Buchholz in der Nordheide. Der Klimabeirat der Stadt hat eine Empfehlung zur Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen an Politik und Verwaltung verabschiedet. Hintergrund ist der enorme Finanzierungsbedarf: Mindestens drei Millionen Euro pro Jahr sind notwendig, um die städtischen Klimaziele zu erreichen. Die Finanzierung von Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen stelle auf kommunaler Ebene eine der größten Hürden auf dem Weg zur Treibhausneutralität dar, heißt es in dem Schreiben des Beirats.
Die Zahlen basieren auf einer Analyse des Deutschen Instituts für Urbanistik im Auftrag der Kreditanstalt für Wiederaufbau aus dem Jahr 2023. Demnach investieren die Kommunen bundesweit bereits etwa 2,9 Milliarden Euro pro Jahr in Klimaschutz sowie eine Milliarde Euro jährlich für Klimaanpassungsmaßnahmen. Für die Erreichung der Klimaneutralität im Jahr 2045 sei allerdings eine Summe von 5,8 Milliarden Euro pro Jahr notwendig. Auf die Einwohnerzahl von Buchholz heruntergebrochen ergibt sich daraus der Finanzierungsbedarf von mindestens drei Millionen Euro jährlich.
Neue Ansätze zur Klimaschutzfinanzierung seien daher notwendig, betonen die Mitglieder des Klimabeirats. Welche Möglichkeiten es gibt, wurde durch zwei Impulsvorträge während der Sitzung im Mai deutlich.
Experten stellen innovative Finanzierungsmodelle vor
Jan Beitlich von der good response GmbH berichtete unter anderem von sogenannten Green Bonds und Sustainability-Linkes Bonds. Über diese Finanzierungsinstrumente seien in verschiedenen Kommunen bereits die energetische Gebäudesanierung oder der Erwerb von elektrischen Bussen finanziert worden. Einen anderen Ansatz wählten die Stadtwerke Winsen, wie der kaufmännische Leiter Roland Mayer verdeutlichte: Für die Umsetzung eines Solarparks mit einer Gesamtleistung von elf Megawatt Peak bildete die finanzielle Bürgerbeteiligung über eine digitale Plattform ein zentrales Element des Projekts.
In den Impulsvorträgen sei deutlich geworden, dass jenseits des kommunalen Haushalts vielfältige Möglichkeiten zur Finanzierung von Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen bestünden, heißt es in der Stellungnahme des Klimabeirats. Während sich Green Bonds und Sustainability-Linkes Bonds insbesondere für größere, kommunale Investitionsvorhaben eigneten, stelle die Schwarmfinanzierung wie in Winsen eine geeignete und relativ niedrigschwellige Form der finanziellen Beteiligung der Bevölkerung an Projekten für erneuerbare Energien dar.
Vier konkrete Empfehlungen an Verwaltung und Stadtrat
Auf dieser Grundlage gibt der Klimabeirat der Verwaltung und dem Stadtrat vier konkrete Empfehlungen. Erstens soll die Nutzung von Green Bonds und Sustainability-Linkes Bonds für die Finanzierung hochinvestiver Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen geprüft werden. Darüber hinaus sollen weitere Finanzierungsarten wie Contracting-Modelle geprüft werden. Zweitens sollte bei Vorhaben im Bereich der Energiewende durch die Stadtwerke Buchholz eine angemessene finanzielle Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht werden, beispielsweise in Form einer Schwarmfinanzierung.
Drittens soll die Verwaltung bei der Umsetzung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen und Windkraftanlagen durch andere Investoren darauf hinwirken, dass eine finanzielle Beteiligung der Bevölkerung ermöglicht wird. Viertens soll die Umsetzung von Solarparks und Windkraftanlagen auf städtischen Grundstücken vorrangig durch die Stadtwerke oder Bürgerenergiegenossenschaften erfolgen.
Investitionen rechnen sich langfristig
Der Klimabeirat sei sich der angespannten Haushaltslage der Stadt Buchholz bewusst, heißt es in der Empfehlung. Auch bezüglich der Stadtwerke wisse der Beirat um die großen Herausforderungen, die sich aus dem veränderten Marktumfeld und der Energiewende ergäben. Umso mehr gelte es, neue und innovative Finanzierungsformen zu prüfen und zu nutzen. Auch wenn die anfänglichen Investitionsvolumina häufig beachtlich seien, lohnten sich Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen durch spätere Kosteneinsparungen und Schadensvermeidung, so der Klimabeirat. Die vollständigen Empfehlungen finden sich unter https://klimaforum.buchholz.de/de/klimabeirat im Abschnitt Stellungnahmen und Empfehlungen des Klimabeirats. (dh)










