
Buchholz in der Nordheide/Hanstedt. Acht Gruppen aus der Nordheide und Hamburg-Harburg haben sich zum „Netzwerk Nordheide für Demokratie gegen Rechtsextremismus” zusammengeschlossen. Am Donnerstag hatten sie im Alten Geidenhof in Hanstedt ihren ersten gemeinsamen Auftritt. Rund 80 Menschen kamen zum Auftaktabend, der bewusst auf den Vorabend des 8. Mai gelegt wurde.
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Das neue Netzwerk versteht sich als Dach und gegenseitige Stütze, nicht als steuernde Zentrale um die bereits bestehenden Iniativen besser zu verknüfpen. Judith von Witzleben-Sadowsky vom Forum Hanstedt sagt: „Wir wollen uns gegenseitig unterstützen und nichts überstülpen.” Die einzelnen Gruppen bleiben weiter bestehen.
Zu dem neuen Netzwerk gehören ProDemokratie, Heideruh, Winsen bleibt bunt, Demokratie bewegt, das Bündnis für Demokratie Buchholz in der Nordheide, das Forum für Demokratie Hanstedt und Umgebung, das Harburger Bündnis Einig gegen Rechts sowie das Forum für Zivilcourage Tostedt.
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Die Reichweite des Netzwerks erstreckt sich von der Nordheide bis nach Hamburg-Harburg. Als Vorbild nennen die Beteiligten das Netzwerk Südheide, das mit einem Kernteam von 13 Personen nach eigenen Angaben auf rund 900 aktive Unterstützerinnen und Unterstützer kommt.
Unterstützen, nicht überstülpen
Der Zusammenschluss funktioniere über monatliche Präsenztreffen und eine Chat-Gruppe. Wer zum Beispiel Hilfe bei einer Demonstration oder Veranstaltung brauche, könne dort anfragen. Von Witzleben-Sadowsky betont ausdrücklich, jede beteiligte Gruppe solle ihre eigenen Ideen verwirklichen.
Den Anstoß zur Gründung gab kein einzelner Vorfall, sondern die allgemeine politische Entwicklung. „Es ist spät, aber nicht zu spät”, sagt von Witzleben-Sadowsky. Das Forum für Demokratie Hanstedt und Umgebung, das als Gastgeberin des Abends fungierte, besteht seit Juli 2025.
Die Gründungsveranstaltung fand bewusst nahe dem 20. Juli statt, dem Jahrestag des Attentats auf Hitler. Rund 15 Menschen engagieren sich dort aktiv, ehrenamtlich und überparteilich. Pierre Weiss fasste die Grundüberzeugung mit einem Zitat des Soziologen Oskar Negt zusammen: „Demokratie ist die einzige Staatsform, die gelernt werden muss.”
Wenn der Nachbar die Reichsflagge hisst
Nachdem sich die verschiedenen Gruppen vorgestellt hatten, gestaltete Martin Raabe, Gründungsmitglied der Initiative „Beherzt für Demokratie und Vielfalt e.V.” aus dem Raum Uelzen und ehemaliger Seemannspastor den Abend. Sein Vortrag trug den Titel „Völkische Ideologien und deren Einfluss auf unsere Gesellschaft”.

Raabe schilderte konkrete Beispiele aus der näheren Umgebung. In Ebstorf hisst ein Nachbar am 23. Mai, dem Tag des Grundgesetzes, die preußische Reichsflagge auf Halbmast. Am 18. Januar, dem Jahrestag der Reichsgründung, weht sie ganz oben. Raabe zeigte zudem Aufnahmen von Wolfsangel-Symbolen an Gebäuden und auf Findlingen in der Heide sowie Bilder eines rechtsextremen Aufmarsches in Dresden im Februar 2026, an dem Personen aus der Region teilgenommen haben.
Als warnendes Beispiel für die Folgen ungebremsfer rechtsextremer Siedlungsstrategien diente das Dorf Jamel in Mecklenburg-Vorpommern, wo 38 der 40 Einwohner der Neonazi-Szene angehören sollen. Raabe beschrieb, wie der mehrfach vorbestrafte Neonazi Sven Krüger vor gut 20 Jahren begann, gezielt Immobilien für Gleichgesinnte aufzukaufen. Wer sich dort öffentlich positionierte, musste mit Einschüchterung rechnen. Raabe erinnerte mit Blick auf diese Entwicklungen daran: „Die Geschichte zwischen 1922 und 1933 konnte nur geschehen, weil der größte Teil der Bevölkerung still war.”
Mehr als 10.000 Kreuze als Zeichen
Raabe stellte auch die praktische Arbeit seiner Initiative vor. Weit mehr als 10.000 Kreuze ohne Hakenkreuz stehen nach seinen Angaben inzwischen vor Häusern, Höfen, Gaststätten, Rathäusern und Kirchen in ganz Deutschland. Sie sollen ein sichtbares Zeichen für Vielfalt und Demokratie setzen. Diese Sichtbarkeit hat Konsequenzen: AfD-Politiker fordern laut Raabe die Einstellung der staatlichen Förderung seiner Initiative.
Für das Netzwerk Nordheide liegt nun die Arbeit vor Ort an. Helga Hoppe, eine der Beteiligten, verwies auf die bevorstehenden Kommunalwahlen. Es gelte, Menschen zu motivieren, zur Wahl zu gehen und für demokratische Parteien zu stimmen. Wer sich beteiligen möchte, kann zu den monatlichen Netzwerktreffen kommen oder eine der Mitgliedsgruppen kontaktieren. Weitere Gruppen und Einzelpersonen sind ausdrücklich willkommen. (JOTO)










