
Buchholz in der Nordheide/Winsen (Luhe). Bei einer Lungenembolie zählt jede Minute. Seit Anfang 2025 bietet das Krankenhaus Buchholz ein hochspezialisiertes Verfahren an, um Blutgerinnsel direkt aus der Lunge zu entfernen. Seit diesem Jahr steht die mechanische Thrombektomie auch in Winsen zur Verfügung. Das innovative Verfahren ermöglicht eine schnelle und schonende Behandlung ohne lange Belastung für Patienten.
Bei einer Lungenembolie verstopfen Blutgerinnsel die Gefäße der Lunge. Das Herz wird dadurch stark belastet, im schlimmsten Fall droht ein Kreislaufversagen. Bislang behandelten Ärzte solche Notfälle hauptsächlich mit gerinnungshemmenden Medikamenten oder einer sogenannten Lysetherapie, die das Gerinnsel chemisch auflöst.
Doch beide Verfahren haben Nachteile. Die Lysetherapie birgt bei manchen Patienten Risiken und kommt deshalb nicht immer infrage. Medikamentöse Behandlungen erfordern zudem manchmal eine lange Liegezeit, die nicht in jedem Fall umsetzbar ist. In der Vergangenheit mussten Patienten deshalb oft in entfernte Zentren verlegt werden.
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Katheter entfernt Gerinnsel über die Leiste
Bei der mechanischen Thrombektomie führen Spezialisten einen Katheter über eine Vene in der Leiste ein. Damit können sie das Gerinnsel direkt in der Lungenarterie entfernen. Das Gefäß ist umgehend wieder frei, das Herz wird entlastet und das Blut kann wieder ungehindert fließen.
„Mit dieser Methode können wir bei bestimmten Patienten nach entsprechender Risikobeurteilung im Lungenembolie-Team das Gerinnsel gezielt und rasch entfernen, ohne das Herz-Kreislauf-System unnötig zu belasten oder hohe Blutungsrisiken durch Medikamente einzugehen”, sagt Dr. Friederike Niehaus, Oberärztin der Kardiologie. Sie hatte vor ihrem Antritt im Krankenhaus Buchholz bereits Erfahrung mit diesem Verfahren gesammelt und initiierte vergangenes Jahr dessen Einführung in den Krankenhäusern des Landkreises.
Knapp 20 Patienten erfolgreich behandelt
Die ersten Behandlungen zeigen den Bedarf der neuen Methode. Knapp 20 Patienten konnten seither bereits erfolgreich behandelt werden, darunter viele Fälle mit beidseitiger Lungenarterienembolie. „Selbst in akuten Notfallsituationen mit zusätzlicher Notwendigkeit einer externen Herz-Lungen-Unterstützung kam das Verfahren schon zum Einsatz”, sagt Dr. Daniel Hausmann, Leitender Oberarzt der Kardiologie.
Dass die hochspezialisierte Behandlung inzwischen direkt im Landkreis möglich ist, bedeutet für Betroffene einen wertvollen Zeitgewinn. Eine Verlegung in entfernte Zentren oder Universitätskliniken ist in vielen Fällen nicht mehr nötig.
„Die Einführung dieses innovativen Verfahrens ist ein wichtiger Meilenstein für unsere Kardiologie und ein echter Mehrwert für die Menschen in der Region”, sagt Dr. Klaus Hertting, Chefarzt der Kardiologie und Angiologie an den Krankenhäusern Buchholz und Winsen. Mit der schonenden Eingriffsmethode schließe man eine Lücke in der Versorgung schwerer Lungenembolien und biete modernste Notfallmedizin auf höchstem Niveau direkt vor Ort. (dh)









