Buchholz in der Nordheide/Landkreis Harburg. Das Shamonda-Virus ist im Landkreis Harburg angekommen. Das Veterinäramt des Landkreises ruft Tierhalterinnen und Tierhalter von Rindern, Schafen und Ziegen zu besonderer Achtsamkeit auf. Sie sollen auf Symptome achten, die auf eine Infektion hinweisen können. Bereits vier Tierhaltungen im Landkreis sind betroffen.
Bislang kannte man Infektionen mit dem Shamonda-Virus nur aus Afrika, Asien und Australien. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat nun zwei leicht veränderte Formen dieses Orthobunyavirus aus der Simbu-Serogruppe zunächst in Süddeutschland festgestellt. Inzwischen breitet sich der Erreger auch in Nord- und Ostdeutschland weiter aus.
Betroffen sind überwiegend Wiederkäuer, insbesondere Rinder, Schafe und Ziegen. Auch bei Pferden und Alpakas wurden Infektionen bestätigt. Übertragen wird das Virus durch blutsaugende Gnitzen. Eine relevante direkte Übertragung von Tier zu Tier ist nicht belegt. Allerdings kann sich ein trächtiges Muttertier während der Schwangerschaft auf seine Nachkommen übertragen.
Welche Folgen die Infektion für trächtige Tiere haben kann
Bei erwachsenen Tieren führt eine Infektion in der Regel nur zu einer kurzen Ausbreitung im Blutkreislauf. Die klinischen Erscheinungen bleiben meist mild bis moderat. Noch lässt sich jedoch nicht abschätzen, ob und in welchem Umfang das Virus bei tragenden Tieren zu Schäden an den ungeborenen Kälbern oder Lämmern führen kann. Aborte, Totgeburten und missgebildete Kälber oder Lämmer aus möglicherweise betroffenen Beständen sollten deshalb besonders aufmerksam untersucht werden.
Die Übertragung durch Gnitzen ist witterungsabhängig und reicht bis etwa Ende November. Ihre höchste Aktivität erreichen die Insekten üblicherweise zwischen Juli und Oktober. Da die Übertragung durch Gnitzen grundsätzlich sehr effizient verläuft, muss mit einer weiteren und möglicherweise schnellen Ausbreitung des Virus in empfänglichen Tierbeständen gerechnet werden.
Diese Schutzmaßnahmen empfehlen Fachleute
Klassische Bekämpfungsmaßnahmen gibt es für das Shamonda-Virus bislang nicht. Dennoch kann der Schutz empfänglicher Tiere vor Gnitzen und Mücken das Infektionsrisiko mindern. Zusätzlich lässt sich der Besamungszeitpunkt weiblicher Tiere so legen, dass das schädigende Stadium der Trächtigkeit außerhalb der Gnitzensaison liegt. Ein Impfstoff steht vorerst noch nicht zur Verfügung.
Zeigen Rinder akute Symptome wie Milchrückgang, Fieber oder Durchfall, sollten Haustierärztinnen und Haustierärzte geeignete Proben zur Abklärung an das Lebens- und Veterinärinstitut Oldenburg weiterleiten. Auch auffällige neugeborene Tiere sollten untersucht werden.
Keine Gefahr für Menschen und Haustiere
Nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand besitzen Shamonda-Viren kein relevantes Übertragungsrisiko auf den Menschen. Der Verzehr von Fleisch- und Milchprodukten bleibt unbedenklich. Das Friedrich-Loeffler-Institut stuft ein Infektionsrisiko für Menschen als unwahrscheinlich ein, überwacht die Lage aber im Rahmen der vollständigen Charakterisierung des Erregers vorsorglich weiter. Auch Haustiere wie Katzen und Hunde sind bislang nicht betroffen. (dh)










