Buchholz in der Nordheide. Unter dem Titel „Wir fahren in Dunkelheit” lädt das Buchholzer Bündnis für Demokratie am Dienstag, 27. Januar, ab 19 Uhr zur Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus ein. Der Abend in der Aula des Gymnasiums Am Kattenberge, Sprötzer Weg 33, wirft einen Blick auf ein weitgehend vergessenes Kapitel der Stadtgeschichte.
Im Mittelpunkt steht die Rolle des Buchholzer Bahnhofs während der NS-Zeit und die Frage, wie die Stadt nach 1945 mit dieser Vergangenheit umging. Der 27. Januar ist seit 1996 in Buchholz ein fester Termin im Kalender der Erinnerungskultur. An diesem Tag befreite die Rote Armee 1945 das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Die Ausgestaltung des Gedenktages wechselt jährlich und liegt bei unterschiedlichen Vereinen, Organisationen oder Institutionen der Stadt.
Die diesjährige Veranstaltung des Bündnisses für Demokratie rückt die Geschichte des Buchholzer Bahnhofs ins Zentrum. Als bedeutender Eisenbahnknotenpunkt spielte Buchholz eine Rolle im System der nationalsozialistischen Deportationen. Züge mit tausenden Häftlingen in Viehwaggons fuhren durch den Ort und hielten teilweise dort, auch wenn ihr Ziel nicht Buchholz war.
Nach Grußworten des Bündnisses für Demokratie und von Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse folgt ein Vortrag von Elke Gryglewski. Sie ist Geschäftsführerin der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten und Leiterin der Gedenkstätte Bergen-Belsen. Zuvor leitete sie die Gedenkstätte im Haus der Wannseekonferenz in Berlin. Als Expertin für Erinnerungskultur spricht sie über den Umgang mit dem nationalsozialistischen Erbe und über die Bedeutung von Lern- und Erinnerungsorten in der heutigen Gesellschaft.
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Eine verdrängte Geschichte wird auf die Bühne gebracht
Ein zentraler Programmpunkt des Abends ist die szenische Darstellung „Julius Dorpmöller und die Erinnerung”. Das Stück wurde in Zusammenarbeit mit dem Gymnasium Am Kattenberge entwickelt. Es thematisiert am Beispiel der Ehrung des ehemaligen Reichsbahn-Chefs und nationalsozialistischen Verkehrsministers Julius Dorpmöller im Jahr 1962 den Umgang mit der Geschichte von Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung.
In Buchholz wurden damals eine Erschließungsstraße der ehemaligen Bundesbahnschule nach Dorpmöller benannt und ein Gedenkstein errichtet. Die Ehrung überdeckte die historische Verantwortung des Ortes lange Zeit. Erst 1986 wurde die Straße umbenannt nach dem von den Nationalsozialisten ermordeten Kriegsdienstverweigerer Hermann Stöhr. Anlass war der Einzug der Zivildienstschule in die Räumlichkeiten der Bundesbahn. Heute ist dieses Kapitel der Stadtgeschichte weitgehend in Vergessenheit geraten. Die Gedenkveranstaltung will dieser Verdrängung entgegenwirken. Musikalisch begleitet wird der Abend vom Hamburger Duo Eksprompt. (dh)











