100 Jahre Heideruh: Warum CDU-Bürgermeister Röhse bei Antifa-Fest warnt

Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU) sprach beim Sommerfest zum 100-jährigen Jubiläum der Antifaschistischen Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh in Buchholz. Foto: JOTO
Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU) sprach beim Sommerfest zum 100-jährigen Jubiläum der Antifaschistischen Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh in Buchholz. Foto: JOTO

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Buchholz in der Nordheide. Mehrere hundert Menschen haben sich zwischen den Bäumen versammelt, Musik klingt durch den Wald und mittendrin steht ein Mann, der hier noch nie zuvor gewesen ist: Jan-Hendrik Röhse (CDU), Bürgermeister von Buchholz. 

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Anlass ist das 100. Jubiläum der Antifaschistischen Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh. Sie liegt ein bisschen versteckt im Wald zwischen den Ortschaften Suerhop und Seppensen, südlich von Buchholz. 

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Röhse wählt bei seiner Rede klare Worte. Er warnt nicht nur vor dem Nationalsozialismus als historischem Phänomen, sondern vor dem wachsenden rechten Rand von heute. „Das sind nicht die netten Leute, die man am Stand sieht und bei denen man denkt: Na ja, eigentlich ganz vernünftig”, sagt er. 

Röhse: „Ich werde weiterhin Seite an Seite mit Ihnen gegen jede rechte Tendenz agieren”

„Das dachten viele 1933 auch. Aber was kommt, das möchte ich nicht erleben. Deshalb werde ich auch weiterhin gerne Seite an Seite mit Ihnen gegen jede rechte Tendenz agieren.” Es beunruhige ihn sehr, sagt Röhse, dass der Zuwachs von Menschen, die rechte Positionen offen und öffentlich vertreten, immer größer werde.

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Trampenau: „Die AfD guckt nicht mehr so stark auf Heideruh, sondern momentan hat sie einen Feind und das ist Herr Röhse”

Bea Trampenau, Geschäftsführerin des Wohn- und Ferienheim Heideruh e.V., kommentiert das mit einem Satz, der für Applaus sorgt: „Die AfD guckt nicht mehr so stark auf Heideruh, sondern momentan hat sie einen Feind und das ist Herr Röhse.” 

Zwölf Jahre lang habe jedes Gespräch mit dem Bürgermeister zu konkreten Ergebnissen geführt: bei gemeinsamen Stadtrundgängen, bei Gedenkveranstaltungen, bei der Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Vor allem die geschichtliche Aufarbeitung sei in seiner Amtszeit vorangekommen.

1926: Als der Wald zum Schutzraum wurde

Das Grundstück im Wald kaufte eine kommunistische Widerstandsgruppe 1926, um sich zu treffen, zu erholen und Strategien gegen den aufkommenden Faschismus zu entwickeln. Bis 1936 war es im Besitz von Ernst Stender. Die Familie wurde enteignet. Fast alle Menschen, die Heideruh gründeten, wurden von Faschisten ermordet.

Was zwischen 1936 und 1945 mit dem Ort geschah, ist noch nicht vollständig erforscht. Trampenau sagt, es gebe Hinweise, dass das Grundstück in dieser Zeit nicht faschistisch genutzt wurde.

 Bea Trampenau, Geschäftsführerin von Heideruh, und Bürgermeister Röhse beim Jubiläumsfest: Zwölf Jahre Zusammenarbeit, die Heideruh nach außen getragen hat. Foto: JOTO
Bea Trampenau, Geschäftsführerin von Heideruh: „100 Jahre lang schon da – Heideruh bleibt Antifa” . Foto: JOTO

Nach dem Krieg sprach die britische Besatzungsarmee das Grundstück dem Komitee für politisch Verfolgte zu. Ein Kinderheim der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes entstand, die Freie Deutsche Jugend betrieb ein Schulungshaus. Als in den 1950er Jahren viele tragende Organisationen verboten wurden, zog sich Heideruh ins Verborgene zurück. Nach der Wiedervereinigung kamen ehemalige DDR-Bürgerinnen und ‑Bürger hierher. „Wir sind der östlich geprägteste Ort im Westen”, sagt Trampenau.

Vom versteckten Ort zum Sichtbaren

Ab den 2010er Jahren öffnete sich Heideruh bewusst nach außen. Trampenau hatte erkannt: Ohne öffentliche Sichtbarkeit droht dem Ort das Ende. Heute bewahrt Heideruh vor allem Hamburger Geschichte, die Geschichte der politisch Verfolgten und ihrer Kinder. Außerdem bietet es einen Erholungsort mit mehreren Übernachtungsmöglichkeiten.

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Die Geschwister-Scholl-Jugend wurde hier gegründet. IG-Metall-Jugendseminare finden hier statt. „Das Ausgeprägteste ist wirklich die Erinnerungsarbeit, das Erinnern an die Verfolgten und daraus die Lehren ziehen, was das für heute heißt”, sagt Trampenau.

Erinnerungsarbeit wichtiger denn je

Röhse greift diesen Gedanken auf. Er erinnert an Zeitzeugen wie die Sängerin und Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano, die er bei einer Gedenkveranstaltung in der Buchholzer Empore erlebt hatte. Gerade weil solche Stimmen fehlen, sei Erinnerungsarbeit heute wichtiger denn je.

Zum Abschluss unterstützt er die geplante Umbenennung des Ahornwegs, an dem Heideruh liegt, in „Familie-Jacob-Weg”. Deren Geschichte habe ihn tief berührt. Weitere Hintergründe zur Umbennung hier: Buchholzer Fraktionen wollen Straße für Widerstandsfamilie Jacob benennen

Politische Präsenz am Nachmittag überschaubar

Mit Blick auf die Bürgermeisterwahl am Sonntag, 13. September 2026, diskutieren Besucher bei Heideruh eine Frage intensiv: Wer kann Röhse ersetzen? Bürgermeisterkandidatin Grit Weiland (WIR für Buchholz) und Michael Riedel (Volt/Grüne/Buchholzer Liste) waren beim Sommerfest anwesend, auch die Linken hatten einen Stand.

Welcher Bürgermeisterkandidat kann standhalten?

Trampenau sagt im Gespräch mit buchholz-aktuell.de: „Wer ist denn jetzt der richtige Bürgermeisterkandidat oder Kandidatin, die dem, was jetzt auf uns zukommen wird, wirklich standhalten kann? Da geht es nicht mehr nur um Parteizugehörigkeit, sondern da geht es auch um Persönlichkeit.” Wer zur Wahl antritt hat buchholz-aktuell.de hier aufgeschrieben: Diese sechs Kandidaten wollen Bürgermeister in Buchholz werden

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Röhse habe genau diese Persönlichkeit gezeigt, sagt Trampenau. Er habe sich vor Angriffen von rechts klar positioniert, auch im Stadtrat. Nun tritt er nicht mehr an. Eine Prognose zur Stärke der AfD bei der Kommunalwahl gibt Trampenau nicht ab: „Alle antifaschistisch aktiven Menschen haben nie mit dem gerechnet, was jetzt passiert.”

Festwoche geht weiter

Das Jubiläumsjahr geht im August mit einer Festwoche weiter, mit Lesungen und weiteren Veranstaltungen. Bei der laufenden Spendenkampagne kamen schon mehr als 10.000 Euro zusammen. Das Ziel: 100.000 Euro um den Ort unter anderem als Übernachtungsstätte zu modernisieren und auszubauen. 

Der Wald bei Seppensen bleibt, was er seit 100 Jahren ist: ein Ort, der Erinnerung und Gegenwart verbindet. Und ein Ort, der zeigt, dass im Kampf gegen Rechtsextremismus auch ein CDU-Bürgermeister und eine antifaschistische Begegnungsstätte an einem Strang ziehen können. Zumindest solange der Bürgermeister Röhse heißt. (JOTO)

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