
Buchholz in der Nordheide. Nach anhaltender Kritik an den Fahrzeitkürzungen beim Buchholz Bus verteidigen Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU) und Dr. Christian Kuhse, Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe Buchholz, die umstrittene Entscheidung.
Seit Montag fahren die drei Linien der Stadtbusse nur noch von 6.30 bis 20 Uhr statt wie bisher von 5.30 bis 21 Uhr. An Samstagen verkehren sie von 8 bis 16.30 Uhr statt von 7.30 bis 21 Uhr.
„Wir mussten den Busverkehr zuletzt mit rund 1,7 Millionen Euro bezuschussen”, erklärt Kuhse. In den jetzt gekürzten Randzeiten hätten im Durchschnitt nur ein bis zwei Personen in den 90-Plätze-Bussen gesessen.
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Die Ein- und Zustiege wurden über das ganze Jahr 2023 mit automatischen Sensoren an allen Ein- und Ausgängen aller Busse erfasst. Das Fahrgastzählsystem sei vom HVV freigegeben.
In 2024 wurden so insgesamt mehr als 1,4 Mio Fahrgäste gezählt. Das Niveau vor Corona wurde noch nicht wieder erreicht, das liegt vermutlich auch am Home-Office.
Energiewende bringt Stadtwerke in Bedrängnis
Bisher wurden die Verluste beim Buchholz Bus durch Einnahmen der Stadtwerke aufgefangen. Aber die finanzielle Lage der kommunalen Betriebe verschärfe sich durch die Energiewende dramatisch. „Wir haben rückläufige Gewinne bei den Stadtwerken, gleichzeitig sehr hohe Investitionen ins Stromnetz”, erklärt Röhse. Wärmepumpen, Photovoltaik-Anlagen und Wallboxen erfordern massive Netzaufrüstungen.
Kuhse rechnet vor: „In den nächsten 20 Jahren müssen wir 100 Millionen Euro allein in das Stromnetz investieren.” Gleichzeitig brechen die Gasgeschäfte weg – bisher zwei Drittel der Stadtwerke-Gewinne. Das liege unter anderem an Klimaschutzzielen und dem Ausstieg aus dem Gasgeschäft.
Nur zehn Prozent aller Kommunen leisten sich Stadtbus
Der Geschäftsführer stellt klar: „Nur etwa zehn Prozent aller Kommunen in Deutschland leisten sich einen lokalen Busverkehr.” Buchholz habe mit drei Linien und 30-Minuten-Takt ein deutlich umfangreicheres Angebot als vergleichbare Städte wie Winsen (Luhe) mit nur zwei Linien im 60-Minuten-Takt.
Durch die Kürzungen der Betriebszeiten können etwa 330.000 Euro eingespart werden – das sind knapp 20 Prozent der Verluste. „Wir lassen die Betroffenen nicht im Regen stehen”, versichert Kuhse. Als Alternative stehe das subventionierte Anruf-Sammeltaxi zur Verfügung.
Hintergründe zu den Kürzungen beim Bus:
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Die Entscheidung über die Fahrplan-Änderungen sei nicht von der Geschäftsführung oder dem Bürgermeister alleine getroffen worden, betont Röhse. Der Aufsichtsrat der Wirtschaftsbetriebe – besetzt mit Ratsmitgliedern aller Fraktionen – habe die Kürzungen beschlossen. „Jede Partei wusste das”, sagt der Bürgermeister auch mit Blick auf Kritik von Politikern im Finanz-Ausschuss am Montag – wie buchholz-aktuell.de exklusiv berichtete.
Um den gesamten Betrieb des Buchholz Bus nicht zu gefährden, hätte kein Weg an den Kürzungen vorbei geführt, sind sich Bürgermeister Röhse und Wirtschaftsbetriebe-Chef Kuhse einig. Aus dem eigenen Haushalt könne Buchholz die 300.000 Euro nicht stemmen. (JOTO)










