Buchholz in der Nordheide. Ein Wald, in dem keine Bäume mehr gefällt werden und Totholz liegenbleibt, in dem allein die Natur das Sagen hat und zahlreiche Tiere und Pflanzen einen Lebensraum finden: Genau das entsteht jetzt in einem Teilbereich des Naturschutzgebiets Büsenbachtal und Wörmer Wälder. Anfang Oktober setzt die Abteilung Umwelt des Landkreises Harburg dort ihre Waldpflege- und Entwicklungsmaßnahmen fort, koordiniert von der Forstbetriebsgemeinschaft Jesteburg.
Im Anschluss an die Bebauung zum Kiefernweg entsteht ein sogenanntes Waldwildnisareal. Hier wird man auf mehreren Hektar ab sofort die Entwicklung eines neuen Urwaldes mitverfolgen können, sagt Armin Hirt von der Abteilung Umwelt. Die Natur darf dort künftig schalten und walten, wie sie möchte.
Der Landkreis knüpft mit den Arbeiten an die erfolgreichen Waldpflege- und Entwicklungsmaßnahmen des vergangenen Jahres im Büsenbachtal und im Schulwald in Handeloh an. Dort wurde der Waldrand an den Heideflächen als lichter Wald-Heide-Übergangsbereich zum Lebensraum für Heidelerche und Schlingnatter umgestaltet. Der Bereich hat sich absolut positiv entwickelt, resümiert Hirt.
Antwort auf Sorgen der Anwohner
Nun folgt die Fortsetzung. Nach den letztjährigen Maßnahmen fragten sich einige Anwohner, ob ein lichter Wald zukünftigen Stürmen mehr Angriffsfläche bietet und ihre Grundstücke gefährdet sein könnten. Deshalb entsteht das Waldwildnisareal als Ergänzung zu den geplanten lichten Heidewäldern im Naturschutzgebiet. Im Übergang zu den wertvollen Eichenwäldern wird im Talgrund einer alten Schmelzwasserrinne ein Nadelwald aus Fichte und Kiefer gegen einen Laubwald aus Birke und Eiche ausgetauscht.
Die Nadelbäume wurden in den 1970er-Jahren gepflanzt. Bereits seit dem 19. Jahrhundert waren Kiefern und Fichten als Brotbaum der Waldbesitzer gerade auf den mageren, sandigen Heideböden als schnelle Holzlieferanten beliebt. Doch in den monotonen Wirtschaftsforsten finden nicht nur wenige Tiere und Pflanzen einen geeigneten Lebensraum, sie sind auch ungünstig für die wichtige Grundwasserneubildung.
Das war damals wirtschaftlich sinnvoll und ist heute ökologisch nicht mehr vertretbar, betont Hirt. Die Bestände sind leider so uniform und zudem in schlechtem Zustand, dass alle Bäume bis auf wenige Ausnahmen entnommen werden müssen. Im Anschluss erfolgt eine natürliche Wiederbewaldung durch Samenanflug von Birke, Eberesche und Eiche. Diese Methode hat sich schon in den Sprötzer Fuhren am Brunsberg bewährt, sagt Hirt.
Wertvolle Feuchtbiotope erwartet
Der junge Laubwald bildet dann künftig einen lichten Übergang zu den beeindruckenden Eichen- und Buchenbeständen des Hengsthoop. Da sich selbst unter den naturfernen Fichtenkulturen am Grund der Schmelzwasserrinne heute feuchte Stellen zeigen, gehen die Fachleute davon aus, dass sich nach der Entnahme der Nadelbäume partiell ökologisch sehr wertvolle Feucht- und Anmoorbiotope ähnlich des Kleinen Sonnenmoores am Büsenbach einstellen können. Die Maßnahme trägt damit auch maßgeblich zur Grundwasserneubildung in der Region bei, sagt Hirt.
Neben weiteren Maßnahmen am Höckeler Weg, am Brunsberg, in der Sprötzer Heide, Höckeler Heide und Wulmstorfer Heide wird das Projekt ein Baustein zum Aufbau des Biotopverbunds Nordheide sein. Dieser wird zukünftig von Hamburg bis in die Lüneburger Heide reichen. Die ersten Konzeptideen haben sogar eine finanzielle Unterstützung aus Berlin erhalten.
Korridor für geschützte Arten
Wir schaffen einen Korridor und Trittsteine zwischen verschiedenen Naturschutzflächen, erläutert Armin Hirt. Das verbindet die Lebensräume seltener und geschützter Tiere und Pflanzen, verhindert so ihre Isolation. Das nützt beispielsweise Reptilien wie Schlingnatter, Zauneidechse oder Blindschleiche, aber auch Wildbienen, Schmetterlingen und Insekten, die besonders geschützt sind und innerhalb des Korridors neue Refugien finden.
Während der Maßnahmen kann es zu kurzzeitigen Behinderungen und Wegesperrungen kommen, auch Maschinenlärm wird teilweise zu hören sein. Landkreis und Forstbetriebsgemeinschaft weisen darauf hin, dass die Sperrungen und Verhaltenshinweise unbedingt zu beachten sind, um Unfälle zu vermeiden. Die Wege werden, wie im vergangenen Jahr, nach Abschluss der Arbeiten für Anwohner und Erholungssuchende wieder hergestellt. Der Landkreis Harburg bittet die Bürger um Verständnis für die vorübergehenden Beeinträchtigungen durch die Waldentwicklungsarbeiten. (dh)










