
Buchholz in der Nordheide. Zwei Pflegekräfte aus den Krankenhäusern Buchholz und Winsen fahren Ende Juli zum Wacken Open Air. Meike Dembski (47) und Sarina Okunek (38) sind die Gewinnerinnen der Aktion We Care Louder!, mit der die Kliniken des Landkreises Harburg ihre Mitarbeitenden ehren. Das Unternehmen hatte alle Pflegekräfte aufgerufen, sich mit kreativen Begründungen um zwei mal zwei Tickets zu bewerben.
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Für die Aktion kooperieren die Krankenhäuser mit dem weltweit bekannten Metal-Festival. Doch hinter dem Projekt steckt mehr als ein besonderes Festivalerlebnis. Die Aktion macht sichtbar, dass auch in der Pflege viele Menschen arbeiten, für die Heavy Metal weit mehr ist als ein Musikstil. Mit „We Care Louder!” unterstützen die Krankenhäuser die individuellen Resilienzstrategien ihrer Mitarbeitenden und unterstreichen die Relevanz der mentalen Gesundheit.
Dembski arbeitet in der Zentralen Notaufnahme des Krankenhauses Winsen. Seit ihrer Ausbildung zur Krankenschwester hält sie der Winsener Klinik die Treue, die ihr auch die Fachweiterbildung Notfallpflege ermöglichte. Pflege ist ein unglaublich toller Beruf, aber er fordert auch jeden Tag viel, fachlich, körperlich und emotional, sagt Dembski. Für sie ist Metal ein Ventil, das ihr hilft, nach einem anstrengenden Dienst wieder runterzukommen und den Kopf freizukriegen. Sie freut sich total auf Wacken und darauf, diese Stimmung und Gemeinschaft dort endlich mal selbst zu erleben, von der immer alle erzählen, sagt die 47-Jährige.
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Warum Pflegekräfte Metal lieben
Pflege ist geprägt von Schichtdienst, hoher Verantwortung, Zeitdruck und emotional belastenden Situationen. Um in diesem Umfeld langfristig stabil und resilient zu bleiben, brauchen Pflegekräfte Kraft- und Regulationsquellen. Studienergebnisse belegen, dass im klinischen Umfeld energiereiche Musikstile wie Rock zu den am häufigsten genannten gehören, die zum Stressabbau genutzt werden. Warum das so ist, weiß der Psychologe Burkhard Gniewosz, Professor an der Universität Salzburg. Im Mai veröffentlichte er zusammen mit seinem Kollegen Jörg Zumbach das Buch „No Fear of the Dark”, eine Psychologie des Heavy Metal.
GDesundheitsberufe zählen zu den besonders stark belasteten Berufsgruppen, sagt Gniewosz. Entsprechend groß ist die Bedeutung von Programmen zur Gesundheitsförderung, Mental Care-Angeboten und Maßnahmen zur Burnout-Prävention. Ein Projekt wie We Care Louder! passt dazu exzellent. Menschen nutzen Musik aktiv zum Stressabbau und zur Regulierung negativer Emotionen, sagt der Forscher. Besonders wirksam ist das, wenn die Musik einerseits den persönlichen Vorlieben entspricht und andererseits zu den Qualitäten der zu regulierenden Emotionen passt. Bei hoher Anspannung, wie sie in Stresssituationen typisch ist, braucht es entsprechend energiereiche Musik. Genau deshalb eignet sich Heavy Metal hier besonders gut, sagt Gniewosz.
Gemeinschaft stärkt die Resilienz
Hinzu kommt, dass die Heavy Metal-Community über einen ausgeprägten Gruppenzusammenhalt und ein starkes gegenseitiges Unterstützungsverhalten verfügt. Über Heavy Metal lassen sich nicht nur Anspannung und Stress abbauen, sondern auch ein soziales Netzwerk und soziale Ressourcen aufbauen, sagt Gniewosz. Diese wiederum können als zusätzliche Schutzfaktoren gegen die hohe Beanspruchung in Gesundheitsberufen wirken.
Okunek, die zweite Gewinnerin der Festival-Tickets, arbeitet seit Januar als Pflegekraft auf den Intensivstationen beider Krankenhäuser. Als sie den Aufruf zur Wacken-Aktion mitbekommen hat, war sie überrascht und hat sich extrem gefreut. Ich dachte: Krass, dass ein Krankenhaus an uns Metalheads denkt, sagt Okunek. Jetzt habe sie noch einen Grund mehr, warum sie gerne hier arbeite. Dass sie von ihrem Gewinn an ihrem Geburtstag erfuhr, ist für die 38-Jährige das Sahnehäubchen.
Wertschätzung für die tägliche Arbeit
Mit We Care Louder! nehmen die Krankenhäuser Buchholz und Winsen die Perspektive ernst, Pflegekräfte nicht nur in ihrer professionellen Rolle zu sehen, sondern auch als Menschen mit subkultureller Identität und wirksamen Resilienzstrategien. Unsere Pflegekräfte leisten jeden Tag Außergewöhnliches, sagt Jan Bergstein, Mitglied der Pflegedienstleitung der Krankenhäuser Buchholz und Winsen. Pflege ist ein herausfordernder Beruf, der eine hohe Resilienz erfordert. Mit We Care Louder! wollen wir die tägliche Leistung der Pflegekräfte besonders anerkennen und zugleich ihren Umgang mit den Belastungen des Berufs würdigen, sagt Bergstein. Wir sehen unsere Pflegekräfte als Individuen auch jenseits von Dienstplan, Stationsalltag und Funktion. Darin liegt für uns die Stärke des Projekts.
Begleitet wird die Aktion von einer eigenen Landingpage und in den Social-Media-Kanälen der Krankenhäuser. Dort erzählen Okunek und Dembski, was Metal für sie auch im Beruf bedeutet und verraten beispielsweise, was die Gemeinsamkeit von Pflege und Moshpit ist. Den Sound zu We Care Louder! in Social Media liefert die Metalband GODSNAKE aus Hamburg. Ihr Sänger Torger Neuhaus lebt im Landkreis Harburg.
Die Thrash Metal Band ist bei dem renommierten Metal-Label Massacre Records unter Vertrag. Schätzungen zufolge hören mehr als zehn Millionen Deutsche Heavy Metal, also mehr als jeder achte. Das Wacken Open Air findet vom Mittwoch, 29. Juli, bis Samstag, 1. August statt. Weitere Informationen zum Projekt sowie wissenschaftliche Hintergründe zur Verbindung von Pflege und Metal als Mental Health-Ansatz finden Interessierte unter www.krankenhaus-winsen.de/unternehmen/we-care-louder-pflege-x-metal. (dh)
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