1260 Wohnungen auf Rütgersfläche geplant, doch ohne Ostring wird das schwierig

Das ehemalige Rütgersgelände im Süden von Buchholz liegt seit der Werksschließung 1986 brach. Nun liegt ein Rahmenplan für rund 1.260 Wohnungen vor. Foto: JOTO
Das ehemalige Rütgersgelände im Süden von Buchholz liegt seit der Werksschließung 1986 brach. Nun liegt ein Rahmenplan für rund 1.260 Wohnungen vor. Foto: JOTO

Werbung

Werbung

Kreisvolkshochschule - Hier geht es zur Webseite

Buchholz in der Nordheide. Seit 40 Jahren ist das ehemalige Rütgersgelände südlich des Bahnhofs eine vergiftete Lücke mitten in der Stadt. Jetzt liegen konkrete Zukunftspläne auf dem Tisch: Auf rund 15,2 Hektar soll das neue Stadtquartier Lerchenpark entstehen, mit rund 1.260 Wohnungen, zwei Kitas, einem Park und einer Sporthalle. 

Politische Werbung

Hier geht es zur Webseite

Politische Werbung

Michael Riedel Anzeige - Klicken um die Webseite zu besuchen

Doch bevor die ersten Bewohner einziehen können, müssen Planer, Stadtrat und Verwaltung noch viele Hürden nehmen. Benötigt wird laut Stadt für das gesamte Projekt eine östliche Umfahrung, den sogenannten Ostring. Damit ist schon jetzt Streit vorprogrammiert. 

Werbung

Das Gelände liegt unmittelbar südlich des Buchholzer Bahnhofs und teilt sich in zwei Flächen auf: einen nördlichen Bereich von etwa 11,2 Hektar und einen südlichen von rund 4 Hektar, getrennt durch die Straße Heidekamp. Den jetzt vorgestellten Entwurf hat das Architekturbüro Jens Heitmann zusammen mit Mera Landschaftsarchitektur und den Claussen-Seggelke-Stadtplanern erarbeitet. Vorhabenträgerin ist die Lerchenpark GmbH, der die Flächen gehören.

Der Plan sieht drei eigenständige Quartiere vor. Das Bahnhofsquartier im Norden bekommt einen urbanen Charakter mit blockartigen Gebäuden und begrünten Innenhöfen. Weil die Schienen unmittelbar angrenzen, ist im nördlichen Bereich ein Schallschutzriegel durch mehrgeschossige Mehrfamilienhäuser vorgesehen.

Dieser Entwurf zeigt den Übergang zwischen derm nördlichen Plangebiet und dem südlichen Plangebiet an der Kreuzung Heidekamp und Lohbergenstraße. Grafik: WHM Lerchenpark Buchholz GmbH
Dieser Entwurf zeigt den Übergang zwischen dem nördlichen Plangebiet und dem südlichen Plangebiet an der Kreuzung Heidekamp und Lohbergenstraße. Grafik: WHM Lerchenpark Buchholz GmbH

Im Zentrum entsteht das Quartier am Park mit aufgelockerter Bebauung und einem zentralen Platz als Treffpunkt. Das Südquartier soll mit Reihenhäusern und Spielstraßen einen dörflichen Charakter bekommen. Umgesetzt werden soll das alles in drei Abschnitten.

Was auf dem Gelände entstehen soll

Das Wohnungsangebot soll breit gemischt sein: Geförderter Wohnungsbau, freier Mietwohnungsbau und Eigentumswohnungen sollen ungefähr je einem Drittel entsprechen. Altersgerechtes Wohnen ist in Bahnhofsnähe vorgesehen, damit die Wege zur Innenstadt kurz bleiben. 

+++ Melde dich jetzt für unseren WhatsApp-Newsticker an und erhalte die wichtigsten Nachrichten direkt auf dein Handy! – Hier klicken und abonnieren +++

Das Bahnhofsquartier und das Quartier am Park werden als autofreie Bereiche geplant. Stellplätze sind in Tiefgaragen geplant, die von den Randstraßen wie der Rütgersstraße aus erschlossen werden sollen. „Durchgangsverkehr im Quartier soll so vermieden werden”, sagt Jens-Gerd Heitmann, Geschäftsführer der Lerchenpark GmbH

Dieser Entwurf zeigt Gebäude entlang der Rütgerstraße und Durchgang zum Quartier. Links das bereits bestehende Parkhaus Süd am Bahnhof. Grafik: WHM Lerchenpark Buchholz GmbH
Dieser Entwurf zeigt Gebäude entlang der Rütgerstraße und Durchgang zum Quartier. Links das bereits bestehende Parkhaus Süd am Bahnhof. Grafik: WHM Lerchenpark Buchholz GmbH

Ein durchgehender Grünzug mit Fahrradschnellweg verbindet alle drei Quartiere von Nord nach Süd und soll den Landschaftsraum der Lohberge im Süden mit der Innenstadt verknüpfen. Bestehende Brücken sollen dafür für den Radverkehr ausgebaut werden. Die Stadt betont, dass das Freiraumkonzept das Rückgrat der gesamten Entwicklung bildet.

Altes Imprägnierwerk verseuchte den Boden

Bevor gebaut werden kann, muss das Gelände aufwendig saniert werden. Das ehemalige Imprägnierwerk der Firma Rütgers schloss 1986. Seitdem ist das Gelände kontaminiert, denn dort wurden Bahnschwellen und Telegraphenmasten unter anderem mit Steinkohlenteeröl imprägniert.

Noch gilt: Betreten verboten. Denn der Boden ist gefährlich für den Menschen. Foto: JOTO
Noch gilt: Betreten verboten. Denn der Boden ist gefährlich für den Menschen. Foto: JOTO

Im Boden wurden polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK, festgestellt. Im westlichen Teil der Nordfläche reicht die Belastung bis in elf Meter Tiefe. Für Menschen ist der Kontakt mit dem verseuchten Boden gefährlich. Das Betreten des Geländes ist derzeit verboten.

„Wir müssen für aktuell 29 Millionen Euro den Boden sauber machen”, sagt Mike Hemmerich, ebenfalls Geschäftsführer der Lerchenpark GmbH. Frühere Entwicklungsversuche scheiterten unter anderem an diesen hohen Kosten. Jetzt gibt es möglicherweise aktuelle Fördermittel für die Altlastensanierung.

Der Rahmenplan für das Quartier Lerchenpark. Noch ist nichts fest geplant. Grafik: WHM Lerchenpark Buchholz GmbH
Der Rahmenplan für das Quartier Lerchenpark. Noch ist nichts fest geplant. Grafik: WHM Lerchenpark Buchholz GmbH

Ein Sanierungsplan für die Südfläche liegt bereits seit September 2023 vor. Der Plan für die Nordfläche befindet sich derzeit in Aufstellung und soll im Mai oder Juni beschlossen werden. Noch in diesem Jahr soll mit der Sanierung begonnen werden, so die Projektleiter. 

Heitmann und Hemmerich haben die gesamten Pläne in den vergangenen Jahren gemeinsam mit der Stadtverwaltung verfeinert. „Wir bringen die Fläche wieder in Ordnung und sanieren sie”, verspricht Heitmann.

Erst der Rahmenplan, dann ein langer Weg

Was am Mittwoch im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt, Klimaschutz und Mobilität vorgestellt wurde, ist zunächst kein verbindliches Planungsrecht. Stadtbaurat Manuel Reichel betont, dass es sich beim Rahmenplan um ein städtebauliches Konzept handelt, nicht um einen rechtlich bindenden Plan. 

„Aber über diese Innenstadtfläche für eine Planung würde sich jede Stadt freuen”, sagt Reichel. Es sei jetzt das Ziel, einen Leitplan für die nächsten zehn bis 15 Jahre zu definieren. Der nächste Schritt nach dem Rahmenplan wäre ein vorhabenbezogener Bebauungsplan. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Dass die Entwicklung Jahrzehnte dauern wird, zeigt ein Blick auf den Zeitplan. Der erste Bauabschnitt mit rund 640 Wohnungen und dem namensgebenden Lerchenpark soll den Anfang machen. Der südlichste Teil des Geländes, für den eine Sporthalle vorgesehen ist, wird nach aktuellem Planungsstand frühestens zwischen 2038 und 2045 an der Reihe sein.

Der Knackpunkt: Verkehr und die fehlende Ostumfahrung

Die Stadt Buchholz begrüßt das Projekt grundsätzlich, weist jedoch auf ernste Einschränkungen hin. Eine verkehrstechnische Untersuchung des Hamburger Büros ARGUS aus November 2025 kommt zu einem klaren Befund: Der erste Bauabschnitt mit rund 640 Wohnungen ist zwar umsetzbar, aber nur unter Abstrichen.

An mehreren Kreuzungen sinke der Verkehrsfluss. Die Verwaltung spricht von einer Herabstufung des Verkehrsflusses an maßgeblichen Knotenpunkten. 

Dieser Entwurf zeigt den westlichen Übergang zwischen der Straße An der Schwellenfabrik und der Neubebauung im Quartier am Park. Grafik: WHM Lerchenpark Buchholz GmbH
Dieser Entwurf zeigt den westlichen Übergang zwischen der Straße An der Schwellenfabrik und der Neubebauung im Quartier am Park. Grafik: WHM Lerchenpark Buchholz GmbH

Die Gutachter haben elf Knotenpunkte untersucht. Für den ersten Bauabschnitt inklusive weiterer Neubaugebiete rechnen sie mit rund 1.600 zusätzlichen Kraftfahrzeugfahrten pro Tag, in der Spitzenstunde sind es etwa 150 Fahrten in alle Richtungen. 

Das bedeutet konkret: Pro Ampelphase kämen an den betroffenen Knotenpunkten zwei bis drei Fahrzeuge je Richtung hinzu. Durch eine Optimierung der Ampelschaltungen sehen die Gutachter ein Verbesserungspotenzial von rund zehn Prozent, was die Abwicklung des Verkehrs im ersten Bauabschnitt sicherstellbar macht.

Ohne Ostumfahrung keine komplette Bebauung

Noch deutlicher ist das Ergebnis für die Abschnitte zwei und drei: Ohne eine östliche Umfahrung von Buchholz sind diese nach Einschätzung der Verwaltung schlicht nicht realisierbar. Besonders der Knotenpunkt Bendestorfer Straße und Hamburger Straße gerät auch laut Gutachten schon ab dem zweiten Bauabschnitt an seine Grenzen. 

Hier an der Feuerwehr und dem Sportzentrum könnte die Ostumfahrung entlang führen. Foto: JOTO

Im gesamten Ausbauzustand wäre er überlastet. Auch der Knotenpunkt Soltauer Straße und Lüneburger Straße ist ab den zweiten Abschnitten betroffen.

Stadtbaurat Reichel: „Wir brauchen eine Ostumfahrung”

Stadtbaurat Reichel macht keinen Hehl daraus, wie er die Lage bewertet: „Wir brauchen eine Ostumfahrung, wir brauchen das für eine Zukunft von Buchholz.” Um diese Umfahrung gibt es seit Jahrzehnten Streit. Fast fertige Pläne liegen seit Jahren vor, werden wegen Protesten aber nicht umgesetzt. 

Das Gutachten geht davon aus, dass eine Ostumfahrung den Verkehr an den betroffenen Kreuzungen entlasten und damit die nötige Kapazität schaffen könnte. Architekt Heitmann blickt dennoch zuversichtlich nach vorne: „Wir hoffen, dass die Umgehungsstraße in 15 Jahren fertig ist. Dann kann der zweite Bauabschnitt folgen.”

Die Buchholzer Verwaltung fordert außerdem, dass die Lerchenpark GmbH noch ein detailliertes Mobilitätskonzept vorlegt. Auch die genauen Straßenquerschnitte für Heidekamp, Suerhoper Straße, Rütgersstraße und Lohbergenstraße müssen im Zuge der anschließenden Bauleitplanung noch festgelegt werden.

Fragen können am 6. Mai gestellt werden

Bei einer weiteren Sitzung am Mittwoch, 6. Mai, sollen offene Fragen beantwortet und eine Beschlussempfehlung an den Verwaltungsausschuss und den Stadtrat vorbereitet werden. Auch Buchholzer können dort Fragen stellen. Letztlich muss der Rat der Stadt Buchholz den Rahmenplan beschließen, damit dieser als Grundlage für die verbindliche Bauleitplanung dienen kann.

Wann der Bau startet, ist noch offen. Aber so nah daran, diese große Lücke in Buchholz zu schließen, waren die Beteiligten lange nicht. (JOTO)

Werbung

SHELL Anzeige - Klicken um die Webseite zu besuchen