
Buchholz in der Nordheide/Dibbersen. „Die WLH hat keinen Zugriff auf die Grundstücke”, erklärt Andreas Krause von der Fox Group bei der Ausschusssitzung am Mittwoch im Buchholzer Rathaus. Wenige Minuten zuvor hatte eine breite Mehrheit der Buchholzer Politiker entschieden, beim geplanten Gewerbegebiet zwischen Dibbersen und Nenndorf nicht die Pläne der Fox Group zu verfolgen, sondern auf die Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg (WLH) zu setzen.
Nach dem Tagesordnungspunkt verließen die drei Vertreter der Fox Group den Sitzungssaal. Zuvor hatten sie noch die Konkurrenz zur Kooperation aufgefordert und Visitenkarten mit den WLH-Vertretern ausgetauscht. Die Auseinandersetzung um das Millionen-Gewerbegebiet „Dibbersen Nord” erreicht damit eine neue Stufe – noch bevor der erste Bebauungsplan überhaupt entworfen wurde.
Aus dem ursprünglich geplanten 46.000 Quadratmeter großen „Dibbersen Nord” ist inzwischen das 96.000 Quadratmeter große Projekt „BAB Nord” geworden. Vier Jahre nach dem ursprünglichen Beschluss von 2021 war Anfang dieses Jahres wieder Bewegung in die Sache gekommen. Schon vor vier Jahren wollte Buchholz das Gewerbegebiet gemeinsam mit der WLH entwickeln.
Fox Group sicherte sich heimlich Grundstücke
Doch dann passierte jahrelang nichts, ein Teil des Projekts musste wegen eines Kiesabbaugebiets verworfen werden und das Gewergegebiet Trelder Berg Nord rückte in den Fokus der Planer. Diese Lücke nutzte die Fox Group und sicherte sich nach eigenen Angaben Zugriff auf 90 Prozent der Grundstücke, wo das Gewerbegebiet „BAB Nord” entstehen soll. Jetzt wollen fast alle Politiker – nur die FDP nicht – wieder mit der WLH zusammenarbeiten.
„Wir möchten die WLH einladen, dass wir zusammen im Interesse aller ein Gewerbegebiet entwickeln”, erklärt Krause von der Fox Group nach der Abstimmung. Das klang nach Entgegenkommen – eher als eine Drohung nahmen es allerdings mehrere Teilnehmer der Sitzung wahr.
Ohne die Fox Group geht anscheinend nichts mehr, denn sie kontrolliert nach eigenen Angaben einen Großteil der Grundstücke. Details dazu gab es nicht.
CDU und SPD lassen sich nicht erpressen
Die Botschaft kam in der Politik nicht gut an. „Wir haben uns intensiv mit beiden Projektentwicklern auseinandergesetzt und sehen es als erstrebenswert an, dass die WLH das Projekt entwickelt”, sagt Stefan Menk (CDU) gegenüber buchholz-aktuell.de. Die CDU-Fraktion stehe geschlossen hinter den WLH-Plänen.
Man habe sich bei Fraktionssitzungen ausführlich mit der Fox Group beschäftigt und diese auch zu Gesprächen eingeladen. „Wir als CDU setzen uns dafür ein, die regionalen Unternehmen bei uns in Buchholz zu halten”, sagt Menk.
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Auch die SPD lässt sich nicht unter Druck setzen. „Wir unterstützen die WLH, weil regionale Unternehmen schon jetzt nicht genug Platz in unseren anderen Gewerbegebieten haben”, erklärt Steffi Menge (SPD) im Gespräch mit buchholz-aktuell.de.
Die SPD setze auf die entstehenden Arbeitsplätze. Ein WLH-Konzept mit kleinteiligeren Grundstücken finde zudem bessere Akzeptanz bei den Nenndorfern.
Grit Weiland von der Buchholzer Liste räumt ein, dass sie „zähneknirschend” für eine Entwicklung zustimme. Die Bodenversiegelung bereite ihr Sorgen, aber die Gewerbesteuer schade auch nicht. „Wenn schon ein Gewerbegebiet, dann ist die Lage ideal, weil es nahe der Autobahn ist”, sagt Weiland.
Abstimmung fast einstimmig gegen Fox Group
Das Abstimmungsergebnis fiel deutlich aus: Nur die FDP stimmte gegen den Beschluss, mit der WLH zusammenzuarbeiten. Alle anderen Fraktionen votierten dafür. Martin Pries (FDP) hat zuvor noch gefragt, ob eine Zusammenarbeit mit der Fox Group möglich sei.
Jens Wrede von der WLH antwortet: „Grundsätzlich sind wir für Gespräche offen, aber bisher hat kein Kontakt stattgefunden.”
Unterschiedliche Konzepte
Die Vorstellungen der beiden Konkurrenten für das Gewergegebiet „BAB Nord” unterscheiden sich grundlegend. Die Fox Group hatte im Februar ein Konzept mit einem 8.000 Quadratmeter großen Rechenzentrum als Kernstück vorgestellt.
Dazu sollten sowohl regionale als auch überregionale Unternehmen kommen – konkret waren Aldi Nord für ein Gemüsefrischelager und die Logistikfirma Schenker als Interessenten genannt worden. Die Fox Group würde dabei als Vermieter auftreten.
Hintergründe zum Gewerbegebiet:
- Dibbersen: Buchholzer FDP und CDU-Abgeordneter werben für Rechenzentrum – WLH-Alternativen in der Kritik
- Überraschender Machtkampf: Wer soll Gewerbegebiet Dibbersen Nord entwickeln?
- Neues 46.000 qm Gewerbegebiet in Dibbersen? Nenndorfer skeptisch
Die WLH verfolgt dagegen einen anderen Ansatz: „Wir wollen das Gebiet vorrangig für den heimischen Mittelstand entwickeln”, betont Jens Wrede. Ein Rechenzentrum bringe keine sicheren Gewerbesteuern, wenig Arbeitsplätze und passe eher in den TIP Innovationspark Nordheide.
Wrede sieht den Standort für mittelständische Unternehmen aus der Region, die eigene Firmengebäude errichten und dauerhaft in Buchholz verwurzelt bleiben. „Gerade der Mittelstand braucht eigene Gewerbeflächen und nicht Mietverträge mit internationalen Investoren”, sagt der WLH-Geschäftsführer.
Philip Schlumbohm (GRÜNE) begrüßt auch deswegen die Entwicklung durch die WLH und sieht den Standort für mittelständische Unternehmen aus der Region. Für großflächige Logistikstandorte gebe es bessere Standorte.
Das beste Konzept wird gesucht
„Der Stadtrat muss jetzt entscheiden, Gespräche sollen stattfinden. Es geht uns um das beste Konzept”, sagt Wrede. Ob und wie die angebotene Zusammenarbeit zwischen WLH und Fox Group nun zustande kommt, bleibt fraglich. Sascha Petersmann von Fox Real Estate hatte zuvor noch betont: „Ein Hybridmodell kann sehr interessant sein. Wir haben einige Flächen entwickelt und dabei neue Unternehmen mit alten verbunden.”
Die Verwaltung wird nun beauftragt, ein städtebauliches Konzept mit der WLH zu erstellen und einen entsprechenden Vertrag abzuschließen. Ein Bebaungsplan kann die Stadt auch ohne Erwerb der Grundstücke aufstellen, in diesem wird nur festgehalten, was gebaut werden könne.
In der kommenden Woche entscheidet der Stadtrat über das Thema. Dannach werden die Gespräche mit WLH, Politikern und der Fox-Group folgen. Wie das Gewerbegebiet am Ende aussehen wird, ist damit noch komplett unklar. Fest steht nur, dass es gebaut werden soll. (JOTO)










