Buchholz in der Nordheide. Eine einzige Stimme hat am Montagabend über das Schicksal der geplanten Kunsteisbahn entschieden. In geheimer Abstimmung lehnte der Stadtrat das Projekt „Eiszauber Buchholz 2026” mit 18 zu 17 Stimmen bei einer Enthaltung ab. Die Atmosphäre zeigte, dass der Wahlkampf begonnen hat. Scharfe Angriffe flogen hin und her, politische Positionen wurden markiert.
Die Abstimmung offenbarte eine ungewöhnliche politische Konstellation. Buchholzer Liste, FDP, Grüne und die fraktionslose Gudrun Eschment-Reichert hatten das Projekt gemeinsam vorangetrieben. Auf der Gegenseite standen geschlossen die Buchholzer Verwaltung, die CDU und SPD. Doch dann schloss sich die AfD der Allianz der Befürworter an.
Was als Diskussion über eine temporäre Eisbahn begann, entwickelte sich zum Grundsatzstreit über die Ausrichtung der Stadtpolitik in Zeiten leerer Kassen. Grit Weiland (Buchholzer Liste) formulierte die Kernfrage: „Es geht exakt darum, ob wir Machen oder den Mangel verwalten.” Das durchgeplante und durchgerechnete Projekt liege umsetzungsreif auf dem Tisch.

Mindestens 30 Ehrenamtliche hätten sich gemeldet, Sponsorenzusagen im hohen vierstelligen Bereich lägen vor. „Bei einem 100-Millionen-Haushalt geht es um 20.000 Euro”, sagte Weiland. „Wenn wir vor lauter Sparzwang blind vor Chancen werden, dann bedeutet das Stillstand für Buchholz.” Ihr Appell an den Rat: „Lassen Sie uns heute nicht meckern, sondern machen.”
„Wenn Ihr Konto überzogen ist…”
Mitiniatorin Nicole Bracht-Bendt (FDP) warnte: „Wer in schwierigen Zeiten auf die Bremse tritt, bei dem steht alles still.” Der Eiszauber bringe Bewegung und Leben in die Innenstadt. Frerk Meyer (Grüne) ergänzte, es gehe um mehr als eine Eisbahn, es gehe um Lebensqualität und Zusammenhalt in schwierigen Zeiten. „Liebe CDU, geben Sie sich einen Ruck”, forderte Meyer.
Das Projekt Eiszauber Buchholz
Eine 200 Quadratmeter große Kunststoffeisbahn sollte vom 24. Januar bis 8. Februar auf dem Peets Hoff stehen. Die Gesamtkosten von 30.000 Euro sollten mit 20.000 Euro aus dem Haushalt stammen, der Rest über Sponsoren und Einnahmen finanziert werden. Mindestens 30 Ehrenamtliche hatten sich über die Freiwilligenagentur fee gemeldet. Vormittags sollten Kitas und Schulklassen das Angebot nutzen, nachmittags und abends Familien und Jugendliche. Sponsorenzusagen lagen bereits vor: Sparkasse Harburg-Buxtehude 2.000 Euro, Stadtwerke Buchholz 500 Euro, weitere lokale Unternehmen 1.500 Euro. Doch der Buchholzer Haushalt ist nach aktuellem Stand sechs Millionen im Minus.

Die Gegenseite sah das komplett anders. Erster Stadtrat Dirk Hirsch von der Verwaltung verwies auf das Haushaltsminus von sechs Millionen Euro. „Wenn Ihr Konto überzogen ist, leisten Sie sich dann auch noch zusätzliche Dinge?”, fragte er. Hier werde künstlich Druck aufgebaut.
Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse nannte das Projekt eine „Mogelpackung”, die wenig mit echtem Eiszauber zu tun habe.
Auf einer Kunststoffeisbahn kann man nur etwas rumwackeln, das wird eine herbe Enttäuschung.
Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU)
Bei sechs Millionen Euro Minus liege das Geld nicht auf dem Konto.
Geflügelzüchter und Kita-Kampagnen
Befürworterin Eschment-Reichert listete dagegen auf, wofür die Stadt sonst Geld ausgebe: „Geflügelzüchter bekommen 5.000 Euro für neue Käfige, die Kita-Werbekampagne mit 50.000 Euro wird nicht in Frage gestellt, mehrere tausend Euro gehen an Werbefirmen für Wärmepumpe.” Ihr Fazit: „Hier passt irgendwas nicht zusammen. Es gibt viele Bedenken und wenig Mut zu handeln.”
Auch Christoph Selke (Buchholzer Liste) konnte nicht verstehen, dass hier von Verschwendungssucht gesprochen werde, während die CDU sich gegen eine Gewerbesteuererhöhung ausgesprochen habe.
Applaus für die AfD
Als Marina Graul (AfD) verkündete, ihre Fraktion stimme zu, weil hier „Buchholzer Geld fließt, wo es hingehört: in die eigenen Kinder, die eigenen Bürger”, applaudierten FDP-Vertreter laut. Bürgermeister Röhse reagierte am Ende seiner Rede mit einer scharfen Bemerkung: „So frenetisch bei Unterstützung der AfD zu applaudieren, darüber sollten Sie nachdenken.”
Die Debatte spitzte sich zu. Röhse warf Eschment-Reichert vor, andere Ehrenamtliche ins Lächerliche zu ziehen. Steffi Menge (SPD) bezeichnete das Projekt als „Kunststoff-Hokuspokus mit wenig Substanz” und warnte vor nicht eingeplanten Kosten für Verwaltung, Sicherheit und Reinigung. Sophie Arps (CDU) fragte mit Blick auf notwendige Sparmaßnahmen im nächsten Haushalt: „Wie wollen Sie erklären, dass wir freiwillige Leistungen beim Ehrenamt kürzen müssen? Wegen 20.000 Euro für eine 16-tägige Eisbahn. Meinen Sie das Ernst?”
Flucht in die geheime Wahl
Die FDP beantragte nach langer Diskussion eine geheime Abstimmung. Grüne und Buchholzer Liste stimmten dafür. Sie wollten sich nicht vorwerfen lassen müssen, gemeinsam mit der AfD abgestimmt zu haben. Die FDP hatte damit offenbar keine größeren Probleme, sie hatte bereits öffentlich applaudiert. Die beiden AfD-Mitglieder waren sich dagegen nicht einig, ob sie für oder gegen die geheime Abstimmung stimmen sollten.
Ein Spender könnte alles ändern
Nach der geheimen Abstimmung und knappen Niederlage meldete sich Herbert Maliers von Greenpeace und fragte, ob das Projekt noch möglich wäre, wenn jemand 20.000 Euro spenden würde oder viele Leute jeweils einen kleinen Beitrag. Bürgmeister Röhse antwortete ausweichend, „an einer Sondernutzungserlaubnis würde es jedenfalls nicht scheitern”. Weiland, Meyer und andere Befürworter signalisierten sofort ihre Spendenbereitschaft. Ob der Eiszauber damit doch noch kommt, bleib offen. (JOTO)











