
Buchholz in der Nordheide. Ein Herzschlag alle 2,365 Sekunden. 255 Schläge in zehn Minuten, 2292 Schläge in eineinhalb Stunden. Als die Schülerinnen und Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums am Dienstag, 27. Januar, die Rotunde des AEG betreten, ist dieser gleichmäßige Rhythmus im Hintergrund zu hören. Jeder einzelne Schlag steht symbolisch für das Leben eines Menschen, der im nationalsozialistischen Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurde. Würde dieser Rhythmus ununterbrochen weiterlaufen, Tag und Nacht, müsste er einen ganzen Monat lang erklingen, um allein die Zahl der Opfer aus Auschwitz hörbar zu machen: rund 1,1 Millionen Menschen.
Sie wurden innerhalb von 1732 Tagen auf einer Fläche von etwa 40 Quadratkilometern ermordet. An diesem Internationalen Holocaust-Gedenktag stellten Schülerinnen und Schüler des zwölften Jahrgangs des AEG die Ergebnisse ihrer Fahrt nach Auschwitz und Krakau vor, die sie im Dezember unternommen hatten. Der Besuch des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers führte die Jugendlichen an einen Schauplatz, an dem Geschichte nicht nur dokumentiert, sondern bis heute spürbar ist.
Die weiten Flächen, die erhaltenen Holzbaracken und die sichtbaren Überreste der Lagerstrukturen verdeutlichten, in welchem Ausmaß der nationalsozialistische Massenmord organisiert war. Die Schülerinnen und Schüler standen auf der Selektionsrampe, auf der hunderttausende von Menschen in den Tod geschickt wurden, weil sie als arbeitsunfähig eingestuft wurden. Darunter war eine erschreckend große Zahl an Kindern.
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Bis zu 30 Menschen in einem Bett
Die Lebensbedingungen in den Baracken machten die Entmenschlichung greifbar. In kalten, engen Holzverschlägen mussten bis zu 30 Menschen in einem Bett schlafen, unter katastrophalen hygienischen Bedingungen. Besonders erschütternd waren für die Jugendlichen die persönlichen Gegenstände der Opfer: Schuhe, Koffer, Brillen, Haare. Sie zeigen, dass hinter jeder Zahl ein individueller Mensch mit einer eigenen Geschichte steht.
Das Wissen aus dem Unterricht bekam an diesem Ort eine neue, beklemmende Realität. Abstrakte Zahlen wurden zu etwas Greifbarem. Die Fahrt ließ die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass es nicht nur um eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit handelt, sondern auch Fragen an die Gegenwart stellt. Das Erinnern an die Verbrechen des Nationalsozialismus tritt als zentrale Grundlage für ein demokratisches und menschenwürdiges Zusammenleben hervor.
Die Erfahrung prägte den Blick der Jugendlichen auf Hass, Rassismus und Ausgrenzung nachhaltig. Sie lernten, wie wichtig es ist, nicht wegzusehen, sondern für Toleranz und Vielfalt einzustehen. Mit der Gedenkveranstaltung zum diesjährigen Holocaust-Gedenktag versuchten die Schülerinnen und Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums, diese Verantwortung sichtbar zu machen. Unter dem Motto Erinnern heißt, nicht zu vergessen wird die Auseinandersetzung mit der Geschichte bewusst in die Schulgemeinschaft getragen, als Zeichen dafür, dass Erinnerung lebendig bleiben muss. (dh)











