
Buchholz in der Nordheide. Im Überlebensanzug an Land gehen, ständig begleitet von bewaffneten Eisbärwächtern, bei Temperaturen zwischen minus zwei und plus fünf Grad. Was nach Extremabenteuer klingt, war für Lisa Barchfeld vom Gymnasium Am Kattenberge Realität. Zwölf Tage lang erforschte die Erdkunde- und Geschichtslehrerin die Arktis auf 78 Grad nördlicher Breite. Eine Reise, die sie niemals vergessen wird.
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Die 28-Jährige war ausgewählt worden, mit dem Arbeitskreis Polarlehrer in der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung unter dem Dach des Alfred-Wegener-Instituts nach Spitzbergen zu reisen. Ziel der Fortbildung war es, Forschung und Schule enger miteinander zu verbinden. Auf dieser Grundlage sollen Unterrichtsmaterialien sowie Vorträge für den Schulalltag entstehen.
Insgesamt sieben Lehrkräfte aus ganz Deutschland und zwei Forschende von den Universitäten Flensburg und Innsbruck waren auf dem ehemaligen Rettungsschiff MS Ulla Rinman untergebracht. Ein echtes Klassenfahrtsgefühl kam auf, allerdings unter deutlich raueren Bedingungen. Wechselhaftes Wetter mit Sonne, Regen, Schnee und starkem Wind bestimmte die Tage. Dazu teils deutlicher Seegang. Bei Tageslicht rund um die Uhr.
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Die Landschaft Spitzbergens zeigte sich beeindruckend und zugleich verletzlich. Schneebedeckte Berge, riesige zurückweichende Gletscher und tauender Permafrostboden prägten das Bild. Am Gletscher Borebreen hörte das Team regelmäßig dumpfes Donnergrollen aus dem Inneren des Gletschers. Ein Zeichen für die ständige Bewegung des Eises.
Forschen in eisiger Kälte

Ein zentraler Bestandteil der Reise war das praktische wissenschaftliche Arbeiten. Im Überlebensanzug und mit gefütterten Gummistiefeln ging es an Land, immer begleitet von zwei bewaffneten Eisbärwächtern. Auch wenn sich während der gesamten Reise kein Eisbär zeigte. Die Beprobung von Permafrostböden mit einer Sonde stand auf dem Programm, ebenso die Analyse von Wasserproben aus dem Arktischen Ozean und die Kartierung von Stränden. Selbst in dieser abgelegenen Region war zahlreiches Mikro- und Makroplastik zu finden.
Neben den wissenschaftlichen Arbeiten bot die Tierwelt eindrucksvolle Begegnungen. Walrösser, Robben, Rentiere, Polarfüchse, Wale, Eiderenten und Papageientaucher beeindruckten das Forschungsteam.
Von der Reise ist Barchfeld total begeistert. „Es war ein unfassbar schönes Naturerlebnis mit dieser klaren Luft und in diesen weiten, offenen Landschaften”, sagt sie. Aber auch eine wirklich intensive Mischung aus wissenschaftlicher Arbeit, Naturerlebnis und persönlicher Herausforderung. „Mir ist dabei noch einmal bewusst geworden, wie sehr globale Umweltprobleme auch in einer solchen, scheinbar abgelegenen Region zu sehen sind”, sagt Barchfeld.
Ihr Ziel nach dieser Reise: „Meine Erfahrungen nun in den Unterricht einzubringen, um Themen wie Klimawandel, die besondere Sensibilität der arktischen Region sowie Permafrost- und Gletscherforschung unseren Schülerinnen und Schülern anschaulich und verständlich zu vermitteln”, sagt die GAK-Lehrerin.
Ein bisschen Zivilisation stand aber auch auf dem Programm. In Longyearbyen besuchte das Forschungsteam die arktische Universität UNIS. In Ny-Ålesund, der nördlichsten permanenten Siedlung der Welt, stand das deutsch-französische Forschungszentrum AWIPEV auf dem Plan.

Am Ende der Reise erfüllte sich Barchfeld noch einen ganz persönlichen Traum. Die Hobby-Läuferin nahm auf Spitzbergen an einem Halbmarathon teil. Auch dort begleitet von einem Eisbärwächter. (dh)
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