Röhse hört auf: Klare Worte beim Neujahrsempfang

Wie viele Leute heute schon die Amtskette anfassen und sie ihm aus der Hand reißen wollten, scherzte der Bürgermeister. Foto: JOTO
Wie viele Leute heute schon die Amtskette anfassen und sie ihm aus der Hand reißen wollten, scherzte der Bürgermeister. Foto: JOTO
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Buchholz in der Nordheide. Deutliche Worte fand Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU) beim Neujahrsempfang der Stadt am Sonntag zur geplanten Bebauung der Rütgersfläche. Der Investor möchte auf dem Gelände 1.600 Wohneinheiten errichten. „Eine Größenordnung, die das Gesicht der Stadt verändern werde”, sagte Röhse vor den mehr als 250 Gästen in der Empore.

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„Hier diskutieren weite Teile der Politik nur noch die Frage, an welcher Stelle auf der Fläche die Sandkiste stehen soll”, sagte Röhse. „Ein bisschen mehr rechts oder ein bisschen mehr links?” Er vermisse die Diskussion über die entscheidende Frage: Wie hoch dürfe der Preis in Baumasse für die Sanierung der Fläche sein? 

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Im Stadtentwicklungskonzept von 2015 seien für die Rütgersfläche lediglich 400 Wohneinheiten vorgesehen gewesen, 140 Eigenheime und 260 Einheiten in Mehrfamilienhäusern.

Mehr als 250 Gäste waren in die Empore gekommen. Foto: JOTO
Mehr als 250 Gäste waren in die Empore gekommen. Foto: JOTO

Eine Bebauung der Rütgersfläche ohne östliche Umfahrung sei für ihn persönlich nicht denkbar, stellte der Bürgermeister klar. Die Aussage quittierte das Publikum mit Applaus. Neben der Stadtentwicklung beschäftigt die Kommune derzeit vor allem die angespannte Finanzlage.

Kreisumlage drückt auf den Haushalt

Die Stadt müsse im Februar einen Nachtragshaushalt beschließen, der extrem unerfreulich sei, kündigte Röhse an. Die Schere zwischen Ausgaben und Einnahmen gehe immer weiter auseinander. Nicht hilfreich sei, dass der Landkreis im Dezember die Kreisumlage um fünf Prozentpunkte angehoben habe. Von jedem Euro, den die Stadt einnehme, müsse sie künftig 53,5 Cent an den Landkreis abführen.

Finanzkrise zwingt zu drastischen Kürzungen

Seine Appelle an die Buchholzer Kreistagsabgeordneten, der Erhöhung nicht zuzustimmen, seien „wie an einer Teflonpfanne abgeprallt”, sagte Röhse. Im Februar werde der Rat voraussichtlich einen Nachtragshaushalt mit spürbaren Kürzungen im Bereich der freiwilligen Leistungen beschließen müssen. „Das bedeute Einschnitte bei Sport, Kultur und Ehrenamt, also allem, was Spaß mache”, so Röhse. Wahrscheinlich müssten auch Steuern und Abgaben erhöht werden.

Jan-Hendrik Röhse (CDU) begrüßte die Gäste wie hier Ernst Riebandt. Foto: JOTO
Jan-Hendrik Röhse (CDU) begrüßte die Gäste wie hier Ernst Riebandt. Foto: JOTO

Den Landkreis nehme er dabei nicht persönlich in die Pflicht, betonte der Bürgermeister. Der Landkreis gehe gewissenhaft mit seinen Finanzen um. Ausdrücklich lobte Röhse den Einsatz von Landrat Rainer Rempe (CDU) für die Zukunft der Krankenhäuser in Winsen und Buchholz: „Sein Einsatz für diese Krankenhäuser ist unglaublich und gleichzeitig auch unglaublich wichtig für die Stadt und den Landkreis.”

Nach zwölf Jahren ist Schluss

Bei der Kommunalwahl am Sonntag, 13. September, werde es mit Sicherheit eine neue Bürgermeisterin oder einen neuen Bürgermeister geben, kündigte Röhse an. Er stelle sich nach dann zwölf Jahren ja nicht mehr zur Wahl. „Wie viele Leute heute schon die Amtskette anfassen und sie ihm aus der Hand reißen wollten”, scherzte der 61-Jährige. Man müsse aber noch bis zum 13. September oder bis zur Stichwahl abwarten.

Entscheidend für seine Entscheidung sei die Tatsache gewesen, dass der Landtag die Amtszeit für neu zu wählende Hauptverwaltungsbeamte auf acht Jahre heraufgesetzt habe, statt wie bisher fünf Jahre. Würde er gewählt, wäre er am Ende der nächsten Amtszeit genau 20 Jahre im Amt und kurz vor Vollendung seines 71. Lebensjahres. „Zwanzig Jahre ist einfach zu viel für so ein Amt”, sagte Röhse. Politik lebe vom Wechsel. Nach zwölf Jahren sei der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen.

Die Schulband "Thömas" vom Gymnasium am Kattenberge. Foto: JOTO
Die Schulband „Thömas” vom Gymnasium am Kattenberge. Foto: JOTO

Seit 2006 sei er in der Kommunalpolitik aktiv gewesen, zunächst als Ratsherr, dann als Stadtrat, als erster Stadtrat und seit 2014 als Bürgermeister. Dann sei er gerne auch wieder privat, sagte Röhse. Zu Beginn hatte sich der Bürgermeister selbst mit einem Augenzwinkern vorgestellt: „Wer ist eigentlich der Typ da mit dieser Kette? Mein Name ist Jan-Hendrik. Ich bin der Mann von Marion.” Seine Ehefrau sei allerdings zu Hause geblieben. Sie versuche, dem Hund das Sprechen beizubringen.

Erfreulich sei die weitere Entwicklung der Stadt trotz der finanziellen Herausforderungen, betonte Röhse. Im Canteleu-Quartier werde mit dem Beachwood Campus in diesem Jahr ein weiterer Meilenstein entstehen. Die Kommunale Wohnungsbaugesellschaft KWG beginne mit der Bebauung der Fläche hinter dem Finanzamt. Dort würden rund 110 bezahlbare Wohnungen in hoher Bauqualität errichtet. 

Die Feuerwehr lobte Röhse für ihren professionellen Einsatz bei einem schwierigen Turnhallenbrand kurz nach dem Jahreswechsel. Die Halle selbst sei vom Brand nicht betroffen gewesen, nur vom Löschwasser sowie von Rauch und Ruß.

Personal wandert nach Schleswig-Holstein ab

Mit einem Augenzwinkern erwähnte der Bürgermeister die besonderen Beziehungen zu Schleswig-Holstein. Bekanntermaßen komme der Erste Stadtrat Dirk Hirsch aus dem nördlichen Bundesland. Aber die Stadt nehme nicht nur, sie gebe auch. Die ehemalige Stadtbaurätin Doris Grondke sei nach Kiel abgewandert, Stefan Niemöller im letzten Jahr nach Flensburg. 

Wahrscheinlich sei die Qualität der Arbeit in Buchholz so hoch, dass sich selbst große Städte in anderen Bundesländern nach Buchholzer Mitarbeitern umschauten. Als neuen Stadtbaurat habe man Manuel Reichel gewinnen können.

Landrat sieht Region vor großen Herausforderungen

Landrat Rempe betonte in seinem Grußwort, die Finanzlage der Städte und Gemeinden sei nicht nur im Landkreis, sondern allgemein desaströs. Kein einziger niedersächsischer Landkreis schaffe noch zum zweiten Mal in Folge einen ausgeglichenen Haushalt. 

Landrat Rainer Rempe sprach beim Neujahrsempfang über die angespannte Finanzlage der Kommunen und appellierte für einen optimistischen Blick auf 2026.
Landrat Rainer Rempe sprach beim Neujahrsempfang über die angespannte Finanzlage der Kommunen und appellierte für einen optimistischen Blick auf 2026. Foto: JOTO

Trotz der Kreisumlagenerhöhung sei der Kreishaushalt für 2026 immer noch defizitär mit minus acht Millionen Euro. Im Jahr 2027 werde das Defizit bei minus 18 Millionen Euro liegen. „Es geht uns allen nicht gut”, sagte Rempe.

Schulband sorgt für musikalische Umrahmung

Musikalisch umrahmten die Schulbands des Gymnasiums am Kattenberge den Neujahrsempfang. Die Band „Thömas” spielte für die Gäste. Musiklehrer Friedrich Nemetschek hatte die Auftritte organisiert. (JOTO)

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