Ehrenamtlich: Diese vier Menschen machen Buchholz besser

Ehrenamtliche Helden: Timon Stargardt, Christina Peters, Udo Bade und Heike Riemann zusammen mit Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse. Foto: JOTO
Ehrenamtliche Helden: Timon Stargardt, Christina Peters, Udo Bade und Heike Riemann zusammen mit Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse. Foto: JOTO

Politische Werbung

Transparenzhinweis

Hier geht es zur Webseite

Werbung

Kreisvolkshochschule - Hier geht es zur Webseite

Werbung

Buchholz in der Nordheide. Eine Frau, die Sterbende bis zum letzten Atemzug begleitet. Ein junger Mann, der als Jugendratsvorsitzender zwischen Kinderkirche und Bürgermeisterbüro pendelt. Eine Vermittlerin, die Ehrenamtliche und Organisationen zusammenbringt. Und ein Vereinsmensch, der Tischtennis in Buchholz über zwei Jahrzehnte geprägt hat.

Politische Werbung

Transparenzhinweis

Hier geht es zur Webseite

Politische Werbung

Transparenzhinweis

Michael Riedel Anzeige - Klicken um die Webseite zu besuchen

Diese vier Buchholzer wurden am Donnerstag in der Empore mit der Ehrennadel und der Ehrenmedaille der Stadt geehrt. Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse machte in seiner Rede keinen Hehl aus seiner Sorge: „Viele Menschen verhalten sich sehr egoistisch”, sagt er. Das sei unserer Zeit geschuldet, viele würden abdriften. Der Festakt und das ehrenamtliche Engagement dieser vier Buchholzer sei der Gegenbeweis. 

Werbung

Buchholz-aktuell.de stellt die vier ausgezeichneten Buchholzer vor:

Udo Bade: Zwanzig Jahre Herzblut für den Tischtennissport in Steinbeck

Udo Bade und Jan-Philipp Dechow: „Udos Herz schlägt für den Tischtennissport. Das ist ganz klar.”

Udo Bade hat den Tischtennissport in Buchholz-Steinbeck über zwei Jahrzehnte lang geprägt wie kaum ein anderer: als Kassenwart, als zweiter Vorsitzender und schließlich elf Jahre lang als erster Vorsitzender des TSC Steinbeck-Meilsen. Jan-Philipp Dechow, selbst zweiter Vorsitzender hielt die Laudatio. „Ich weiß gar nicht, wie ich das alles in Worte fassen soll, was Udo schon geleistet hat”, gestand der 29-Jährige dem Publikum.

Bade war schon beim damaligen Bundesligisten MTV Tostedt als Vorsitzender aktiv und engagierte sich in Kreis‑, Bezirks- und Landesverbänden, bevor er 2006 zum TSC Steinbeck-Meilsen kam. Wegen gesundheitlicher Probleme musste er das Amt des ersten Vorsitzenden im vergangenen Jahr niederlegen. Der Verein wählte ihn daraufhin auf der Jahreshauptversammlung spontan zum Ehrenpräsidenten. Dechow nutzte den Festakt in der Empore, um diese Wahl mit einem gerahmten Bild voller Erinnerungen aus 20 gemeinsamen Jahren noch einmal gebührend zu würdigen.

Werbung

Was Bade in seiner Zeit aufgebaut hat, ist beachtlich, erklärt Dechow. 2015 ermöglichte er einen Zusammenschluss mit der Tischtennisabteilung des TSV Buchholz 08, 2020 folgte eine Spielgemeinschaft mit dem MTV Tostedt. „Aus einem kleinen Verein am Rande der Stadt wurde einer der größten Tischtennis-Vereine im Landkreis, der auf Landesliga-Niveau spielt”, hob Jan-Philipp Dechow hervor. Die Damenmannschaft, die Bade über Jahre hinweg gemanagt und begleitet hatte, stieg im vergangenen Jahr erstmals in die Verbandsliga auf.

Für die Atmosphäre im Verein hatte Bade ein einfaches Mittel: Nach Heimspielen gab es immer ein Buffet. Dechow erinnerte sich mit sichtlichem Vergnügen an das Herzstück dieser Abende. „Unter fünfzehn Knoblauchzehen pro Löffel war das kein echtes Udo-Tsatsiki”, sagt er. Es ist genau diese Mischung aus Leistung und Leidenschaft, die Bades Arbeit ausmacht und Dechows Dank klang ehrlich: „Danke für die unendlich vielen Stunden, die du in den Verein gesteckt hast.”

Christina Peters: Von kleinen Gesten zur Schlüsselfigur der Freiwilligenagentur Fee

Sigrid Hummel und Christina Peters: „Christinas Platz ist heute ausnahmsweise, aber sehr zu Recht auf der Bühne.”

Christina Peters vermittelt seit 2018 bei der Freiwilligenagentur Fee ehrenamtlich Menschen, die sich engagieren möchten, an Organisationen, die Unterstützung brauchen und umgekehrt. Für diese Arbeit, die längst weit über das reine Vermitteln hinausgeht, erhielt sie die Ehrennadel der Stadt.

Laudatorin Sigrid Hummel beschrieb Peters als jemanden, die lieber im Hintergrund wirkt als im Rampenlicht steht. „Mit dieser Öffentlichkeit verlässt Christina Peters eindeutig ihre Komfortzone”, sagt Hummel mit einem Lächeln. Peters habe im persönlichen Umfeld angefangen: selbst gestaltete Adventskalender für Menschen in schwierigen Lebenslagen, Hilfe bei der Grabpflege, wenn Angehörige die Kraft fehlt. Aus diesen kleinen Gesten heraus sei der Weg ins öffentliche Ehrenamt gewachsen.

Zunächst engagierte sich Peters als Elternvertreterin an der IGS, wurde in den Schulelternvorstand gewählt und dreimal wiedergewählt, bis zum Ende der Schulzeit ihrer Kinder. 2018 fand sie in der Freiwilligenagentur Fee ein neues Betätigungsfeld. Die Agentur vermittelt Menschen, die sich engagieren wollen, an passende Organisationen und umgekehrt. Für Schülerinnen und Schüler, Ältere nach dem Berufsleben und Zugezogene sei Fee oft ein erster Anlaufpunkt. Hummel hob hervor, dass Peters inzwischen in nahezu allen Bereichen der Agentur eingearbeitet ist und derzeit die Leitungsvertretung übernimmt.

Die geehrten standen im Mittelpunkt. Foto: JOTO
Die geehrten standen im Mittelpunkt. Foto: JOTO

In ihrer eigenen Dankesrede erzählte Peters von ihrem Nachbarn Herbert, der 89 Jahre alt war und keine weiteren persönlichen Kontakte hatte. Als sich sein Gesundheitszustand zu Jahresbeginn deutlich verschlechterte, bat er Peters, seine Bevollmächtigte zu werden. Sie übernahm und begleitete ihn bis zu seinem Tod am ersten Weihnachtstag. „Es war eine intensive Zeit, die viel Kraft gekostet, mich aber auch sehr bereichert hat”, sagt Peters.

Aus dieser Erfahrung destillierte sie eine Botschaft, die sie beim Festakt mit dem Publikum teilte: „Vertrauen ist eine Pflanze, die man mit Geld nicht kaufen kann. Wer Vertrauen ernten will, muss selbst aktiv werden, einen Boden vorbereiten, ein passendes Klima wählen, Samen säen und diese zuverlässig pflegen.” Ihr Lebensmotto stammt von Robert Baden-Powell, dem Gründer der Weltpfadfinderbewegung: „Die Welt ein bisschen besser zu hinterlassen, als man sie vorgefunden hat.”

Timon Stargardt: Die Ehrenmedaille geht an den Co-Jugendrats-Vorsitzenden

Finn Brandes und Timon Stargardt: „Über Timon zu sprechen ist für mich keine Pflicht, sondern eine große Ehre.”

Timon Stargardt engagiert sich ehrenamtlich als Co-Vorsitzender des Buchholzer Jugendrates und in der Kirchenarbeit mit Kindern und erhielt dafür in diesem Jahr die Ehrenmedaille der Stadt. Sie ist eigens für junge Ehrenamtliche bis zum vollendeten 20. Lebensjahr gedacht. Sein Laudator Finn Brandes, ebenfalls Co-Vorsitzender des Jugendrates und langjähriger Freund Stargardts, hatte an diesem Abend selbst eine kuriose Geschichte zu erzählen: Erst etwa 60 Minuten vor seinem Auftritt erfuhr er, dass er die Laudatio übernehmen sollte.

Brandes hielt die Rede dennoch mit Überzeugung. Die beiden kennen sich seit der Kindheit und arbeiten in dieser Wahlperiode gemeinsam als Vorsitzende des Jugendrates. Die Buchholzerinnen und Buchholzer würden sie manchmal sogar für Zwillinge halten, so Brandes. 

+++ Melde dich jetzt für unseren WhatsApp-Newsticker an und erhalte die wichtigsten Nachrichten direkt auf dein Handy! – Hier klicken und abonnieren +++

Was Stargardt auszeichne, sei seine Fähigkeit, auf sehr unterschiedlichen Ebenen präsent zu sein: „Er kann auf der einen Seite auf Augenhöhe mit dem Bürgermeister verhandeln und sich auf der anderen Seite am Sonntagvormittag auf den Boden setzen und mit den Kindern in der Kirche spielen”, sagt Brandes.

In seiner Dankesrede richtete Stargardt den Blick auf viele Menschen: den Bürgermeister, Nikita (der ihn vorgeschlagen hatte), Brandes, seine Tutorin in der Schule sowie seine Eltern und Freunde. Besonders persönlich wurde er am Ende: „Ohne Jesus Christus wäre ich heute wohl ein ganz anderer Mensch. Er hat mein Leben zum Guten gewendet und hat mir immer Kraft geschenkt”, sagt Stargardt.

Heike Riemann: Rund um die Uhr für Sterbende da

Heike Riemann und Karl-Ernst Wahlmann: „Ihr Fachwissen ist unersetzbar. Ihre Einsatzbereitschaft ist vorbildlich.”

Heike Riemann begleitet sterbende Menschen und ihre Familien in den letzten Wochen des Lebens, ehrenamtlich, seit mehr als 20 Jahren und erreichbar auch dann, wenn das Telefon nachts klingelt. Karl-Ernst Wahlmann übernahm die Laudatio und skizzierte die Arbeit des Ökumenischen Hospizdiensts Buchholz, dem Riemann seit 2004 angehört. Der ambulante Dienst existiert seit 1995 in der Stadt.

Riemann bringe einen außergewöhnlichen beruflichen Hintergrund mit: Seit 1984 arbeitet sie im Gesundheitswesen, als Krankenschwester, in der Intensivpflege und als Anästhesie-Schwester. 2004 schloss sie sich dem Hospizdienst an und absolvierte eine Ausbildung zur Palliativcare-Fachkraft. 

Auch alle Ehrenamtlich: Das Buchholzer Stadtorchester unter der Leitung von Jan Krüger. Foto: JOTO
Auch alle Ehrenamtlich: Das Buchholzer Stadtorchester unter der Leitung von Jan Krüger. Foto: JOTO

Ihre besondere Stärke liege in der Erstaufnahme neuer Begleitungsfälle: Sie prüfe, wer wirklich welche Unterstützung brauche, ob der Sterbende selbst oder die pflegenden Angehörigen und vermittele dann passende Begleiterinnen und Begleiter. „Ihr Fachwissen ist unersetzbar. Ihre Einsatzbereitschaft vorbildlich”, sagt Wahlmann.

Dabei ist Riemann eines besonders wichtig: Der Hospizdienst muss bekannter werden. Erst kürzlich hatte sie wieder erlebt, was passiert, wenn die Unterstützung nicht ankommt. Eine Familie hatte sich viel zu spät gemeldet, völlig unterversorgt, obwohl das Netzwerk in Buchholz gut aufgestellt sei. „Das ärgert mich ungemein, weil wir sind gut aufgestellt. Wir haben tolle Hospizunterstützung und dann kommt es bei den Menschen nicht an”, sagt Riemann. Ihr Appell an diesem Abend war deshalb klar: „Reden Sie über uns.”

Den Unterschied zwischen Haupt- und Ehrenamt beschreibt Riemann selbst klar: Im Krankenhaus müsse sie sich schützen, um nicht aufgerieben zu werden. „Aber im Ehrenamt bin ich vierundzwanzig Stunden greifbar. Und wenn sich jemand bei mir gemeldet hat, dann muss ich sofort da sein”, sagt sie. Den Anstoß für ihren Auftritt beim Festakt gaben Kolleginnen, die sie überzeugten: Das müsse sie für sie alle tun. Ihr abschließendes Fazit trifft die Stimmung des gesamten Abends: „Man bekommt unheimlich viel zurück in diesem Ehrenamt und das ist mit eines der dankbarsten Ehrenämter, die es gibt.”

Keiner ist allein unterwegs

Organisatorin Karin Aygün ließ vorab keinen Zweifel daran, wie schwierig die Auswahl war. „Es war ein heißes Rennen”, sagt sie. Fünfzehn Kandidaten standen in diesem Jahr zur Wahl, am Ende konnten nur vier geehrt werden. Wer vorgeschlagen werden will, braucht mindestens 15 Stunden Ehrenamt im Monat über mindestens zwei Jahre hinweg. Einen Geldpreis gibt es nicht: Die Ausgezeichneten erhalten eine Urkunde, eine vom Juwelier gefertigte vergoldete Nadel sowie Wein und einen Blumenstrauß. 

Finn Brandes, Timon Stargardt, Sigrid Hummel,  Christina Peters, Karin Aygün, Jan-Hendrik Röhse, Jan-Philipp Dechow,  Udo Bade, Heike Riemann, Karl-Ernst Wahlmann. Foto: JOTO
Finn Brandes, Timon Stargardt, Sigrid Hummel, Christina Peters, Karin Aygün, Jan-Hendrik Röhse, Jan-Philipp Dechow, Udo Bade, Heike Riemann, Karl-Ernst Wahlmann. Foto: JOTO

Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse ließ es sich trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen nicht nehmen, den Abend zu leiten. „Es war mir wichtig, heute hier dabei zu sein”, sagt Röhse. In seiner Rede betonte er, dass die Geehrten stellvertretend für alle Ehrenamtlichen der Stadt stünden. „Keiner ist allein unterwegs”, sagt er.

Für die musikalische Begleitung des Festakts sorgte das Stadtorchester Buchholz, das selbst ehrenamtlich tätig ist. Landtagsabgeordneter Jan Bauer nutzte sein Grußwort für einen besonderen Dank: „Ich möchte heute Abend Danke sagen an die, die ganz häufig vergessen werden. Das sind nämlich die Angehörigen”, sagt Bauer. Es seien die Partner, Eltern und Geschwister, die den Ehrenamtlichen den Rücken freihalten und die oft zu wenig Anerkennung bekämen. (JOTO)

Werbung

SHELL Anzeige - Klicken um die Webseite zu besuchen