Buchholz in der Nordheide. Eine Fahne vor dem Schulgebäude ersetzt keine politische Bildung im Schulgebäude. Das stellt der Buchholzer Stadtelternrat klar, nachdem im Schulausschuss ein Antrag zur Dauerbeflaggung aller Buchholzer Schulen mit der Deutschlandflagge fraktionsübergreifend abgelehnt wurde. Statt auf Symbolik setzt das Gremium auf Inhalte und unterstützt die Forderung des Landesschülerrats Niedersachsen nach verbindlicher politischer Bildung ab der Grundschule.
Der Stadtelternrat schließt sich einem offenen Brief des Landesschülerrats ausdrücklich an. Demokratie müsse erlernt und erlebt werden, und zwar frühzeitig, altersgerecht und systematisch, betont das Gremium. Die Eltern erleben täglich, wie Kinder bereits im Grundschulalter Fragen zu Gerechtigkeit, Regeln, Mitbestimmung und gesellschaftlichen Ereignissen stellen. Die Forderung nach einem eigenen, kindgerechten Politikfach greife diese Lebensrealität auf. Klassenräte und Projektarbeit seien wertvoll, ersetzten aber keinen festen, verlässlichen Unterricht.
Dass der Politikunterricht in Niedersachsen häufig erst ab Klassenstufe sieben oder acht beginne, sei zu spät, kritisiert der Stadtelternrat. Zu diesem Zeitpunkt begegneten Schülerinnen und Schüler bereits seit Jahren zugespitzten Meinungen, Falschinformationen und gesellschaftlichen Spannungen auf Social Media, in Chats und in der Schule. Auch die Kultusministerkonferenz betone seit Jahren, dass Demokratiebildung Auftrag aller Schulen sei und angesichts gesellschaftlicher Polarisierung und autoritärer Tendenzen sogar an Bedeutung gewinne.
Vier Forderungen an die Landesregierung
Der Stadtelternrat richtet vier konkrete Forderungen an die Landespolitik. Erstens solle politische Bildung ab Klasse eins eingeführt werden, altersgerecht und mit Themen wie Gesprächskultur, Medien- und Quellenkompetenz sowie Kinderrechten. Materialien der Bundeszentrale für politische Bildung für die Primarstufe lägen in großer Vielfalt vor.
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Zweitens fordert das Gremium verbindlichen Politikunterricht ab Klasse fünf an allen Schulformen. Drittens sollen demokratische Strukturen an Schulen durch bestehende niedersächsische Programme gestärkt werden. Viertens müssten Lehrkräfte durch kurzfristige Fortbildungen und langfristige Qualifizierungskonzepte unterstützt werden.
Politische Bildung soll Kinder stärken
Kultusministerin Julia Willie Hamburg betone Fachkräftemangel und volle Stundenpläne. Diese Punkte nehme man ernst, erklärt der Stadtelternrat. Gerade deshalb brauche es jetzt einen mehrjährigen, realistischen Einführungsplan, statt das Thema erneut zu vertagen. Kinder könnten nicht warten, bis die Politik Zeit finde. Politische Bildung solle Kinder nicht belasten, sondern stärken und schaffe Orientierung in einer komplexer werdenden Welt.
Klare Ansage an Hannover
Der Stadtelternrat appelliert an Ministerpräsident Olaf Lies, Kultusministerin Julia Willie Hamburg und die Landtagsfraktionen, Niedersachsen und damit auch die Buchholzer Schulen zum Vorreiter für politische Bildung von Anfang an zu machen. (tj)











