
Buchholz in der Nordheide. Erstmals konnten Konzertbesucher auf einer großen Videowand live mitverfolgen, wie die Finger des Pianisten über die Tasten fliegen. Beim Meisterkonzert der Internationalen Musikfestspiele Süderelbe mit Haiou Zhang in der Empore sorgte diese technische Neuerung für einen besonderen Gänsehautmoment. Aus nächster Nähe wurde sichtbar, was sonst auf vielen Plätzen verborgen bleibt: die körperliche Präzision hinter der musikalischen Meisterleistung.
Das Konzert war bereits seit Langem ausverkauft. Der international gefragte Klaviervirtuose nahm seine Zuhörer mit auf eine eindrucksvolle musikalische Reise zwischen filigraner Sensibilität und eruptiver Virtuosität. Die Erwartungen des Publikums wurden noch übertroffen.
Möglich gemacht wurde der Konzertabend durch die Unterstützung der Sparkasse Harburg-Buxtehude, die Zhangs Auftritte in der Region seit 17 Jahren begleitet. Er hat sich in dieser Zeit zu einem echten Weltstar entwickelt, sagt Andreas Sommer, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Harburg-Buxtehude. Als Sparkasse freuen wir uns sehr, dass wir solch einen gefragten und hochkarätigen Künstler wieder in unserer Region präsentieren konnten, sagt Sommer.
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Chopin und Liszt zum Jubiläum
Das Programm stand ganz im Zeichen zweier Giganten der romantischen Klaviermusik: Frédéric Chopin und Franz Liszt. Anlass war der 140. Todestag Liszts. Manche Musik begleitet einen über viele Jahre, sagt Zhang. Franz Liszt gehört für mich dazu, sagt der Pianist. Das Jubiläum in diesem Jahr sei für ihn auch eine Einladung, neu hinzuhören und zu spüren, warum diese Musik uns bis heute so unmittelbar erreicht.
Im ersten Teil des Abends widmete sich Zhang den vier Scherzi Chopins. Dabei zeigte sich die ganze Bandbreite seines pianistischen Könnens: feinste Anschlagskultur, sensible Zwischentöne und zugleich ein großer musikalischer Spannungsbogen. Zhang spielte die vier Werke nicht als bloße Aneinanderreihung von Einzelstücken, sondern ließ sie wie ein zusammenhängendes Gesamtwerk erscheinen.
Nach der Pause wechselte die musikalische Atmosphäre grundlegend. Mit der h‑Moll-Sonate S. 178 von Franz Liszt stand eines der monumentalsten und anspruchsvollsten Werke der Klavierliteratur auf dem Programm. Technische Präzision, Kraft, Ausdauer und höchste Virtuosität sind für die Interpretation dieses Werkes gleichermaßen gefragt.
Die Videowand macht Fingertechnik sichtbar
Doch bevor der erste Ton erklang, ging ein Raunen durch den Saal. Die Besucher konnten auf der großformatigen Videowand live verfolgen, wie Zhangs Finger über die Tasten flogen, sie mit großer Feinfühligkeit anschlugen oder kurz innehielten, um gleich wieder loszustürmen.
Spätestens in diesem Moment erschloss sich auch die dramaturgische Idee des Programms. Chopin und Liszt waren Zeitgenossen, kannten und schätzten einander und waren in den 1830er-Jahren in Paris als Freunde eng miteinander verbunden. Künstlerisch verkörperten sie jedoch zwei sehr unterschiedliche Pole: hier der extrovertierte, feurige Virtuose Liszt, dort der introvertierte, poetische und hochsensible Chopin. Zhang machte an diesem Abend hörbar, woher Liszt kam, woran er sich gerieben hat und wie extrem der Komponist und Tastengott das Klavier weitergedacht hat.
Zhang stellte sich dieser musikalischen Herausforderung mit großer Leidenschaft. Die Verbindung der Werke zweier so unterschiedlicher Komponisten verlangte ihm eine enorme körperliche und geistige Leistung ab. Sämtliche Stücke spielte der Pianist auswendig.
Stehende Ovationen und drei Zugaben
Das Publikum dankte ihm dafür mit Standing Ovations und Jubelstürmen und ließ ihn erst nach drei Zugaben von der Bühne. Trotz der Erschöpfung nach diesem außergewöhnlichen Konzert nahm sich Zhang anschließend Zeit für seine Zuhörer. Direkt vor der Bühne kam er mit Besuchern ins Gespräch.
Was diese Konzerte in der Empore für mich besonders macht, ist nicht nur die Musik selbst, sagt Zhang. Es ist auch das Wiedersehen mit den Menschen aus dem Hamburger Süden, sagt der Pianist. Viele begleiten mich bereits seit Jahren. Es sei fast wie ein Treffen mit alten Freunden. Gleichzeitig freue ich mich über alle neuen Zuhörer, sagt Zhang. Ich würde am liebsten alle Menschen für die klassische Musik begeistern, sagt er.
Dass ein Künstler, der regelmäßig in den großen Konzertsälen der Welt auftritt, immer wieder in den Hamburger Süden zurückkehrt, ist dabei keineswegs selbstverständlich. Als Sparkasse Harburg-Buxtehude fördern wir solche kulturellen Highlights sehr gern, sagt Sommer. Zhangs Meisterkonzert hat gezeigt, welchen Stellenwert die Unterstützung dieser hochkarätigen Kulturveranstaltung für die Region besitzt: Ein internationaler Star am Flügel, ein begeistertes Publikum und ein Konzertabend, der vom ersten bis zum letzten Ton besonders war und noch lange nachwirken dürfte. (dh)









