Rathaus-Krise vor der Wahl: Teure Beratung, schlechte Stimmung, offene Fragen

Der Rathauseingang in Buchholz. Foto: Hamann
Das Buchholzer Rathaus: Eine interne Befragung zeigt massive Probleme mit Führungskultur und Wertschätzung. Was brachten 154.000 Euro Steuergelder für Berater bislang an Verbesserungen? Foto: Hamann

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Buchholz in der Nordheide. Es ist ein Papier, das nie an die Öffentlichkeit sollte. „Nur für den internen Dienstgebrauch” steht auf der Präsentation der Mitarbeiterbefragung vom 18. September 2024. Die Sätze darin sind für eine Stadtverwaltung unangenehm. Von einer übergeordneten Kultur, die als „kaum veränderungs- und lernbereit” erlebt werde. 

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Von einem „Mangel wahrgenommener Wertschätzung”. Und von einer Zahl, die für sich spricht: Nur 37 Prozent der Beschäftigten der Buchholzer Verwaltung würden die Stadt Buchholz als Arbeitgeber uneingeschränkt empfehlen. Das Dokument liegt buchholz-aktuell.de vor. Öffentlich bekannt gemacht hat die Stadt die Befragungsergebnisse nie. 

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Erhoben hatte die Zahlen die Cubia AG im Frühjahr 2024. 58,5 Prozent der Beschäftigten der Stadt Buchholz nahmen teil, genug für gültige Schlüsse, urteilte die Beratungsfirma selbst. Manches bewerteten die Mitarbeitenden gut: die flexible Arbeitszeit, das mobile Arbeiten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Zusammenarbeit im eigenen Team. Schlecht bewertet wurden Information und Kommunikation sowie die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten.

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Seit der der Befragung sind fast zwei Jahre vergangen und 154.000 Euro Steuergeld geflossen. So viel hat die Stadt seit 2024 für externe Berater, Coachings und Workshops ausgegeben: rund 39.000 Euro im ersten Jahr, 77.000 Euro im zweiten, weitere 38.000 Euro allein in diesem Jahr. Jetzt steht wohl ein Wechsel der Beratungsfirma an.

Gebracht haben die zwei Jahre nach Recherchen von buchholz-aktuell.de wenig. Mehrere Beschäftigte, die nur unter Zusicherung von Anonymität mit der Redaktion sprechen, beschreiben die Stimmung im Rathaus als unverändert schlecht. Besonders im Bezug zu Teilen ihrer obersten Vorgesetzten. Personelle Konsequenzen gab es seit 2024 keine. Das teilt die Pressestelle des Rathauses auf eine Anfrage von buchholz-aktuell.de mit.

Der Chef geht, sein Stellvertreter will nachrücken

Wer trägt die Verantwortung für die Umsetzung der Maßnahmen? Laut Antwort der Stadt auf Nachfrage von buchholz-aktuell.de: Der Bürgermeister als „Chef der Verwaltung”. Das ist Jan-Hendrik Röhse (CDU). Er tritt am 13. September nicht mehr als Kandidat zur Bürgermeisterwahl an. Sein Nachfolger will stattdessen sein Erster Stadtrat Dirk Hirsch (parteilos) werden. Er hat dafür reichlich Rückendeckung der CDU und FDP. Und ist aktuell der direkte Vertreter des Bürgermeisters.

Vergangene Woche noch saß Hirsch beim Seniorenbeirat auf dem Podium und wurde nach seiner Führungserfahrung gefragt. „Ich bin ja schon Teil der Führung im Rathaus als erster Stadtrat”, sagte er. Rund 400 Mitarbeitende habe die Stadt, für etwa die Hälfte sei er zuständig, elf Jahre Verantwortung trage er bereits. 

Ein Widerspruch, wer die Verantwortung trägt? In Hirschs Dezernat II fällt der Fachbereich 1 „Finanzen und zentrale Steuerung”. Darunter gehört unter anderem das gesamte Personalmanagment der Stadt Buchholz. Sein Leiter im Fachbereich 1 ist Sebastian Schaper.

Sieben Wochen Wartezeit

Sebastian Schaper, ehemaliger Bürgermeisterkandidat in Hanstedt, bekam im Juni die Aufgabe eine Anfrage von Steffen Wetzel (SPD/Die Linke) zum aktuellen Stand der Mitarbeiterbefragung und Beratungsfirmen zu beantworten. Sieben Wochen brauchte das Dezernat von Hirsch am Ende, um die Anfrage zu beantworten.

Die eigene Geschäftsordnung des Rates besagt, dass eine Antwort „in der Regel innerhalb von zwei Wochen schriftlich” zu erfolgen sei. Dauere es länger solle ein Hinweis im Ratsportal eingefügt werden. Der Hinweis fehlte in diesem Fall. Wetzel wurde nach eigenen Angaben immer wieder „vertröstet”.

Die Urlaubszeit sei Schuld, heißt es von der Stadt zur Verspätung. Zahlen hätten erst zusammengetragen werden müssen. „Dass die Verwaltung sieben Wochen braucht, um auf einfache und berechtigte Fragen des Rates zu antworten, zeigt bereits das Grundproblem”, sagt Wetzel im Gespräch mit buchholz-aktuell.de. Statt Transparenz werde auf Zeit gespielt. Wer Auskünfte verzögere, hoffe darauf, dass der Rat das Interesse verliere. „Das wird aber nicht passieren.”

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Die Antwort, die dann kam, wirft für Wetzel neue Fragen auf. Die Studie hatte Defizite bei Führung und Wertschätzung diagnostiziert, also auf der Leitungsebene. Die Lösung sucht das Rathaus nun im sogenannten Bottom-up-Verfahren: Die Themen sollen aus der Mitarbeiterschaft kommen. „Dass bei Problemen auf der Leitungsebene nun ein Bottom-up-Verfahren vorgeschoben wird, kehrt die Verantwortung um”, sagt Wetzel. Führungskultur müsse von oben vorgelebt werden. Sie lasse sich nicht an die Beschäftigten delegieren.

Was das Geld gebracht hat

Passiert ist seit der Befragung einiges. Im September 2025 versammelte die Stadt ihre Mitarbeitenden zu einem Etappenworkshop in der Empore. Eine App wurde beschafft, damit auch „Kolleginnen und Kollegen aus Kita und Bauhof ohne Computer Neuigkeiten erhalten”. Führungskräfte bekamen ein Methodenhandbuch, einen „Werkzeugkoffer” unter anderem für lebendige Besprechungen. So schreibt es die Stadt in der Antwort an Wetzel. Seit Jahresbeginn produziert eine Gruppe von „Amtsfluencern” kurze Beiträge über den Arbeitsalltag. Der Personalrat sei laufend eingebunden, teilt die Stadt mit.

Kennzahlen, an denen sich der Erfolg der 154.000 Euro messen ließe, nennt die Verwaltung nicht. Nach dem Krankenstand gefragt, antwortet sie ohne Zahl: Er bewege sich im üblichen Rahmen und zeige keine Auffälligkeiten.

Ein Beleg, ohne Beleg

Als Erfolgsbeleg dient der Verwaltung in ihrer Antwort über die Pressestelle an buchholz-aktuell.de und an Stadtrat Wetzel die Fluktuation. Im ersten Halbjahr 2026 lag die Quote in der Kernverwaltung bei 4,6 Prozent, in den Kitas bei 6,15 Prozent. Der Bundesdurchschnitt im öffentlichen Dienst beträgt 13,6 Prozent. Als Quelle für die Zahl nennt die Stadt einen privaten Versicherungsmakler aus Hamburg, der nach eigenen Angaben „50+ Kunden” hat und betriebliche Krankenversicherungen verkauft.

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Es ist das erste Suchergebniss der Google-KI-Suche. Ursprünglich stammen die Daten wohl von der Bundesagentur für Arbeit aus dem Jahr 2023.

Stimmung schlechter geworden

Ob sich etwas verbessert hat, soll eine neue Befragung zeigen. Alle Experten rieten zu einem Abstand von mindestens drei Jahren, teilt die Stadt mit. Geplant ist sie für 2027, nach der Wahl.

Nach Informationen von buchholz-aktuell.de habe sich die Lage im Rathaus eher noch verschlechtert. Besonders der Kontakt zu Teilen der Dezernenten gestalte sich immer schwieriger.

Was noch kommt

Einen Tag nach der Antwort aus dem Rathaus hat Wetzel eine zweite Anfrage eingereicht. Sie umfasst acht Fragenblöcke und geht ins Detail: Teilnehmerlisten der Führungskräfte-Workshops, Kosten der Strategieklausur samt Catering, Nutzerzahlen der App, Fluktuationsquoten der Jahre 2024 und 2025. Auch dem Haushalt widmet er sich. „Die Verwaltung kündigt bereits an, auch künftig externe Berater zu brauchen, im Haushaltsplan fehlt dafür aber jede Spur von finanzieller Vorsorge”, sagt Wetzel.

Ob die Antworten vor der Bürgermeisterwahl am 13. September ankommen, bleibt abzuwarten. Die Wahl ist schließlich schon in unter sechs Wochen. (JOTO)

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