
Buchholz in der Nordheide. 13 Minuten bevor das vorläufige Endergebnis der Bürgermeisterwahl in Buchholz offiziell feststand, ging Michael Riedel zusammen mit Journalisten vor das Rathaus. Das letzte helle Licht ausnutzen für ein Foto. Auf den Bänken saßen vier junge Erwachsene und riefen dem 58-Jährigen zu: „Riedel, Sie sind mein Mann”, „Wir haben Sie alle gewählt!”.
Riedel lächelte, streckte einen Daumen hoch. Zu diesem Zeitpunkt lag der Mann, den vor einem dreiviertel Jahr kaum jemand auf der politischen Karte in Buchholz hatte, schon deutlich in Führung.
13 Minuten später stand fest: Riedel erreicht in der Stichwahl 57,2 Prozent. Am Sonntag, 27. September gewann er, Volt-Mitglied und nominiert von dem Dreier-Bündnis Volt/Grüne/Buchholzer Liste gegen Dirk Hirsch (parteilos für CDU/FDP).
„Ich hatte gedacht, dass es enger ist”, sagt Riedel. Viele Beobachter sahen das im Vorfeld ähnlich. Kaum jemand wollte sich festlegen, wer als Chef ins Rathaus einziehen würde.
Wende nach der ersten Wahl
Denn in der ersten Wahl zwei Wochen zuvor hatte es noch anders ausgesehen. Als noch sechs Kandidaten und Kandidatinnen von AfD bis SPD antraten, lag Dirk Hirsch drei Prozentpunkte vor Riedel.

Nach der ersten Wahl hatte sich die Alternative für Deutschland in langen Social-Media-Posts und Newsletter-Einträgen für Dirk Hirsch ausgesprochen. Riedel gewann Bernhard Unger als zunächst kryptischen, der den Namen Michael Riedel nicht aussprechen wollte, und danach lauten Fürsprecher. Der Ex-CDUler Unger und Riedel traten zusammen öffentlich auf.
Ein Blick auf die Zahlen könnte die Unger-Wirkung bestätigen: Etwa 4.000 Stimmen gewann Riedel in der Stichwahl dazu (von 5.336 zu 9.164). Den parteilosen Unger hatten 4.971 Buchholzer und Buchholzerinnen gewählt. Hirsch äußerte sich nicht zur Wahlempfehlung der AfD. Er holte in der Stichwahl nur etwa 800 zusätzliche Stimmen (von 6.027 zu 6.861). Die Wahlbeteiligung lag bei 47,2 Prozent.
Hirsch bleibt erster Stadtrat
Zur Wahrheit gehört, dass man nie herausfinden wird, wen die Wähler zuvor gewählt hatten. Im kleinen Buchholz gibt es im Gegensatz zu Landtagswahlen keine Nachbefragung von großen TV-Sendern.
Zum Wahlausgang hatten sich Unterstützer von Riedel und Hirsch, interessierte Buchholzer und Politiker von anderen Parteien, insbesondere der AfD, in der Rathauskantine versammelt. Zu einem der ersten Gratulanten von Riedel gehörte Hirsch. „Das ist ein deutliches Votum für ihn. Ich hab mir natürlich ein bisschen mehr erhofft, aber der Wähler hat entschieden. Das ist Demokratie, sag ich immer”, sagt Hirsch. Er danke allen seinen Unterstützern.
Er ist schon jetzt als erster Stadtrat der zweite Mann an der Spitze des Rathauses und hat noch einen Vertrag für fünf Jahre. Will er das Amt als 1. Stadtrat behalten? „Ja, selbstverständlich. Das stand für mich nie zur Disposition. Ich habe immer gesagt, ich bleibe auf jeden Fall”, sagt Hirsch.
Große Aufgaben warten
Und auch Michael Riedel, der in den letzten Wochen viel Wahlkampf damit machte, dass er frischen Wind ins Rathaus bringen würde, äußerte sich zu seinem ersten Stadtrat: „Er hat einen Vertrag. Das ist ganz normal, dass man den Arbeitsvertrag erfüllt.”
Nachdem Amtsinhaber Jan-Hendrik Röhse (CDU) beiden Kandidaten „einen natürlich genau gleichen”, wie Röhse betont, Blumenstrauß überreichte, ging es für Riedel zum Feiern in ein Italienisches Restaurant. Er wurde von seinen Anhängern von Volt, Grüne und Buchholzer Liste gefeiert. Auch Mitglieder der SPD, der Linken und Bernhard Unger wurden auf der Wahlparty gesehen.
Die größten Herausforderungen dürfte mit dem neuen Stadtrat kommen: „Das ist schon eine große Aufgabe, die da auf einen zukommt mit elf Ratsfraktionen und Wählervereinigungen und Parteien im Rat, die dann auch ihre Interessen haben und die man zusammenbringen muss.” Offizieller Amtsantritt ist der 1. November 2026. (JOTO)









