
Buchholz in der Nordheide/Winsen (Luhe). Fast jeden Tag stirbt in Deutschland eine Frau durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners. Was dann oft verharmlosend als Familiendrama oder Verbrechen aus Leidenschaft bezeichnet wird, hat einen Namen: Femizid. Das Netzwerk gegen häusliche Gewalt im Landkreis Harburg will auf diese brutale Realität aufmerksam machen und lädt zu einer Mahnwache ein.
Am Dienstag, 25. November, findet ab 17 Uhr vor dem Winsener Rathaus eine Gedenkveranstaltung für die Opfer von Femiziden statt. Unter dem Motto „Getötet, weil sie Frauen sind” beginnt damit die 16-Tage-Kampagne gegen Gewalt an Frauen. Bereits den ganzen Tag über sind Mitglieder des Netzwerks in der Innenstadt präsent. Bei einer Brötchentütenaktion gibt es Informationen und eine kleine Überraschung für Passanten.
„Noch immer wird Gewalt gegen Frauen verharmlost”, sagt Andrea Schrag, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Harburg. Dabei gehörten die Tötungen durch den Partner oder Ex-Partner weltweit zu den häufigsten unnatürlichen Todesursachen bei Frauen. „Wir wollen ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen und für das Recht auf Leben in Sicherheit und Würde setzen”, betont Dörthe Hein, Mitarbeiterin der Beratungsstelle BISS. Dazu wird ein Lichtermeer in der Innenstadt aufgestellt. „Wir wollen damit zum Innehalten einladen und der Opfer gedenken”, sagt Hein. Die Mahnwache soll Raum für Trauer und Solidarität geben. Redebeiträge beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Es sprechen Kreistagsvorsitzender Rudolf Meyer, Thomas Meyn, Leiter der Polizeiinspektion Harburg, und Schrag.
Erschreckende Zahlen aus der Kriminalstatistik
Die Statistik des Bundeskriminalamts für 2023 ist alarmierend: 938 Frauen wurden Opfer von versuchtem oder vollendetem Mord oder Totschlag, 360 Frauen wurden getötet. Alle vier Minuten erlebt eine Frau in Deutschland Gewalt durch den Partner oder Ex-Partner. Insgesamt kamen im vergangenen Jahr bundesweit 171.100 Fälle von Partnerschaftsgewalt zur Anzeige, ein Plus von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
„Die Misshandlungen geschehen nicht aufgrund eines einmaligen Kontrollverlustes, sondern dienen dazu, Macht und Kontrolle über das Opfer auszuüben”, sagt Carsten Bünger von der Polizeiinspektion. Gewalt seien nicht nur Schläge. Auch Bedrohungen, Beschimpfungen und Kontrolle sind Formen von Gewalt. Sie kann Menschen aller sozialen Schichten und jeden Alters treffen, im eigenen Zuhause, aber auch am Arbeitsplatz oder in der Öffentlichkeit.
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Kommt es im Landkreis Harburg zu Polizeieinsätzen wegen häuslicher Gewalt, stellt die Polizei den Kontakt zur Beratungsstelle BISS her. Die BISS hatte 2024 zu 557 Frauen im Landkreis Harburg Kontakt. Für umfassende Unterstützung gibt es seit November 2019 eine Beratungsstelle für alle Mädchen und Frauen, unabhängig vom Zeitpunkt und der Art der erlebten Gewalt. 155 Fälle verzeichnete die Einrichtung im vergangenen Jahr. Zuflucht im Frauenhaus haben im vergangenen Jahr 24 Frauen mit 32 Kindern gefunden.
Hilfe für Betroffene im gesamten Landkreis
Die Beratungsstelle BISS ist telefonisch unter 04181 219 7921 zu erreichen, das Frauenhaus im Landkreis Harburg unter 04181 217151. Das bundesweite Hilfetelefon bei Gewalt gegen Frauen ist unter 116 016 erreichbar, die Beratungsstelle für gewaltbetroffene Mädchen und Frauen unter 04171 6008850. Die Krankenhäuser Buchholz und Winsen sind Netzwerkpartner im Projekt ProBeweis der Medizinischen Hochschule Hannover. Das Hilfsangebot richtet sich an Opfer von häuslicher oder sexueller Gewalt, die noch keine Anzeige erstatten wollen. Betroffene können ohne Termin oder Anruf in die Notaufnahme der Kliniken kommen. Im akuten Fall ist die Polizei unter der Notrufnummer 110 ansprechbar.
Die 16-Tage-Kampagne „Gegen Gewalt an Frauen” bietet bis zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm. Unter dem Motto „Frauenrechte sind Menschenrechte” gibt es Workshops, Vorträge und Veranstaltungen. Informationen zu allen Veranstaltungen gibt es unter www.landkreis-harburg.de/16-tage-kampagne sowie auf der Homepage des Netzwerks gegen häusliche Gewalt unter www.gghglkh.de/aktuelles/. (tj)










