
Buchholz in der Nordheide/Tostedt. Mit stehenden Ovationen haben sich rund 400 Jägerinnen und Jäger bei Norbert Leben bedankt. Der Schätzendorfer, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiert, hatte über drei Jahrzehnte das Amt des Kreisjägermeisters im Landkreis Harburg ausgeübt. Eine Ära geht zu Ende.
In der vollbesetzten Schützenhalle Tostedt fanden am Samstag, 14. März, die amtliche Hegeschau des Landkreises Harburg sowie die Mitgliederversammlung der Jägerschaft Landkreis Harburg statt. Norbert Leben hat hervorragende Arbeit geleistet, sagte Landrat Rainer Rempe. Der Kreisjägermeister habe stets Sachverstand und Augenmaß bewiesen. Er habe sich auf vielfältige Weise in Politik, Forstwirtschaft und Verbänden für die Belange der Jägerinnen und Jäger eingesetzt. Norbert Leben sei ein engagierter Fürsprecher für Wild und Natur. Er hinterlasse seinem Nachfolger große Fußstapfen.
Der Landrat nutzte die Gelegenheit, um auf ein Thema hinzuweisen, das Auswirkungen auf uns alle haben werde. Er sprach die Planungen der Deutschen Bahn für eine ICE-Neubaustrecke von Hamburg nach Hannover an. Diese würde massive Einschnitte für Natur und Landschaft und die Lebensqualität vieler Menschen bedeuten. Die geplante Bahntrasse würde auf 500 Metern Breite die Landschaft zerschneiden. Das bedeute zugleich erhebliche Lärmbelastung, Verinselungsgefahr für Tiere und enorme Kosten. Wir sprechen über 14 Milliarden Euro, sagte der Landrat. Dabei könne die Neubaustrecke nicht vor 2050 fertiggestellt werden.
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Mit dem Ausbau der bestehenden Strecke, der Alpha-E-Trasse, könne es hingegen viel schneller zu einer Verbesserung des Angebotes auf der Schiene kommen. Voraussichtlich am Montag, 20. April, werde es im Bundesverkehrsausschuss zu einer Anhörung zur geplanten Neubaustrecke kommen. Es dürfe keine Planungen ohne vernünftige Abwägung über die Köpfe der Menschen in der Region hinweg geben, betonte der Landrat. Er erhielt dafür kräftigen Applaus.
Der Landrat bedankte sich dafür, dass Jägerinnen und Jäger an vielen Stellen in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen. So seien im vergangenen Jahr im Landkreis Harburg mehr als 700 Kitze und zahlreiche andere Jungtiere durch den Einsatz von Drohnen vor dem Mähtod bewahrt worden. Mittlerweile sind 35 Drohnen-Teams zur Kitzrettung im Landkreis Harburg unterwegs. Die ehrenamtlichen Drohnen-Teams sind bereits im frühen Morgengrauen auf den Wiesen im Einsatz. Das sind großartige Zahlen, die zeigen, dass sich der Einsatz der Jägerinnen und Jäger lohnt, sagte Rainer Rempe.
Vorbildlich sei auch die Öffentlichkeitsarbeit der Jägerschaft, durch die schon den Kleinsten viel Wissenswertes über Jagd und Natur vermittelt werde. Ich setze darauf, dass sie im Landkreis mehr Böcke schießen als die Verwaltung, sagte er unter dem Applaus der Anwesenden.
Letzter Streckenbericht nach 30 Jahren im Amt
Anschließend stellte Norbert Leben den Streckenbericht für das Jagdjahr 2024/2025 und damit zugleich seinen letzten als Kreisjägermeister vor. Wie jedes Jahr waren entlang der Wände der Schützenhalle die Trophäen der in den einzelnen Revieren im zu Ende gehenden Jagdjahr erlegten Wildtiere ausgestellt. Die Rotwild- und die Damwildstrecke sind nach wie vor auf einem niedrigen Niveau, sagte Norbert Leben. Aus diesem Grund werde die Jagd in der mittleren Altersklasse bei den beiden Hirscharten in den nächsten drei Jahren ausgesetzt.
Die Schwarzwildstrecke habe sich mit 1.278 erlegten Wildschweinen im Vergleich zum Vorjahr leicht erhöht. Die Bestände scheinen sich zu stabilisieren, sagte der Kreisjägermeister. Aber wir sehen schon, dass die Witterungsverläufe und Anbauverhältnisse in der Landwirtschaft, aber auch und gerade der Wolf unser Schwarzwild beeinflussen, betonte er.
Die Rehwildstrecke sei über Jahre nahezu konstant. Dabei können wir feststellen, dass sich das Einstandsverhalten geändert hat, das Rehwild ist heimlicher geworden, sagte Norbert Leben. Gestreckt wurden 1.706 Böcke und 1.203 Ricken. Hinzu kommen 1.218 Stück Fallwild, fast alles im Straßenverkehr getötete Rehe. Leider bekommen wir die Fallwildzahlen nicht in den Griff, so der erfahrene Waidmann. Mein Appell geht an die Autofahrer: Runter vom Gas!
Unerlässlich für die Deichsicherheit im Landkreis Harburg sei die scharfe Bejagung der Nutrias. Diese invasive Art unterhöhlt durch ihre Bauten die Deiche. Der Landkreis unterstützt die Jagd auf die Pelztiere mit der Anschaffung von Fallen. Im Jagdjahr 2024/2025 wurden 2.193 Nutrias im Landkreis Harburg erlegt. Hinzu kommen 13 Stück Fallwild. Ein Jahr zuvor lag die Zahl noch bei 1.698 erlegten Nutrias.
Wie bei den Nutrias sei auch bei den Waschbären eine konsequente Bejagung nötig. Im vergangenen Jagdjahr seien im Landkreis Harburg 1.182 Exemplare dieser invasiven Raubwildart geschossen worden. Im Jahr zuvor seien es 878 gewesen.
Im Anschluss an das Verlesen der jeweiligen Strecken ertönten die Jagdsignale. Sie wurden gekonnt vorgetragen von den Jagdhornbläsern unter der Leitung von Wolfgang Baumgärtner. Großen Beifall für seine Darbietungen erhielt auch der Parforcehorn-Bläserkreis Nordheide unter Leitung von Ute Marx. Als Hommage an den scheidenden Kreisjägermeister spielten die Parforcehorn-Bläser eine feierliche Ehrenfanfare.
Sichtlich gerührt bedankte sich Norbert Leben bei den Bläsern und allen, die ihn über so viele Jahre hinweg begleitet und unterstützt haben. Ich melde mich jetzt ab, verschwinde im Wald oder in der Jagd, nicht aber ohne jeder einzelnen Jägerin und jedem einzelnen Jäger in unserem Landkreis ein herzliches Dankeschön und Waidmannsheil zu sagen, sagte Norbert Leben.
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Größte Jägerschaft Niedersachsens
Mit 2997 Mitgliedern ist die Jägerschaft im Landkreis Harburg die größte in Niedersachsen. Im vergangenen Jahr seien 155 neue Mitglieder hinzugekommen, berichtete der Vorsitzende Horst Günter Jagau. Erfreulich sei, dass der Bundestag in diesem Monat endlich den Wolf ins Bundesjagdgesetz aufgenommen hat. Ob damit tatsächlich die Grundlage für ein echtes Bestandsmanagement gelegt werde, bleibe abzuwarten. Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer habe angekündigt, dass das Land die neuen Möglichkeiten voll ausschöpfen wolle. Er sei gespannt auf die Umsetzung.
Mit mehr als 700 Wölfen habe Niedersachsen weltweit die höchste Wolfsdichte. Aus Sicht der Weidetierhalter ist das ein trauriger Rekord, sagte Horst Günter Jagau. Er hoffe, dass in fünf bis zehn Jahren der Wolf hierzulande bejagd werden kann wie jede andere Wildart auch. Ausdrücklich bedankte sich der Vorsitzende der Jägerschaft bei Norbert Leben für dessen herausragendes Engagement. Über 30 Jahre hast Du perfekte Hegeschauen organisiert und uns Jäger mit wichtigen Informationen versorgt, sagte er.
Peper wird Nachfolger und Flick Stellvertreterin
Der Kreisjägermeister bleibt noch einige Monate im Amt. Nach der Kommunalwahl wird der neue Kreistag seinen Nachfolger offiziell wählen. Dieser wird aller Voraussicht nach der bisherige stellvertretende Kreisjägermeister Ulrich Peper aus Oelstorf sein. Die Mitglieder der Jägerschaft wählten den 59-jährigen Leiter des Landwirtschaftlichen Bildungszentrums Echem einstimmig zum designierten Nachfolger von Norbert Leben.
Zu den Hauptaufgaben des Kreisjägermeisters zählt die Leitung der Jägerprüfungskommission. Darüber hinaus leitet er die Sitzungen des Jagdbeirates und berät die Jagdbehörde. Der Kreisjägermeister trägt zudem Sorge dafür, dass die allgemein anerkannten Grundsätze der Waidgerechtigkeit beachtet werden. Er ruft Notzeiten für das Wild aus und stellt die Hege des Wildes sicher.
Als neue stellvertretende Kreisjägermeisterin schlägt die Versammlung die Tierärztin Sandra Flick vor. Sie betreibt in Winsen-Luhdorf eine Tierarztpraxis und züchtet ungarische Vorstehhunde.
Im Rahmen der Jahreshauptversammlung wurden Andrea Stöckling (fünf Jahre Jagdhornbläserin) und Richard Heyduck (60 Jahre Mitgliedschaft) mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet. Marion Külper, Philip Hartz, Moritz Löbbecke und Jannik Neuse wurden mit dem Verdienstabzeichen in Bronze der Landesjägerschaft Niedersachsen geehrt.
Der langjährige Schriftführer und Kassenwart des Hegerings Garlstorf Jan-Peter Ohla wurde mit dem LJN-Verdienstabzeichen in Silber ausgezeichnet. Cord Weinmann, langjähriges Mitglied der Jägerprüfungskommission und 43 Jahre Schießwart im Hegering Tostedt, erhielt für seine Verdienste die LJN Plakette in Silber. (dh)














