Buchholz in der Nordheide. Wie viele Winter hält die alte Ölheizung im Keller? Wie lange gibt es das Gasnetz noch? Und was passiert dannach? Diese Fragen treibt derzeit Hausbesitzer in Buchholz um. Als Alternative könnte es im nächsten Jahrzehnt ein zentrales Wärmenetz geben.
Doch für Hausbesitzer in Dibbersen, Trelde, Holm-Seppensen und allen anderen außerhalb gelegenen Stadtteilen ist die Sache schon jetzt klar: Sie werden nicht an ein neues, zentrales Wärmenetz angeschlossen und müssen selbst in eine neue Heizung, aktuell sind das vor allem Wärmepumpen, investieren. Bestandsanlagen sind dabei geschützt.
Das geht aus dem neuen Wärmeplan und Kälteplan der Stadt hervor, der in der nächsten Woche öffentlich bei einer Infoveranstaltung vorgestellt wird. buchholz-aktuell.de fasst schon jetzt den aktuellen Stand zusammen.
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Die politische Diskussion dreht sich nun nur noch um die Kernstadt (Innenstadt und möglicherweise Gebiete südlich vom Bahnhof). Dort herrscht zusätzlich Streit darüber, wer die millionenschwere Wärmenetze bauen könnte.
Was ist ein Wärmenetz?
Ein Wärmenetz funktioniert wie eine große Zentralheizung für ganze Stadtteile: In einer zentralen Anlage wird Wärme erzeugt - etwa durch Biomasse, Großwärmepumpen oder Erdwärme - und durch isolierte Rohre unter der Straße zu den einzelnen Häusern geleitet. Die Hausbesitzer brauchen dann nur noch eine kleine Übergabestation, statt einer eigenen Heizung. Der Ausbau eines Wärmenetzes ist in dezentralen Gebieten weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll, stellt die Verwaltung fest.
Die Verwaltung will private Unternehmen suchen, die auf eigene Kosten Machbarkeitsstudien erstellen und später die Netze bauen. Bis Ende 2027 soll geklärt sein, ob sich Investoren finden. Erst dann würde feststehen, ob die Kernstadt tatsächlich Fernwärme bekommt.
Christian Vargel (Grüne) kritisiert: Die Stadt dürfe nicht nur auf private Investoren warten, wenn sie bis 2035 klimaneutral werden wolle. Man müsse „in den dezentralen Gebieten jetzt aktiv für Wärmepumpen werben”, fordert er. Auch die Zukunft der Gasnetze müsse geklärt werden – diese würden für die verbleibenden Nutzer immer teurer.
Klimabeirat fordert aktivere Rolle der Stadt
Dr. Janosch Ondraczek, Vorsitzender des ehrenamtlichen Klimabeirats berichtet von vierstündigen Diskussionen seines Gremiums, das die Politik beraten soll. Der Wärmeplan sei laut einem Zwischenergebnis des Beirats solide, aber die Umsetzung bereite Sorgen. „Wir brauchen ein mehrgleisiges Vorgehen”, erklärt er. Die Stadt solle nicht nur auf Unternehmen warten, sondern auch selbst prüfen, ob sie mit anderen Kommunen kooperieren oder selbst eine Machbarkeitsstudie finanzieren könne.

Das fordern auch einige Politiker, sich nicht nur auf private Investoren zu verlassen, sondern auch selbst aktiv zu werden zum Beispiel mit einer eigenen Machbarkeitsstudie.
Kritisch sah Ondraczek die Rolle der Stadtwerke beim möglichen Bau eines Fernwärmenetzes. Deren Chef Dr. Christian Kuhse habe auf die begrenzten finanziellen Möglichkeiten verwiesen – die Stadtwerke könnten den neuen Netzausbau nicht stemmen. „Wenn der lokale Akteur nicht mitzieht, kann es sehr schwierig werden”, warnt Ondraczek. Gleichzeitig breche mit dem Ende der Gasversorgung ein großer Teil des Stadtwerke-Geschäfts weg.
Infoveranstaltung der Stadt am 1.Oktober
Die Infoveranstaltung der Stadt zum Wärmeplan findet am Mittwoch, 1. Oktober, ab 19 Uhr im Rathaus in der Kantine (links vom Haupteingang) statt. Es geht um die Fragen: Bekomme ich eine Fernwärmeleitung vor die Haustür gelegt, wie lange gibt es das Gasnetzt noch und muss ich selbst Zehntausende Euro für eine Wärmepumpe investieren? Der Klimaschutzbeauftragten Nico Wiesmann oder ein Vertreter des Planungsbüros sollen den komplizierten Plan verständlich erklären und Fragen beantworten, verspricht die Stadt. Udo Irmer, Energieberater aus Lüneburg steht als Experte für Fragen zur Verfügung. Der Eintritt ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich.
Stefan Menk (CDU) verteidigt die Position der Stadtwerke. Die Ressourcen seien „arg begrenzt”, man müsse sich auf die Sicherung von Bus und Bad konzentrieren. „Wir sind stark angewiesen auf privates Engagement”, räumt er ein. Die strategische Entwicklung der Wirtschaftsbetriebe werde zwar diskutiert, könne aber nicht öffentlich besprochen werden.
FDP zweifelt an Wirtschaftlichkeit
Martin Pries (FDP) geht noch einen Schritt weiter. „Das ist aktuell kein Plan, sondern nur eine Bestandsaufnahme”, kritisiert er. Bevor die Stadt Geld für eine Machbarkeitsstudien ausgebe, solle sie erst die Bürger in der Kernstadt fragen, ob diese überhaupt an ein Wärmenetz angeschlossen werden wollen. Aus Erfahrung wisse er, dass solche Projekte schnell unwirtschaftlich würden, wenn nicht genug Haushalte mitmachen.
Die Diskussion mündet in einen Prüfauftrag an die Verwaltung. Ausschussvorsitzender Jan Bauer (CDU) hatte die Vertagung vorgeschlagen, weil zu viele Fragen offen seien. Geklärt werden soll nun unter anderem: Was kostet eine Machbarkeitsstudie? Welche Fördergelder gibt es? Können Hausbesitzer zum Anschluss gezwungen werden?
Für die Bewohner außerhalb der Innenstadt ändert das alles nichts. Sie müssen sich weiter selbst um ihre Heizung kümmern. Dafür haben sie aber schon jetzt Planungssicherheit. Die Stadt will sie dabei mit Beratungsangeboten unterstützen. In der Kernstadt hingegen heißt es weiter warten – möglicherweise sogar bis 2027. Spätestens dann ist klar, ob es Fernwärme in der Zukunft gibt oder auch dort jeder selbst investieren muss. (JOTO)











