Ortsumfahrung Buchholz: Eine Million Euro trotz Finanznot

Hier könnte die Ortsumfahrung entlang gehen. Die Gelder für die Planung sind weiter vorhanden. Foto: JOTO
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Buchholz in der Nordheide. Der Kreistag hat einen Antrag von Grünen und Linken abgelehnt, die Planungsgelder für die seit Jahren geplante östliche Umfahrung von Buchholz aus dem Haushalt zu streichen. Damit bleiben 600.000 Euro für 2026 und 450.000 Euro für 2027 im Haushalt. Die Mehrheit aus CDU, FDP, SPD und anderen Fraktionen stimmte dafür Gelder für das Straßenbauprojekt Ostring im Haushalt zu lassen.

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Die Gruppe Grüne/Linke hatte die Streichung mit der angespannten Finanzlage des Landkreises begründet. Die Einnahmen würde nicht ausreichen, der Landkreis Haushalt sei nicht ausgeglichen und es muss ein Haushaltssicherungskonzept erstellt werden. Gleichzeitig bestehe hoher Investitionsbedarf für Schulsanierungen und Krankenhäuser. 

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In der Kreistagssitzung prallten grundsätzlich unterschiedliche Positionen aufeinander. Elisabeth Bischoff (Grüne) griff das Projekt scharf an. „Der Ostring oder heutzutage nennen wir es ja Umfahrung von Buchholz, ist eine Planung aus den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts”, sagte sie. 

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Die Planung berücksichtige nicht die notwendige Mobilitätswende angesichts der Klimakrise. Die Verkehrsmengen seien trotz Bevölkerungswachstum rückläufig. 

Prognosen von 2015 hätten noch von 30.000 Fahrzeugen auf der Canteleubrücke ausgegangen, heute seien es unter 20.000. „Auch angesichts der klammen Finanzlage ist es eigentlich nur sinnvoll, dieses rückwärtsgewandte Straßenbauprojekt zu streichen”, sagte Bischoff.

Heftige Debatte über Verkehrszahlen

Ralf Becker (CDU) widersprach den Zahlen vehement. Es würden die Brücke tatsächlich knapp 30.000 Fahrzeuge pro Tag befahren. Er verwies auf die Bedeutung der Brücke als einzige verlässliche Querung über die Bahn. 

„Wenn die Canteleubrücke mal in irgendeiner Form gesperrt ist, dann ist der südliche Teil von Buchholz abgeschnitten. Es gibt keine vernünftige Alternative”, sagte Becker. Das habe nichts mehr mit Autoverkehr alleine zu tun, sondern mit der Erreichbarkeit für Schüler und Busverkehr. Deswegen sei eine östliche Umfahrung nur fair.

„Buchholz ist eine Staustadt”

Arno Reglitzky (FDP) erklärte, er bemühe sich seit Langem um die Umfahrung. „Im Moment ist Buchholz eine Staustadt geworden. Wir haben mehr Verkehr denn je”, sagte er. Eine Bürgerbefragung habe ergeben, dass zwei Drittel der Bürger eine Umfahrung für notwendig halten. „Buchholz hat sich als Wirtschaftsstadt und als Zentrum für Bürger entwickelt”, sagte Reglitzky. Nur beim Verkehr sei man hängen geblieben.

Willy Klingenberg (Freie Wähler) argumentierte aus anderer Perspektive gegen das Projekt. Seine Fraktion habe nichts gegen Wachstum in Buchholz. „Aber die Kosten für diese Straßen können ja dann auch die Buchholzer zahlen. Da müssen nicht Seevethaler oder Elbmarscher oder Winsener dafür aufkommen”, sagte er.

Bürgerinitiative kritisiert Millionen ohne Fortschritt

Auch die BürgerInitiative Ostring (BIO) fordert angesichts der dramatischen Haushaltslage einen umgehenden Stopp der Planungen. Bereits seit 2023 würden 4,3 Millionen Euro an Planungsmitteln mitgeschleppt, je zur Hälfte im Buchholzer Haushalt und im Kreishaushalt. Das geschehe ohne Vergabe, ohne Planungsstelle und ohne Fortschritt, kritisiert die Initiative. 

„Es ist nicht mehr vermittelbar, dass so ein Projekt bei real sinkenden Verkehrszahlen und ohne erkennbare Fortschritte weiterhin Millionen im Haushalt blockiert”, sagt Gerrit Gromm, Vorsitzender der BIO. 

„Menschen sind weitsichtiger, als Politik”

Bischoff konterte mit einem ironischen Vergleich. „Ich bin übrigens die Tage durch Winsen gefahren und musste sage und schreibe drei Ampelphasen abwarten, bis ich über eine Kreuzung komme. Aber in Winsen fordern wir keine östliche Umfahrung”, sagte sie unter Gelächter im Saal. 

Das Mobilitätsverhalten ändere sich. Viele Menschen in Hamburg mit gutem öffentlichem Nahverkehr hätten gar kein Auto und wollten auch keines. „Die Menschen sind oftmals weitsichtiger, als es die Politik hier jetzt annimmt”, sagte Bischoff. Am Ende lehnte die Mehrheit im Kreistag den Streichungsantrag ab. Die Planungsgelder in Höhe von insgesamt mehr als einer Million Euro bleiben damit im Haushalt. (JOTO)

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