Buchholz in der Nordheide. Weite Acker- und Grünlandflächen erstrecken sich links und rechts der Bremer Straße. Eine schmale Baumreihe teilt die Felder, im Hintergrund ragen Bäume in den Himmel. Noch ist hier nur Natur zu sehen.
Doch genau hier, am Stadteingang West neben den Ortschaften Brumhagen und Steinbeck, könnten bald bis zu 580 Wohnungen entstehen. Politiker waren in der vergangenen Woche vor Ort, um sich die Flächen anzuschauen und mit Anwohnern zu sprechen. Die Pläne für das neue Baugebiet nehmen langsam Fahrt auf.
Doch es gibt auch kritische Stimmen. Insbesondere zum Verkehr. Die Bremer Straße ist schon jetzt überlastet. Auch die Knotenpunkte zur B75 und zum Sprötzer Weg sind zu den Stoßzeiten voll.
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„Wenn ein Baugebiet so schlecht angeschlossen ist wie dieses hier, ist Autonutzung logisch”, sagt Gudrun Eschment-Reichert von der Wählergemeinschaft Wir für Buchholz im Ausschuss für Stadtentwicklung. Ein Verkehrsgutachten soll nun ermitteln, welche Mehrbelastungen durch das neue Wohngebiet entstehen.
Bushaltestelle zu weit weg: Kritik an schlechter Anbindung
Eine Bushaltestelle soll zwar an der Bremer Straße entstehen, aber nicht im Gebiet selbst. „Dass dort jemals ein Bus halten wird, sehe ich nicht”, sagt Eschment-Reichert. Direkte Straßenverbindungen zum benachbarten Brumhagen sind bewusst nicht geplant, um den Verkehr dort nicht zusätzlich zu belasten.

Keine wichtige Infrastruktur ist zu Fuß erreichbar. Die nächste Kindertagesstätte am Sprötzer Weg liegt mindestens 800 Meter entfernt, Grundschulen sogar mehr als 1,5 Kilometer. Die Stadt will deshalb mindestens eine eigene Kita im neuen Gebiet bauen. Das Projekt soll in vier Abschnitten entwickelt werden. Die ersten drei liegen auf städtischen Flächen, dort könnten etwa 380 der 580 Wohneinheiten entstehen.
Bremer Straße schon jetzt überlastet: Kommt jetzt der Verkehrskollaps?
Stadtbaurat Manuel Reichel wirbt für das Vorhaben. „Der Wohnraumbedarf in Buchholz ist spürbar”, sagt er. Auf den städtischen Flächen könne man Wohnraum relativ schnell umsetzen, den man brauche. „Wir brauchen den sozialen Mix”, erklärt Reichel mit Blick auf geplanten Einfamilienhäuser, Geschosswohnungsbau und Reihenhäuser.
Stefan Menk (CDU) lobt die Art des Prozesses mit Dialog, Ortsrat und Anwohnern. „Wir brauchen diese Wohnlösungen für Buchholz dringend”, sagte der Christdemokrat. Verkehr sei ein großes Thema, auch das Wasser mit dem Trelder Moor. Dafür müssten Lösungen gefunden werden.

Die SPD unterstützt das Projekt ebenfalls. Martin Natorp sagt, die Fläche sei im städtischen Entwicklungskonzept bereits als Wohnfläche vorgesehen. Der Wohnraummix schaffe gesellschaftliche Akzeptanz. „Bezahlbarer Wohnraum ist über die Kommunale Wohnungsbaugesellschaft realisierbar”, so Natorp. Hier könne kurzfristig bezahlbarer Wohnraum entwickelt werden. In jedem Bauabschnitt muss geförderter Wohnungsbau entstehen, 15 bis 25 Prozent der Wohnfläche.
Kita 800 Meter entfernt: Stadt muss neue Infrastruktur schaffen
Philip Schlumbohm (Grüne) verweist darauf, dass der Landkreis mehr als 1.800 Wohnungen für Buchholz fordere. „Menschen mit niedrigen und mittleren Löhnen finden aktuell in Buchholz keine Wohnungen, weil zu wenig Flächen entwickelt werden”, sagt er. Die Grünen-Fraktion ginge trotz Bauchschmerzen mit. Denn es gibt auch kritische Stimmen über die Größe des Projekts aus der Partei.

Grit Weiland von der neuen Wählergemeinschaft Wir für Buchholz lehnt das Projekt ab. „Wir reden über 3.000 Wohneinheiten, die in Buchholz entstehen können”, erklärt sie und verweist auf andere Projekte am Finanzamt, an der Hamburger Straße, auf der Rütgers-Fläche, am Lokschuppen und am Bahnhof.
Doch diese Flächen dauern noch Jahre in der Umsetzung und da viele von privaten Investoren bebauut würden, würden sie vermutlich demenstprechend höhere Mietkosten verlangen, kontern andere Politiker.
Baumreihen und Biotope sollen bleiben: Was wird aus der Natur?
In der nächsten Woche wird der Buchholzer Stadtrat über das mögliche Wohngebiet entscheiden. Eine Zustimmung gilt als sicher. Danach würden Bebauungspläne aufgestellt und der Flächennutzungsplan geändert. „Das Bauleitverfahren dauert eineinhalb Jahre”, sagt Stadtbaurat Reichel.
Es sei ein großes transparentes Verfahren mit mehreren öffentlichen Beteiligungen. Der Rahmenplan sieht vor, Baumreihen, Waldflächen und ein geschütztes Biotop zu erhalten. Nur die Acker- und Grünlandflächen sollen bebaut werden. (JOTO)











