
Buchholz in der Nordheide/Landkreis Harburg. Auf 459 Beschäftigte kommt im Landkreis Harburg ein Einkommensmillionär. Insgesamt haben 72.100 Menschen einen Job, arbeiten vor allem im Handwerk, in der Industrie und in der Dienstleistung. Gleichzeitig gibt es 157 Menschen mit einem Jahreseinkommen von mindestens einer Million Euro. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hingewiesen und beruft sich dabei auf Zahlen des Landesamts für Statistik Niedersachsen und der Arbeitsagentur.
Steffen Lübbert, Geschäftsführer der NGG Lüneburg, warnt vor einer zunehmenden sozialen Schieflage im Landkreis. Die Gesellschaft gerate immer mehr aus den Fugen. „So sieht das Gefälle zwischen Normal- und Spitzenverdienern im Kreis Harburg aus”, sagt Lübbert. Die einen krempelten die Ärmel hoch, um über die Runden zu kommen. Die anderen verdienten ihr Geld überwiegend an der Börse und mit Unternehmensgewinnen.
Es gehe nicht darum, dass die einen mehr Geld hätten als die anderen, betont der Gewerkschafter. „Es geht darum, dass immer mehr trotz eines Vollzeitjobs darum kämpfen, genug Geld für Miete, Sprit und Lebensmittel zusammenzubekommen”, sagt Lübbert. Von denen, die keine Arbeit hätten oder mit Armut im Alter klarkommen müssten, ganz zu schweigen.
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Auf der anderen Seite gebe es wenige, die diese Sorgen nicht kennten und problemlos ein paar Euro abgeben könnten. „Das ist nicht nur ungerecht, das gefährdet am Ende sogar die Demokratie”, sagt Lübbert. Der Gewerkschafter appelliert an die Bundestagsabgeordneten von CDU und SPD aus dem Landkreis Harburg und der Region, beim anstehenden Reformpaket der Regierungskoalition sozialen Kurs zu halten.
Lohn wird stärker besteuert als Kapitaleinkommen
„Es geht darum, Menschen, die Tag für Tag arbeiten, nicht noch weiter abzuhängen. Denn sie sind die breite Mehrheit und tragen die Hauptlast: Lohn- und Mehrwertsteuer drücken enorm”, sagt Lübbert. Erbschaften und Vermögen brächten dagegen nur 1,1 Prozent des gesamten Steueraufkommens.
Forderung an die Politik
Auf keinen Fall dürfe Arbeit stärker besteuert werden als Kapitaleinkommen wie Zinsen, Dividenden von Aktien oder Kursgewinne beim Verkauf von Wertpapieren. Dafür falle meistens pauschal nur eine Abgeltungsteuer von 25 Prozent an. „Ein Durchschnittspaar zahlt immerhin 43 Prozent Steuern und Abgaben”, sagt Lübbert. Das müsse Schwarz-Rot jetzt ändern.
Bundestagsabgeordnete gefragt
Gerechte Steuern und eine faire Vermögensverteilung seien das A und O der Reformen, die der Bund jetzt anschieben müsse. Die heimischen Bundestagsabgeordneten müssten dafür sorgen, dass die anstehenden Reformen bei Steuern, Rente, Gesundheit und anderen Bereichen die Kluft zwischen Arm und Reich überwinden und nicht noch größer machen.
Dabei dürften eine Vermögenssteuer und ein höherer Spitzensteuersatz keine Tabus sein. Starke Schultern müssten endlich auch mehr tragen. Außerdem fordert die NGG Lüneburg Schwarz-Rot auf, den Mut zu haben, das Ehegattensplitting abzuschaffen. Es mache Jobs für Frauen oft unattraktiv und fördere damit überkommene Rollenbilder. (tj)











