97 Verletzte im Szenario: Einsatzkräfte trainieren Katastrophenfall

Die Technische Einsatzleitung des Landkreises Harburg übte in Hittfeld gemeinsam mit Kreisverwaltung und Bundeswehr den Ernstfall. Foto: Landkreis Harburg
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Buchholz in der Nordheide/Seevetal. Mehrere Zelte brennen lichterloh, Rauch dringt in ein Möbelhaus ein, 97 Verletzte müssen versorgt werden. Was wie ein Albtraum klingt, war zum Glück nur ein Szenario. Die Technische Einsatzleitung des Landkreises Harburg hat in der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Hittfeld gemeinsam mit der Kreisverwaltung und dem Kreisverbindungskommando der Bundeswehr eine groß angelegte Katastrophenschutzübung durchgeführt.

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„Die Sicherheit der Menschen im Landkreis Harburg hat für uns oberste Priorität”, sagt Landrat Rainer Rempe. Im Ernstfall sorgten die vielfach ehrenamtlichen Einsatzkräfte mit hoher Professionalität und großem persönlichen Einsatz für Schutz und Hilfe in außergewöhnlichen Lagen. Eine Übung dieser Größenordnung mache jedoch deutlich, wie komplex moderne Schadenslagen sein können. Umso wichtiger sei es, dass Zuständigkeiten, Abläufe und Kommunikation regelmäßig geprobt werden, damit im Ernstfall jeder Handgriff sitze. 

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Im Mittelpunkt der Übung stand die Bewältigung eines sogenannten MANV 50 plus, also ein Massenanfall von Verletzten mit mehr als 50 betroffenen Personen. Grundlage war ein fiktives, aber realistisches Szenario in Zusammenhang mit der vor wenigen Wochen in Norddeutschland durchgeführten NATO-Übung Steadfast Dart 26. Die Annahme: In Buchholz war bei Möbel-Kraft ein Convoy Support Center eingerichtet worden, eine Logistikdrehscheibe zur täglichen Betankung, Versorgung und Unterbringung von bis zu 300 Fahrzeugen und rund 600 Angehörigen europäischer NATO-Streitkräfte.

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Rauch dringt ins Möbelhaus ein

Im fiktiven Szenario kam es an einem Samstag um die Mittagszeit zu einer heftigen Verpuffung in einem Küchenzelt mit angrenzendem Verpflegungsbereich, in dem sich rund 120 Personen aufhielten. Mehrere Zelte auf dem Logistikgelände brannten. Rauch und Funken drangen ins Innere des angrenzenden Möbel-Kraft-Komplexes ein, der ebenso wie weitere umliegende Gebäude dringend evakuiert werden musste.

Neben Brandverletzten musste von zahlreichen Personen mit Atemwegsbeschwerden und Schocksymptomen ausgegangen werden. Eine erste Sichtung ergab 18 schwer, 37 mittelschwer und 42 leichtverletzte Personen. Die zur Verfügung stehenden Rettungskräfte reichten nicht aus. Überörtliche Einsatzkräfte waren genauso nötig wie eine übergeordnete Koordination des Einsatzes.

Landrat Rempe rief darum um 12.45 Uhr den Katastrophenfall für den Landkreis Harburg aus. Die Technische Einsatzleitung und der Katastrophenschutzstab der Kreisverwaltung übernahmen die Lageführung, um die Versorgung und den Abtransport der Verletzten, die Räumung und Sicherung des Geländes in Abstimmung mit der Bundeswehr sowie das Löschen der Brandherde zu steuern.

Begonnen hatte der intensive Übungstag mit fachlichem Input, etwa zum Umgang der Katastrophenschutzkräfte mit militärischen Sicherheitsbereichen in einem Convoy Support Center sowie zum Trinkwasser-Notversorgungskonzept des Landes Niedersachsen. Eine große Rolle spielte auch die vertiefende Beschäftigung mit dem bewährten MANV-Konzept des Landkreises Harburg.

Am Nachmittag arbeiteten die Mitglieder der Technischen Einsatzleitung das Szenario in mehreren Stunden intensiver Stabsarbeit unter realitätsnahen Bedingungen einsatztaktisch ab. Die Übungsleitung brachte die Einsatzleitung mit immer neuen gezielten Lageentwicklungen ins Schwitzen. Dabei galt es insbesondere, lokale und überregionale Einheiten mit den benötigten Fähigkeiten gezielt anzufordern und zu koordinieren. 

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Kommunikation, Information, Zuständigkeiten und Schnittstellen zur Bundeswehr sowie in der Zusammenarbeit mit dem Katastrophenschutzstab. Am Ende zogen Technische Einsatzleitung, Kreisverbindungskommando und Kreisverwaltung ein zufriedenes Fazit. Es sei ein herausfordernder Tag mit einem bisher nicht bekannten Szenario gewesen, der deshalb zahlreiche wertvolle Erkenntnisse für die Optimierung der gemeinsamen Stabsarbeit gebracht habe. (dh)

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