Mobilitätspunkte statt Elterntaxi: Landkreis Harburg startet große Aktion

Die Waldschule, eine Grundschule und Gesamtschule in Buchholz. Foto: JOTO
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Buchholz in der Nordheide/Landkreis Harburg. Autos schieben sich Stoßstange an Stoßstange über schmale Straßen, Eltern wenden schnell noch zwischen Bürgersteig und Parkplatz, Kinder sprinten mitten hinein ins Getümmel. Was morgens vor vielen Grundschulen passiert, ist gut gemeint und trotzdem gefährlich. Mit einer besonderen Aktion im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche will der Landkreis Harburg sensibilisieren und dazu aufrufen, dass Mädchen und Jungen zu Fuß, mit dem Rad oder dem Bus zur Schule kommen.

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Die Kinder können während zweier Aktionszeiträume Mobilitätspunkte sammeln. Sie haben die Wahl zwischen der Woche vom Montag, 14. September, bis Freitag, 18. September, oder der Woche vom Montag, 21. September, bis Freitag, 25. September. Insgesamt 20 Grundschulen aus Winsen, Buchholz, Jesteburg, Seevetal, Tostedt, Elbmarsch und Rosengarten sind dabei mit rund 4.000 Mädchen und Jungen. 

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Weitere Schulen können sich aber noch melden und kurzfristig dazustoßen. Unterstützt wird die Aktion von der Stiftung der Sparkasse Harburg-Buxtehude mit insgesamt 10.000 Euro Preisgeld.

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Eltern verzögern die Entwicklung ihrer Kinder

Mütter und Väter wollen nur das Beste für ihre Kinder. Mit dem Elterntaxi schießen sie allerdings häufig übers Ziel hinaus. „Der Schulweg ohne Auto ist für Kinder immer noch die beste Art, um zur Schule zu kommen”, sagt Sandra Sperling von der Stabsstelle Kreisentwicklung, Wirtschaftsförderung und Mobilität. „Wir wollen mit der Aktion an die Eltern appellieren, die eigenständige Mobilität ihrer Kinder zu unterstützen und einen Anreiz geben, das einfach einmal auszuprobieren.”

Der Erfolg in den vergangenen Jahren zeige, wie gut das funktionieren könne und wieviel Spaß das den Kindern mache, sagt Sperling. „Sie haben voller Eifer Mobilitätspunkte gesammelt.” Das habe auch den Zusammenhalt in den Schulen und Klassen gestärkt. „Die Kinder haben sich dabei gegenseitig motiviert und oft auch getroffen, um den Schulweg als Gruppe gemeinsam zu gehen.”

Auf den ersten Blick scheint der Schulweg mit dem Auto bequemer und sicherer. Doch Studien zeigen, dass das Gegenteil der Fall ist. Der ADAC weist darauf hin, dass Eltern durch das Überbehüten die Entwicklung ihres Nachwuchses hin zu selbstständigen Verkehrsteilnehmern verzögern. Nach einer bundesweiten Umfrage des Automobilclubs werden fast 22 Prozent der Kinder mit dem Elterntaxi zur Schule gebracht. 59 Prozent der Eltern geben zu, dass durch Elterntaxis gefährliche Verkehrssituationen entstehen. Laut einer ADAC-Studie haben fast zwei Drittel der Grundschulen ein deutliches Problem mit Elterntaxis.

Punkte sammeln für Bronze, Silber und Gold

„Das Kind eben am Straßenrand aus dem Auto zu lassen, ist viel gefährlicher, als wenn es den ganzen Schulweg zu Fuß, mit dem Rad oder dem Bus zurücklegt”, erläutert Sperling. „Der Bringdienst mit dem Auto sollte daher eine Ausnahme darstellen. Wenn Kinder den Schulweg eigenständig zurücklegen, stärkt das die Selbstständigkeit, das Selbstbewusstsein und das Verantwortungsgefühl des Kindes.”

Die Aktion ist ein Anreiz, der der ganzen Schule zugutekommt. Für den Schulweg hin und zurück kann je ein Mobilitätspunkt gesammelt werden, wenn der Weg entweder zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Schulbus zurückgelegt wird. Je nach Schülerzahl müssen die Mädchen und Jungen eine bestimmte Punktezahl sammeln, um in den drei Kategorien Bronze, Silber und Gold erfolgreich zu sein. Als Belohnung erhält der jeweilige Schulverein bis zu 500 Euro für schuleigene Projekte von der Stiftung.

Grundschulen, die noch mitmachen wollen, können sich bei Sandra Sperling melden, telefonisch unter 04171–693564 oder per E‑Mail an s.sperling@lkharburg.de.

Die Europäische Mobilitätswoche

Die Europäische Mobilitätswoche ist eine Kampagne der Europäischen Kommission rund um das Thema nachhaltige Mobilität. Sie bietet Kommunen aus ganz Europa die Möglichkeit, ihren Bürgerinnen und Bürgern die komplette Bandbreite nachhaltiger Mobilität vor Ort näherzubringen. Jedes Jahr, immer vom 16. bis 22. September, werden im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche innovative Verkehrslösungen ausprobiert oder mit kreativen Ideen für eine nachhaltige Mobilität in den Kommunen geworben. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.umweltbundesamt.de/europaeische-mobilitaetswoche. (dh)

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