend gewesen durch seine anderthalbgeschossigen Gebäude. Daran solle sich der Bebauungsplan orientieren.
Groth antwortet: Man wolle ein Quartier schaffen, auch mit barrierefreien Wohnungen. Dann sagt er einen entscheidenden Satz: „Für Einfamilienhäuser brauchen wir gar keinen Bebauungsplan. Wir könnten das Grundstück einfach aufteilen und verkaufen.” Dann würde aber die historische Hofstätte verloren gehen.
Philip Schlumbohm (GRÜNE) sagt, er könne sich eine moderne Interpretation der Hofstelle vorstellen. „Reindorf ist eine der wenigen letzten bäuerlichen Ortslagen.” Die Gebäude sollten „die Gestaltung des Ortes beibehalten, nicht null acht fünfzehn” werden.
Gudrun Eschment-Reichert (fraktionslos) findet es „hervorragend, wenn der Charakter erhalten bleibt, der prägend für den Ort ist”. Allerdings müssten die Mehrfamilienhäuser etwas niedriger werden.
Verkehr, Abwasser und 50 Prozent mehr Menschen
Steffi Menge (SPD) bringt die Zahlen auf den Tisch, die viele Reindorfer bewegen. „50 Prozent mehr Einwohner, das finde ich eine heftig hohe Zahl”, sagt sie. Im Ortskern lebten derzeit etwa 60 Personen, das Projekt würde die Bevölkerung fast verdoppeln.
Bernard Wegner, beratendes Mitglied des Ausschusses und selbst Reindorfer, sieht noch eine andere Schwierigkeit: „Der Hankensweg selbst ist ein großes Problem”, sagt er. „Der Weg wird als Schulweg von Kindern zur Bushaltestelle genuetzt.” Er ist schmal, eng, einspurig befahrbar. Unter dem Asphalt liegt noch das alte Kopfsteinpflaster. Ob da künftig deutlich mehr Verkehr durchpasse? Wegner schlägt eine Zufahrt von der Reindorfer Landstraße vor. Doch die ist schwer einsehbar, sagt Groth.
Ein weiteres Thema sorgt für Diskussion: das Abwasser. In Reindorf gibt es keinen Kanalanschluss. Die Entsorgung müsse dezentral geregelt werden, erklärt Groth. Das sei aber alles möglich.
Dann geht es um die Bauhöhe. In der offiziellen Vorlage steht: drei Vollgeschosse für die Mehrfamilienhäuser. Natorp: „Das passt nicht.” Groth widerspricht energisch. Nein, es seien 2,5 Geschosse geplant. Zwei Vollgeschosse und ein Dachgeschoss. Menge bleibt hartnäckig, zeigt auf die Vorlage. Da stehe nun mal dreigeschossig. Die Buchholzer Verwaltung räumt schließlich ein: „Es steht falsch in der Vorlage”. Es bleibe bei 2,5 Geschossen.
Ortsvorsteher: Nicht dagegen, aber besorgt
Robert Wiedemann, Ortsvorsteher von Reindorf, wählt seine Worte sorgfältig, während er gesammelt die Fragen und Anmerkungen der Reindorfer vorträgt: „Wir sind nicht dagegen, wir machen uns aber Sorgen”, sagt er. Die Personenzahl sei hoch für den kleinen Ortskern. Vor allem aber: „Die Zuwegung ist nicht geklärt. Den Hankensweg auszubauen, das ist keine wirkliche Option.”
Auch beim öffentlichen Nahverkehr bleibe vieles unklar. Es gibt nur den Bus vom Landkreis. Die Verwaltung stellt schnell klar: Der Buchholz Bus werde nicht nach Reindorf verlängert. Es bleibe beim Regionalbus.
Groth betont noch einmal: Kleiner funktioniere das Projekt wirtschaftlich nicht. Es sei eine Chance für Reindorf. Die Wohneinheiten würden an Endverbraucher verkauft, die Kosten für das Bebauungsplanverfahren trage das Unternehmen.
In den Bebauungsplan ist auch noch die Wiese, zwischen Hankensweg und der Straße Specken aufgenommen. Was dort entstehen könnte? Bisher gibt es keine genaueren Pläne.
Am Ende stimmt der Ausschuss dem Grundsatzbeschluss zu. Die Bauleitplanung wird eingeleitet, die frühzeitigen Beteiligungsverfahren können beginnen. Nur Grit Weiland (Buchholzer Liste) enthielt sich. Sie sehe das Projekt grundsätzlich positiv, habe aber „Bauchschmerzen wegen des Zuwachses um 50 Prozent”.
Das Quartier Hankenshof wird also vermutlich kommen. Wie genau es aussehen wird, das entscheidet sich in den kommenden Monaten und vermutlich Jahren. (JOTO)











