Buchholz in der Nordheide/Landkreis Harburg. Kehrtwende in der Altkleider-Krise: Der Landkreis Harburg stellt jetzt doch eigene Sammelcontainer auf seinen Entsorgungsanlagen auf. Das kündigt Erster Kreisrat Josef Nießen an. Noch vor knapp zwei Wochen hatte der Landkreis erklärt, keinen Ersatz für die privaten Anbieter zu planen.
Die Lage hatte sich dramatisch zugespitzt. In Buchholz drohen zum Jahresende alle 32 Altkleidercontainer zu verschwinden – buchholz-aktuell.de berichtete. Die Stadt hatte angekündigt, dass ab 2026 wohl kein einziger Container mehr stehen würde. Der Landkreis verwies damals auf Kleiderkammern und das Kaufhaus mit Herz als Alternative für gut erhaltene Kleidung.
Nun die Wende: Sechs Container sollen auf den drei kreiseigenen Anlagen in Nenndorf, Hanstedt und Tostedt-Todtglüsingen aufgestellt werden. Die Behälter sind bereits bestellt. Bis Ende Januar 2026 sollen sie einsatzbereit sein, teilt der Landkreis Harburg mit.
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„Wir stellen eigene Sammelcontainer auf unseren Entsorgungsanlagen auf”, sagt Nießen. Gut erhaltene Kleidung solle nicht im Restmüll landen. Die Situation habe sich verändert, daher müsse sich der Landkreis konzeptionell neu aufstellen. Eine Ausweitung auf weitere Entsorgungsanlagen wird geprüft. „Das Ziel ist, dass verwertbare Kleidung wiederverwendet werden kann”, sagt Nießen.
Das Kaufhaus mit Herz hatte sich in der vergangenen Woche beschwert. „Wenn wir hier als Entsorgungsbetrieb der Kleidung für den Landkreis Harburg tätig sein sollen, müssten wir die Entsorgung auch dementsprechend bezahlt bekommen”, hatte Carsten Gympel vom Kaufhaus mit Herz im Gespräch mit buchholz-aktuell.de erklärt. Das nötige Personal fehle ohnehin.
Gescheiterter Versuch bisher nicht bekannt
Dabei hatte der Landkreis bereits im vergangenen Jahr einen Anbieter beauftragt, auf den Entsorgungsanlagen Altkleidercontainer aufzustellen. Auf Anfrage vor zwei Wochen erwähnte der Landkreis diesen Versuch nicht. Stattdessen hieß es kategorisch, es gebe keinen Ersatz für die privaten Anbieter.
Nun räumt Michael Kröger, Leiter der Abfallwirtschaft, ein: Die beauftragte Firma habe sich als unzuverlässig erwiesen und keine regelmäßige Abholung sicherstellen können. Der Vertrag sei aufgelöst worden, die Container abgezogen. Man habe daraufhin intensiv an einer tragfähigen Nachfolgelösung gearbeitet.
Fast Fashion sorgt für Probleme
An den drei Entsorgungsanlagen können künftig zu den regulären Öffnungszeiten verwertbare Textilien kostenlos abgegeben werden. Gleichzeitig führt der Landkreis Gespräche mit gemeinnützigen Institutionen und Kommunen. Anfang 2026 soll ein Runder Tisch stattfinden.
Der Altkleidermarkt ist bundesweit übersättigt, vor allem durch Fast Fashion und minderwertige Billigware. Früher konnten 94 Prozent der Kleider verwertet werden, heute müssen 30 Prozent entsorgt werden.
Die sechs neuen Container wirken angesichts der Dimension bescheiden. Im gesamten Landkreis stehen noch rund 175 Altkleidercontainer von gemeinnützigen und gewerblichen Sammlern.
In Buchholz allein sind 25 von 32 Containern bereits jetzt verschwunden, die restlichen sieben sollen bis Jahresende abgebaut werden. (JOTO)














