Altkleider-Container-Chef sauer: Wegen 400 Euro verliert Buchholz seine Container

Acht Sammelbehälter wurden aus dem Stadtbild entfernt. Symbolfoto: JOTO
Loop-Chef Gjikolli betont, seine Standorte seien sauber. Foto: JOTO
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Buchholz in der Nordheide. Während überall in Buchholz Altkleidercontainer verschwinden, will Nexhip Gjikolli genau das Gegenteil: expandieren. Der Geschäftsführer der Firma Loop/Textil-Recycling Nord GmbH würde neben seinen acht bestehenden Containern gerne weitere Standorte in der Nordheidestadt übernehmen.

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Doch statt Unterstützung bekam er diese Woche einen „gelben Brief” von der Stadt. Eine förmliche Zustellung. Darin fordert die Verwaltung, dass Loop seine acht Standorte ab sofort zweimal wöchentlich leert. Frist: Ende November. Andernfalls werde die Sondernutzungserlaubnis widerrufen, heißt es in dem Schreiben. 

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Gjikolli widerspricht der Darstellung. „Wir holen seit diesem Jahr schon freiwillig zweimal in der Woche die Kleidung ab”, sagt er im Gespräch mit buchholz-aktuell.de. Seine Firma sei transparent, EU-zertifiziert und halte die Standorte sauber. „Unsere Plätze sind sauber”, betont der Geschäftsführer mehrfach. Er fühle sich zu Unrecht unter Druck gesetzt. Die Probleme würden bei anderen auftreten.

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„Wenn zu viel Müll um die Container liegt oder die Container nicht geleert wurden, dann leiten wir das an die Betreiber weiter”, sagt Anna Meuche, Pressesprecherin der Stadt allgemein. Laut Nebenbestimmungen seien die Betreiber verpflichtet, in einem Umkreis von drei Metern um die Altkleidercontainer Müll zu entsorgen. Drumherum ist die Stadt oder der Landkreis zuständig, je nachdem, ob ein Glascontainer in der Nähe steht.

Solche Bilder will die Stadt nicht mehr sehen: Vermüllte Containerstandorte in Buchholz. Loop betont, die eigenen Plätze seien sauber. Foto JOTO
Solche Bilder will die Stadt nicht mehr sehen: Vermüllte Containerstandorte in Buchholz. Der Standort wird nicht von Loop betrieben. Das Unternehmen betont die eigenen Plätze seien sauber. Foto JOTO

Der Konflikt kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn die Altkleidersammlung in Buchholz steht ohnehin vor dem Aus. 17 Container von zwei Anbietern sind bereits verschwunden. „Es ist unklar, ob die beiden verbleibenden Firmen ihre 15 Altkleidercontainer abbauen”, sagt Meuche.

Neben Loop gibt es aktuell noch einen anderen Anbieter. An dessen Sammelplätzen soll es aber immer wieder zu Verschmutzungen gekommen sein, wie auch aktuelle Fotos belegen. Im schlimmsten Fall würden keine Standorte zur Altkleiderentsorgung in der 41.000 Einwohner Stadt bleiben.

Streit um 400 Euro pro Container

Im Kern geht es auch um Geld. Seit April 2021 erhebt die Stadt für jeden Altkleidercontainer eine Sondernutzungsgebühr von 200 Euro pro Quadratmeter und Jahr. Ein Container mit zwei Quadratmetern Grundfläche kostet damit 400 Euro jährlich. Für Loop mit seinen acht Standorten macht das 3.200 Euro. Vorher war die Nutzung kostenlos.

„Die Sondernutzungsgebühr muss uns erlassen werden”, fordert Gjikolli. „Wir brauchen ein Entgegenkommen von der Stadt.” In Flensburg beispielsweise erhalte seine Firma sogar Geld für die Aufstellung von Containern. 47 Euro pro Standort. „Viele andere Städte und Gemeinden erlassen uns die Kosten”, sagt er.

Müllberge neben Altkleidercontainern führten bereits zum Abbau von 20 Behältern in Buchholz. Foto: JOTO

Die Stadt lehnt das ab. „Eine kostenlose Sondernutzung der Flächen wurde von der Stadt abgelehnt. Alle vier Betreiber hatten danach gefragt”, sagt Meuche. Die Gebührensatzung gelte für alle gleichermaßen.

Hintergrund für die aktuellen Probleme ist eine branchenweite Krise. „Der Markt für Altkleider ist zusammengebrochen, das ist uns bekannt”, sagt Andres Wulfes vom Landkreis Harburg. „Immer mehr Anbieter ziehen sich aus dem Landkreis zurück.” Die Gründe sind vielfältig: „Fast Fashion” macht Kleidung billiger und qualitativ schlechter. „Bis vor wenigen Jahren konnten wir noch 94 Prozent der abgegebenen Kleider verwerten, jetzt müssen 30 Prozent entsorgt werden”, erklärt Gjikolli.

Dazu kommen Menschen, die alles mögliche in den Containern entsorgen. „Die Leute schmeißen sogar Essen in die Container”, sagt der Geschäftsführer. Das mache die Entsorgung noch teurer. Für Unternehmen sei es inzwischen günstiger, neue Kleidung aus China zu kaufen, als mit dem gesammelten recyceltem Material zu arbeiten. Ein europaweites Problem. Die internationale Nachfrage nach Altkleidern ist zudem durch den Wegfall einiger Abnahmeländer gesunken. Das verringert die Einnahmen für die Sammler, außerdem steigen die allgemeinen Kosten.

Loop will Lücke füllen

Trotz aller Schwierigkeiten will Gjikolli in Buchholz bleiben und sogar wachsen. „Wo andere abspringen, wollen wir die Lücke füllen”, sagt er. Seine Firma verarbeite knapp 1.200 Tonnen Altkleider im Monat und habe noch 50 Prozent Kapazität frei. In ganz Norddeutschland stehen 3.600 Container von Loop. „Wir bieten an, andere Standorte in Buchholz zu übernehmen.”

Seit Anfang 2025 ist der Landkreis Harburg als Entsorgungsträger für die Sammlung von Textilien zuständig. Eigene Container plant er jedoch nicht. „Es sind keine Altkleiderstandorte auf den Wertstoffhöfen des Landkreises vorhanden oder geplant”, sagt Wulfes. Das unterscheidet den Landkreis Harburg vom benachbarten Landkreis Stade, der nach dem Rückzug privater Anbieter eigene Container auf Wertstoffhöfen aufgestellt hat.

Bürger können ihre Altkleider alternativ beim Kaufhaus mit Herz oder in Kleiderkammern abgeben, sagt Wulfes. Kaputte Kleidung gehöre in den Restmüll. 

Ab 2028 werden Hersteller in der EU durch die erweiterte Herstellerverantwortung verpflichtet, die Kosten für Sammlung und Recycling ihrer Textilien zu finanzieren. Bis dahin befinde sich die Branche in einer Findungsphase, sagt Gjikolli. Viele Unternehmen seien bereits untergegangen.

Der Geschäftsführer stellt nun seinerseits ein Ultimatum. „Ich verstehe, dass die Haushaltsmittel knapp sind”, sagt er. „Aber wenn es kein Entgegenkommen gibt und die Sondernutzungsgebühr nicht erlassen wird, gehen wir dorthin, wo man uns schätzt.” Was dann mit der Altkleiderentsorgung in Buchholz passiert, ist offen. (JOTO)

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