
Buchholz in der Nordheide. Ab Mittwoch, 1. April, beginnt in Niedersachsen die Brut- und Setzzeit. Bis zum 15. Juli gilt dann die Anleinpflicht für Hunde in Wald und Flur. Zeitlich fällt der Start der sensiblen Phase mit der Zeitumstellung auf die Sommerzeit zusammen, die am Sonntag, 29. März, erfolgt. Die Jägerschaft des Landkreises Harburg appelliert an Hundehalter und Autofahrer, besondere Rücksicht auf Wildtiere zu nehmen. Bereits kleine Störungen können das Leben des tierischen Nachwuchses gefährden. Wenn sich beispielsweise ein Hund links und rechts oder abseits der Wege bewegt, bleibt eine Ricke von ihrem Kitz fern. Bei Störungen alle zehn Minuten hat das Muttertier keine Chance, sein Junges zu versorgen. Unter diesen Bedingungen kann ein Jungtier schnell verdursten oder unterkühlen. Deshalb ist es wichtig, auch kleine Hunde an einer kurzen Leine zu halten.
Im Landkreis Harburg sind einige seltene Vogelarten heimisch. Dazu gehört das Birkwild, Wappentier der Lüneburger Heide. Von diesem bodenbrütenden Vogel, der sehr sensibel auf Umwelteinflüsse reagiert, gibt es nur noch wenige Brutpaare. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war das Birkwild eine Charakterart der norddeutschen Moore und Heiden. Heute verfügt Niedersachsen mit einer Restpopulation von nur noch wenigen Birkhühnern in der Lüneburger Heide über eines der letzten ursprünglichen Vorkommen in Mitteleuropa. Werden durch Unachtsamkeit oder Ignoranz Nester zerstört, ist der Nachwuchs für ein komplettes Jahr vernichtet. Die Jägerschaft fordert alle auf, mit Rad, Hund und zu Fuß auf den Wegen zu bleiben. In Bereichen der Landschafts- oder Naturschutzgebiete gilt die Leinenpflicht ganzjährig. Spaziergänger sollen Jungtiere nicht berühren. Wer unsicher ist, ob Wildtiere Hilfe benötigen, soll den zuständigen Jagdpächter informieren, der bei Bedarf mit Wildauffangstationen zusammenarbeitet.
Hundehalter haben eine doppelte Motivation, ihre Schützlinge im Wald an die Leine zu nehmen. Ab Ende April kommen die ersten Wolfswelpen zur Welt. Die Wölfe reagieren empfindlich und verteidigen ihre Welpen, wenn ein Hund durch ihr Territorium streift. Der Landkreis Harburg ist flächendeckend vom Wolf besiedelt. Informationen zum Wolf gibt es unter www.wolfsmonitoring.com. Die Jäger des Landkreises sind vermehrt unterwegs, um Besucher aufzuklären und zu sensibilisieren. Die Jägerschaft bedankt sich im Voraus herzlich bei allen Hundebesitzern, die ihre Hunde an der Leine führen.
Wölfe verteidigen ihren Nachwuchs
Eine besondere Bitte richtet die Jägerschaft an Autofahrer. Im Landkreis Harburg sind im vergangenen Jahr mehr als 1200 Rehe auf den Straßen bei Wildunfällen ums Leben gekommen. Das sind mehr als drei Rehe täglich. Viele Unfallfahrer melden Wildunfälle nicht. Gerade im Frühjahr verunglückt oft weibliches Wild. Dann bleiben nicht selten Jungtiere und Kitze in den Revieren zurück, die zugrunde gehen. Werden die Wildunfälle der Polizei gemeldet, informiert diese den zuständigen Jäger. Dieser kann schnell erkennen, ob das weibliche Reh oder die Hirschkuh Nachwuchs hat, und die Kitzretter informieren. Diese spüren die Jungtiere mit Hilfe von Drohnen auf und übergeben sie einer Wildauffangstation. Dies geschieht nach sorgfältiger Überprüfung, damit keine Tiere fälschlicherweise entnommen werden.
+++ Melde dich jetzt für unseren WhatsApp-Newsticker an und erhalte die wichtigsten Nachrichten direkt auf dein Handy! – Hier klicken und abonnieren +++
Durch die Zeitumstellung auf die Sommerzeit am Sonntag, 29. März, erhöht sich das Risiko für Wildunfälle. Das Wild muss sich erst an das neue Verhalten der Menschen anpassen. Wildtiere folgen ihrer inneren Uhr, die sich nach der Natur richtet und keine Zeitumstellung kennt. Wenn der Morgen- und Pendlerverkehr plötzlich eine Stunde früher einsetzt, fällt er genau in jene Phase, in der viele Tiere noch besonders aktiv sind. Der Appell der Jägerschaft ist klar: Im Morgenverkehr das Tempo reduzieren, vorausschauend fahren und Straßenränder sowie bewachsene Bereiche besonders aufmerksam beobachten. (tj)












