
Buchholz in der Nordheide/Landkreis Harburg. Rund 70 Fachkräfte aus Medizin, Psychologie, Jugendhilfe, Sozialpsychiatrischem Dienst, Beratungsstellen, Geburtshilfe und dem Hebammenwesen kamen zum internen Netzwerktag Frühe Hilfen im Kreishaus zusammen. Unter dem Motto „Kooperation neu denken” arbeiteten die Beteiligten an der Weiterentwicklung der gemeinsamen Kooperationsvereinbarung zum Kinderschutz.
Frühe Hilfen unterstützen Familien mit Kindern bis drei Jahre in belasteten Lebenslagen. Besonders die ersten 1.000 Tage im Leben eines Kindes sind entscheidend für die gesunde körperliche und soziale Entwicklung. In dieser prägenden Zeit sind junge Familien oft mit gesundheitlichen, psychischen, sozialen oder finanziellen Herausforderungen konfrontiert.
Kreisrätin Ana Cristina Bröcking betonte in ihrer Begrüßungsrede die Bedeutung der präventiven Arbeit. „Frühe Hilfen sind unser gemeinsames Anliegen und sie sind unser gemeinsamer Auftrag”, sagte Bröcking. Sie seien keine Zusatzleistung, kein „nice to have”, kein Dekoelement guter Sozialpolitik, sondern eine unverzichtbare Investition in faire Chancen für jedes Kind. Die Kreisrätin dankte den Fachkräften für ihr Engagement: „Kinderschutz geht uns alle an.”
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Komplexe Diagnosen erschweren Einordnung
Einen vertiefenden Impuls lieferte der Vortrag „Kindeswohl im Nebel der Diagnosen – zwischen psychischer Erkrankung, Post-COVID-Syndrom und ME/CFS”. Dr. Cordula Warlitz und Diplom-Sozialpädagoge Philipp Theis vom Münchner Chronische Fatigue Centrum für junge Menschen des Klinikums Rechts der Isar der Technischen Universität München machten deutlich, wie komplex die Einordnung familiärer Belastungssituationen mittlerweile geworden sind. Interdisziplinäre Zusammenarbeit im Kinderschutz sei wichtiger denn je.
Während des Nachmittags spielten die Fachkräfte in interdisziplinären Runden sogenannte Familienkonferenzen anhand realitätsnaher Fallbeispiele praktisch durch. Ziel war es, Kriterien für gute Übergänge zwischen den verschiedenen Frühe Hilfe-Systemen zu identifizieren. Dabei sollten sichere Schnittstellen, klare Zuständigkeiten sowie transparente Absprachen für die überarbeitete Kooperationsvereinbarung festgehalten werden. „Nicht eine einzelne Sichtweise ist entscheidend, sondern das Miteinander der Perspektiven”, sagte Bröcking. Um 18 Uhr endete der Fachtag mit vielen neuen Impulsen für die Weiterentwicklung der Frühen Hilfen im Landkreis Harburg. (dh)










