Buchholz in der Nordheide. Der Klimabeirat der Stadt Buchholz hat eine neue Stellungnahme zur Stadtentwicklung veröffentlicht. Das Gremium fordert, Bauvorhaben auf der grünen Wiese nur noch als Notlösung zu betrachten und stattdessen Lücken im Bestand zu schließen.
Die Zahlen dafür lieferte Dr. Jens-Martin Gutsche vom Planungsbüro Gertz Gutsche Rümenapp in einem Impulsvortrag. Sein Büro hat gemeinsam mit dem Öko-Institut im Auftrag des Umweltbundesamts untersucht, wie stark verschiedene Bauformen das Klima belasten.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede. Ein Hektar neues Bauland im Außenbereich verursacht im Bundesschnitt rund 38 Tonnen CO2-Äquivalente über 25 Jahre. Im Innenbereich sind es nur etwa 7 Tonnen, mit gutem Grünflächenschutz sogar nur 5. Wird dabei Wald gerodet, steigt der Wert laut Gutsche auf bis zu 300 Tonnen je Hektar.
Was der Klimabeirat konkret verlangt
Unter anderem aus diesen Befunden leitet das Gremium mehrere Empfehlungen ab. Wälder und Gehölze sollen nicht angetastet werden. Neue Wohnungen sollen bevorzugt als zentrumsnahe Geschosswohnungen entstehen, auch für Ein- und Zwei-Personen-Haushalte.
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Wo Außenentwicklung trotzdem unvermeidlich ist, fordert der Beirat ein tragfähiges Mobilitäts- und Wärmekonzept sowie klimafreundliche Bauformen. Außerdem sollen sogenannte Schottergärten stärker bekämpft und Verstöße gegen Versiegelungsverbote konsequenter geahndet werden.
Wer im Klimabeirat sitzt und was seine Empfehlungen bedeuten
Der Klimabeirat existiert seit Mai 2021 und berät Rat und Verwaltung in klimapolitischen Grundsatzfragen. Den Vorsitz hat Dr. Janosch Ondraczek, stellvertretend leitet Frerk Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) das Gremium.
Ihm gehören Vertreter aller Ratsfraktionen, der städtischen Klimateams, des Jugendrats und weitere gesellschaftliche Akteure an. Bindend sind seine Empfehlungen nicht. Sie müssen aber im Stadtrat beraten werden, was ihnen politisches Gewicht verleiht.
Konkret trifft die Stellungnahme auf ein laufendes Großprojekt. An der Bremer Straße plant die Stadt bis zu 580 neue Wohnungen auf Acker- und Grünlandflächen im Außenbereich. Eine drohende Überlastung der Straßen und eine schlechte Busanbindung im Gebiet selbst haben das Vorhaben bereits in die Kritik gebracht – buchholz-aktuell.de berichtete im März: Wohngebiet Bremer Straße: 580 Wohnungen und ein drohender Verkehrskollaps?.
Das Gegenargument ist bekannt: Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum in Buchholz. Der Landkreis fordert mehr als 1.800 neue Wohnungen für Buchholz, günstige Wohnungen im Bestand sind kaum zu finden. Außerdem gehören im Bereich der Bremer Straße die meisten Grundstücke der Stadt selbst, während in der Innenstadt viele Flächen im Besitzt von Privatleuten oder Investoren sind.
Die politischen Mehrheiten für ein weiteres Neubaugebiet am Stadtrand sind bislang vorhanden. Ob und wie der Stadtrat die Empfehlungen des Beirats berücksichtigt, bleibt abzuwarten. (JOTO)
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