„Schämt euch!”: Unger scheitert mit Vorstoß für Alkoholverbotszone und gegen Streetworker

Tagesaufenthalt und Streetwork: Buchholz setzt auf zwei Maßnahmen für die belasteten Bereiche der Innenstadt. Foto: JOTO
Tagesaufenthalt und Streetwork: Buchholz setzt auf zwei Maßnahmen für die belasteten Bereiche der Innenstadt. Foto: JOTO

Werbung

Kreisvolkshochschule - Hier geht es zur Webseite

Werbung

Politische Werbung

Transparenzhinweis

Hier geht es zur Webseite

Buchholz in der Nordheide. „Schämt euch!”, ruft Bernhard Unger nach der verlorenen Abstimmung in die Empore in Richtung der anderen Stadtratsmitglieder. Der parteilose Ratsherr hatte am Montag die Alkoholdebatte in Buchholz wieder entfacht und am Ende keine Mehrheit für seinen Vorstoß bekommen.

Politische Werbung

Transparenzhinweis

Michael Riedel Anzeige - Klicken um die Webseite zu besuchen

Politische Werbung

Transparenzhinweis

Hier geht es zur Webseite

Der Abend hatte ruhiger begonnen. Unger hatte die Alkoholdebatte in Buchholz per Antrag wieder auf die Tagesordnung gebracht, zum ersten Mal seit der letzten Abstimmung im September 2025. Für Unger, der im Winter 2025 aus der CDU ausgetreten ist und im Herbst 2026 als parteiloser Bürgermeisterkandidat antritt, ist das Thema eines seiner Kernthemen im Wahlkampf. 

Werbung

Im September 2025 hatte der Rat mehrheitlich gegen die von Verwaltung und Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU) vorgeschlagene Alkoholverbotszone in der Innenstadt gestimmt. Stattdessen beschloss eine Mehrheit aus FDP, SPD, Grünen, Buchholzer Liste und Fraktionslosen einen Maßnahmenkatalog mit Streetwork und einem Tagesaufenthalt in der Innenstadt. Die Kosten: 120.000 Euro pro Jahr, die Buchholz vollständig aus eigener Tasche zahlt und das bei einer angespannten Haushaltslage.

+++ Melde dich jetzt für unseren WhatsApp-Newsticker an und erhalte die wichtigsten Nachrichten direkt auf dein Handy! – Hier klicken und abonnieren +++

Antrag für Verbot, Rede gegen Streetwork

Unger bezweifelt, dass der statt der Alkoholverbotszone beschlossene Maßnahmenkatalog überhaupt nötig sei: „Die Menschen, die am Peets Hoff oder an der Poststraße Alkohol trinken, sind keine Obdachlosen, sondern überwiegend Berufstätige. Sie haben einfach Spaß und schlagen manchmal über die Stränge”. Umgestaltungen an der Poststraße hätten bereits Wirkung gezeigt, am Peets Hoff sei es deutlich ruhiger geworden.

Bernhard Unger kandidiert als Bürgermeister für Buchholz. Foto: Hamann
Bernhard Unger kandidiert als Bürgermeister für Buchholz. Foto: Hamann

„Wir haben das Geld für die Streetworker nicht und es sind im Moment keine Menschen da, die es notwendig machen”, sagt er. Er wolle seinen Antrag zur Alkoholverbotszone zurückziehen, aber nur unter einer Bedingung: wenn gleichzeitig die Streetwork-Mittel gestrichen würden.

Das sorgte für Verwirrung in der Empore. Denn formell stand noch immer die Forderung nach einer Alkoholverbotszone im Raum und nun kämpfte Unger gegen die soziale Alternative dazu.

Verwirrung im Stadtrat

Stefan Menk (CDU) brachte seine Verwirrung offen zur Sprache. „Das klingt fast so, als hätten wir eine Einigungslinie, lieber Bernhard”, sagt er zu seinem ehemaligen Fraktionskollegen. Seine Fraktion stehe zwar weiterhin hinter der Alkoholverbotszone, respektiere aber die Mehrheitsentscheidung vom September 2025. „Wir können nicht dieselbe Debatte alle halbe Jahr noch einmal führen”, sagt Menk. Die CDU unterstütze daher den Antrag der FDP auf eine Evaluation der beschlossenen Maßnahmen nach sechs Monaten.

Werbung

Martin Dieckmann (Buchholzer Liste) teilte die Verwirrung und sprach sie noch direkter an. Der Rat habe vor einem halben Jahr klar entschieden: keine Verbotszone, sondern soziale Maßnahmen. „Warum sprechen wir darüber?”, sagt er. Er riet Unger, den Antrag einfach zurückzuziehen. Applaus gab es dazu aus dem Saal.

Pia Lucienne Bänecke (Grüne) erklärte in ihrer Rede, Streetworker seien nicht nur für Obdachlose da, sondern „für Dialog, Zusammenleben und für Menschen, die vielleicht einsam seien”. 

Rainer Sekula (AfD), der als einziger Ungers Linie unterstützte, plädierte dafür, das Projekt ganz zu stoppen: „Alkohol macht aggressiv”. Das Problem werde im Rat nicht ernst genommen und die Haushaltslage lasse solche Ausgaben nicht zu.

Bracht-Bendt hält dagegen

Als Reaktion auf Ungers Vorstoß hatten FDP und CDU eigene Gegenanträge eingebracht. Nicole Bracht-Bendt (FDP) sagt: „Es gibt einen klaren Beschluss des Rates, der sagt: Die Alkoholverbotszone wird jetzt nicht umgesetzt.” 

+++ Melde dich jetzt für unseren WhatsApp-Newsticker an und erhalte die wichtigsten Nachrichten direkt auf dein Handy! – Hier klicken und abonnieren +++

Die FDP forderte daher eine regelmäßige Berichterstattung im Ausschuss für Soziales und Jugend sowie im Finanzausschuss. Als Bracht-Bendt das ausführte, rief Unger mehrfach von seinem Platz aus dazwischen.

Bei seiner Gegenrede griff Unger die CDU an: „Die CDU kann ihrer demokratischen Pflicht nachkommen und hat trotzdem die Möglichkeit gegen diese sozialen Maßnahmen, wie Streetwork zu stimmen”. Die Ratsvorsitzende Sigrid Spieker (CDU) mahnte: „Keine Belehrung bitte.” Bernhard Unger hörte daraufhin mit seiner Rede auf.

Streetworker und Tagesaufenthalt

Während im Rat gestritten wurde, laufen die Vorbereitungen bereits. Die Stadt hat die beschlossenen Stelle für die Straßensozialarbeit ausgeschrieben. Zwei Sozialarbeiter sollen künftig regelmäßig durch die Innenstadt gehen, Menschen ansprechen, zuhören und bei Bedarf in Hilfsangebote vermitteln. An mindestens drei Tagen pro Woche sollen sie präsent sein, auch in den Nachmittags- und Abendstunden. Der Herbergsverein Winsen (Luhe) gilt als wahrscheinlicher Träger, hat aber noch nicht den Zuschlag bekommen.

Die Geschichte der Alkoholverbotszone:

Parallel dazu plant die Stadt einen Tagesaufenthalt in der Innenstadt. Wer tagsüber einen Ort braucht, soll dort warme Getränke, Beratung, Toiletten und WLAN vorfinden. In den Wintermonaten soll der Treff auch als Wärmeraum dienen. Geeignete Räumlichkeiten werden noch gesucht. Den Tagesaufenthalt könnten Land Niedersachsen mit 90 Prozent und der Landkreis Harburg mit zehn Prozent fördern.

Ordnungsdienst startet im Juli

Neben Streetwork und Tagesaufenthalt baut die Stadt auch ihren kommunalen Ordnungsdienst aus. Ab 1. Juli 2026 stehen dafür 1,5 Stellen bereit. Der Dienst soll in den betroffenen Bereichen der Innenstadt präsent sein und ordnungsrechtlich eingreifen, wenn es nötig ist. Das bestätigt Buchholz Pressesprecherin Anna Meuche auf Anfrage von buchholz-aktuell.de.

Am Ende stimmte eine deutliche Mehrheit aus CDU, Grünen, FDP, Buchholzer Liste, SPD und Wir für Buchholz für den FDP-Antrag auf eine Evaluation nach sechs Monaten. Unger, die beiden AfD-Mitglieder und ein Mitglied von Die Basis lehnten ab.

Was Unger mit seinem Ausruf meinte

Seinen Ruf „Schämt euch!” versteht Unger selbst nicht als Beleidigung. „Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, dass die Ratsmitglieder entgegen besseren Wissens für mehr Geldausgaben gestimmt haben”, sagt der Bürgermeisterkandidat im Gespräch mit buchholz-aktuell.de. Und das, obwohl es aus seiner Sicht im Moment gar keine Probleme gebe, die solche Maßnahmen rechtfertigten.

Nach den Regeln des Rates darf das gleiche Thema in sechs Monaten wieder mit einem Antrag auf den Tisch kommen. Dann mit einem neu gewählten Stadtrat und einem neuen Bürgermeister oder Bürgermeisterin nach der Kommunalwahl im Herbst. (JOTO)

Mach buchholz-aktuell.de zu deiner bevorzugten Nachrichtenquelle bei Google

Wenn du unsere Berichterstattung schätzt und Nachrichten von buchholz-aktuell.de künftig häufiger in den Google-Schlagzeilen sehen möchtest, kannst du unsere Seite ganz einfach als bevorzugte Quelle festlegen. Dafür brauchst du lediglich ein Google-Konto.
Hier fügst du buchholz-aktuell.de mit wenigen Klicks hinzu.

Hintergrund: So funktioniert die neue Funktion von Google.

Werbung

SHELL Anzeige - Klicken um die Webseite zu besuchen